Finanzen

Commerzbank-Aktie aktuell: Rekordgewinn und weiterer Stellenabbau gegen Unicredit

Starke Commerzbank-Zahlen, ehrgeizige Gewinnziele und tausende gestrichene Stellen sollen die Zukunft der Bank sichern. Doch gleichzeitig wächst der Druck durch die italienische Unicredit. Für Anleger der Commerzbank-Aktie stellt sich jetzt die entscheidende Frage nach dem tatsächlichen Wert des Instituts.
08.05.2026 11:42
Lesezeit: 4 min

Commerzbank-Aktie aktuell: Rekordgewinn und weiterer Stellenabbau gegen Unicredit

Die Commerzbank (ISIN: DE000CBK1001) will mit einem zusätzlichen Stellenabbau und höheren Gewinnen Anleger von ihrer eigenständigen Zukunft überzeugen und damit eine feindliche Übernahme durch die Unicredit (ISIN: IT0005239360) verhindern. Bis 2030 sollen konzernweit rund 3.000 weitere Vollzeitstellen wegfallen, wie der DAX-Wert in Frankfurt bekanntgab. Für die Commerzbank-Aktie ging es nach den Meldungen allerdings zunächst nach unten.

Am Vormittag verlor die Commerzbank-Aktie zeitweise mehr als 1,3 Prozent auf 36,43 Euro und gehörte damit zu den schwächeren DAX-Werten, nachdem der Kurs in den vergangenen Tagen zeitweise über 37,50 Euro gestiegen war. Im ersten Quartal 2026 präsentierte die Bank bessere Commerzbank-Zahlen als von Analysten erwartet. Branchenexpertin Anke Reingen von der kanadischen Bank RBC bezeichnete die Ziele der Frankfurter für die kommenden Jahre jedoch als ambitioniert.

Mit Blick auf das Übernahmeangebot der Unicredit vom Dienstag argumentiert die Commerzbank, dass die Pläne der Italiener einen deutlich stärkeren Stellenabbau bedeuten würden. Das Institut aus Mailand, das knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile kontrolliert, möchte sich bis 16. Juni per Aktientausch weitere Anteile sichern und hat für den Fall einer Übernahme bereits einen Umbauplan vorgestellt.

Starker Jahresauftakt für den DAX-Wert

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, die sich mit ihrem Team seit inzwischen mehr als eineinhalb Jahren gegen eine Übernahme wehrt, sieht sich durch den besten Jahresstart seit 2011 bestätigt: "Wir sind mit Ergebnissen auf Rekordniveau ins Jahr gestartet. Das beweist: Unsere Strategie funktioniert - und hat mehr Potenzial als ursprünglich geplant." Daran müsse sich jede Alternative messen lassen. "Die Pläne der Unicredit überstehen den Realitätscheck nicht", sagte Orlopp während einer Telefonkonferenz.

Im ersten Quartal 2026 schnitt die Commerzbank besser ab als im Vorjahreszeitraum. Mit rund 1,36 Milliarden operativem Ergebnis und einem Überschuss von 913 Millionen Euro übertraf das Frankfurter Geldhaus das Vorjahresquartal jeweils um etwa zehn Prozent und erzielte zugleich bessere Commerzbank-Zahlen als von Analysten erwartet.

Commerzbank-Gewinn soll weiter steigen

Für 2026 erwartet die Commerzbank im Rahmen ihrer überarbeiteten Strategie "Momentum 2030" einen höheren Commerzbank-Gewinn als bisher. Das Institut peilt nun einen Überschuss von mindestens 3,4 Milliarden Euro an und damit 200 Millionen Euro mehr als bislang. Bis 2028 soll das Ergebnis stärker als bisher geplant auf 4,6 Milliarden steigen, 2030 sollen sogar 5,9 Milliarden Euro unter dem Strich stehen.

Die Rendite auf das materielle Eigenkapital soll damit Ende des Jahrzehnts rund 21 Prozent erreichen. Für 2026 peilt Orlopp inzwischen etwa 12 Prozent an, im Jahr 2028 soll die Kennzahl mit rund 17 Prozent ebenfalls höher ausfallen als bislang angekündigt.

Im Gesamtjahr 2025 hatte die Bank trotz hoher Kosten für den bereits laufenden Stellenabbau mit gut 2,6 Milliarden Euro unter dem Strich den Rekordgewinn von 2024 mit knapp 2,7 Mrd Euro nur knapp verpasst. Die aktuelle Commerzbank-Bilanz zeigt dennoch eine robuste Entwicklung des DAX-Werts.

Commerzbank-Aktie: Unicredit erhöht den Druck

Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt seit dem Einstieg bei der Commerzbank im September 2024 für eine Übernahme und hatte zuletzt öffentlich eine aus seiner Sicht seit Jahren "unterdurchschnittliche operative Leistung" der Commerzbank kritisiert. Ohne strategische Neuausrichtung sei mittelfristig sogar das Überleben des Instituts gefährdet. Die Unicredit, die in Deutschland mit der Hypovereinsbank (HVB) aktiv ist, stellte ein Umbauprogramm für den Fall einer Commerzbank-Übernahme vor. Demnach würden in Deutschland etwa 7.000 Vollzeitstellen gestrichen.

Die Commerzbank-Spitze weist die Pläne der Unicredit als unkonkret und riskant zurück. "Solche extensiven Stellenstreichungen würden das Deutschland-Geschäft beeinträchtigen", erklärte das Frankfurter Geldhaus in einer Präsentation. Um die von der Unicredit angekündigten weiteren Einsparungen von 800 Millionen Euro bei Personal- und Sachkosten umzusetzen, müssten nach Ansicht der Commerzbank-Spitze zusätzlich 3.000 bis 4.000 Vollzeitstellen gestrichen werden.

Betriebsrat unterstützt Einschnitte

Der von der Commerzbank angekündigte Stellenabbau, dessen Kosten der Vorstand auf rund 450 Millionen Euro beziffert, soll laut Angaben der Bank "sozialverträglich" unter anderem über Verrentung und ein Altersteilzeitprogramm mit 50.000-Euro-Zusatzprämie geregelt werden. Eine mit dem Betriebsrat vereinbarte Transformationsvereinbarung regelt die Eckpunkte. Gleichzeitig sollen "in Wachstums- und Zukunftsfeldern" wie der Digital-Marke Comdirect und der Vermögensverwaltung neue Stellen entstehen.

Der Betriebsrat unterstützt den Stellenabbau. "Einsparungen werden unvermeidlich sein - doch sie sind weit weniger schmerzhaft als der Kahlschlag, den wir bei einer Übernahme erwarten müssten", argumentierte der Vorsitzende des Konzern- und Gesamtbetriebsrats der Commerzbank, Sascha Uebel, in einem Beitrag im Intranet der Bank.

Betriebsbedingte Kündigungen sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi auf Basis der Transformationsvereinbarung faktisch ausgeschlossen. "Für uns ist klar: Niemand darf seinen Job gegen seinen Willen verlieren", betonte Gewerkschaftssekretär Kevin Voß.

Zweiter Stellenabbau seit Anfang 2025

Wo genau die 3.000 Stellen wegfallen sollen, blieb zunächst offen. "Grundsätzlich schauen wir uns alle Einheiten in Bezug auf den Personalbedarf in der Zukunft an, sowohl in der AG als auch bei unseren Töchtern in Deutschland sowie an unseren internationalen Standorten", erklärte Personalvorständin Sabine Mlnarsky in dem Intranet-Beitrag.

Erst im Februar 2025 hatte die Commerzbank den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt, den Großteil davon in Deutschland. Damals hatte die Bank mitgeteilt, parallel dazu vor allem im Ausland neue Stellen schaffen zu wollen, etwa bei der polnischen Tochter mBank (ISIN: PLBRE0000012) sowie an Standorten in Asien. Ende 2025 beschäftigte der Konzern 39.867 Vollzeitkräfte. Die aktuelle Commerzbank-Bilanz zeigt damit weiterhin tiefgreifende Veränderungen im Konzern.

Widerstand gegen die Übernahme

Management, Betriebsrat und Belegschaft der Commerzbank wehren sich seit Monaten gegen das aus ihrer Sicht "feindliche" Vorgehen von Unicredit-Chef Orcel. Auch die Bundesregierung lehnt eine feindliche Übernahme der Commerzbank ab. Der Bund, der das Frankfurter Institut während der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps gerettet hatte, hält noch gut 12 Prozent der Anteile an dem DAX-Wert.

Die Unicredit bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. Diese Anteile sind nach Angaben der Unicredit auf Basis eines Drei-Monats-Durchschnittskurses 34,35 Euro wert. Das liegt jedoch unter dem jüngsten Kurs der Commerzbank-Aktie. "Das Angebot von UniCredit bewertet die Commerzbank deutlich unter ihrem Wert", lautet die Einschätzung des Vorstands um Bettina Orlopp: "Die Aktionäre der Commerzbank werden aufgefordert, auf Wertsteigerungspotenzial und Kontrolle zu verzichten, ohne dafür eine Prämie zu erhalten." Die Commerzbank-Aktie bleibt damit im Fokus der Anleger.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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