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Hantavirus-Ausbruch: Erste Passagiere ausgeflogen - auch Deutsche

Nach dem Hantavirus-Ausbruch liegt das Kreuzfahrtschiff Hondius in einem Hafen Teneriffas vor Anker. Offiziell sind drei Menschen gestorben und mehrere infiziert worden. Betroffene werden bereits von der Insel ausgeflogen. Wie bereitet man sich in Deutschland vor?
11.05.2026 11:42
Lesezeit: 7 min
Hantavirus-Ausbruch: Erste Passagiere ausgeflogen - auch Deutsche
Spanische Regierungsbeamte besprühen auf dem Flughafen von Teneriffa Passagiere mit Desinfektionsmittel, bevor diese ein Flugzeug besteigen. Zuvor waren sie vom Hantavirus befallenen Kreuzfahrtschiff MV Hondius gebracht worden. (Foto: dpa) Foto: Arturo Rodriguez

Letzte Deutsche von der "MS Hondius“ zurück

Die letzten Passagiere des vom Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiffes „Hondius“ werden von Teneriffa aus in die Niederlande ausgeflogen. Mit dabei ist auch die letzte deutsche Person an Bord, ein Mitglied der Crew, wie das niederländische Außenministerium mitteilte. Eine von der Regierung gecharterte Maschine solle am späten Abend in Eindhoven eintreffen.

Im Flieger sitzen sollen den Angaben zufolge 19 Crewmitglieder, 17 aus den Philippinen, eines aus den Niederlanden sowie eines aus Deutschland. Zudem seien ein Arzt und zwei Epidemiologen dabei. Durch den Hantavirus-Ausbruch auf der „Hondius“ waren drei Menschen gestorben und mehrere infiziert worden.

Hantavirus: Schiff wird Teneriffa verlassen

Außerdem soll am Abend noch eine zweite Maschine von Teneriffa abfliegen und nach Mitternacht in Eindhoven ankommen. Sie wurde von Australien gechartert. An Bord sind den Angaben zufolge sechs Passagiere des Schiffes. Sie kommen aus Australien und Neuseeland und sollen zunächst für kurze Zeit in Eindhoven in Quarantäne bleiben, bis sie nach Australien weiterfliegen könnten.

Das unter niederländischer Flagge fahrende Schiff sollte am Abend mit dem Rest der Besatzung Teneriffa verlassen. Es wird am Samstag in Rotterdam erwartet. Dort soll es gründlich desinfiziert werden.

Ministerium: Hantavirus-Kontaktperson geht es gut

Einer Kontaktperson aus Baden-Württemberg von dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius geht es nach offiziellen Angaben weiterhin gut. Es gebe bisher keine Hinweise auf eine Infektion, sagte ein Sprecher des Sozial- und Gesundheitsministeriums in Stuttgart.

Die Person ist als Teil eines Sonderisolierungstransports mit drei weiteren deutschen Passagieren am späten Sonntagabend aus dem niederländischen Eindhoven nach Deutschland gebracht worden. Die Ankunft des Transports bestätigte ein Sprecher der Uniklinik Frankfurt am Morgen. Dort sollen die vier Menschen auf Krankheitssymptome untersucht werden.

Am Montag soll die Kontaktperson in Quarantäne kommen

Das Sozial- und Gesundheitsministerium in Stuttgart hatte am Sonntag mitgeteilt, die Kontaktperson aus Baden-Württemberg solle anschließend in häusliche Quarantäne. Am Montag sei der Weitertransport nach Baden-Württemberg geplant. Zur Identität der betroffenen Person machte das Ministerium wegen des Schutzes der Persönlichkeitsrechte keine Angaben.

So ist derzeit unklar, woher die Person kommt, welches Geschlecht sie hat oder wie alt sie ist. Das Gesundheitsamt begleite die Maßnahme eng, hieß es vom Ministerium. "Für die Bevölkerung in Baden-Württemberg besteht nach aktueller Bewertung kein Anlass zu besonderen Maßnahmen", betonte das Ministerium.

Tägliche Überprüfung der Symptome

Die Quarantäne sei vom zuständigen Gesundheitsamt im Regierungsbezirk Stuttgart angeordnet worden und werde eng begleitet. Der Gesundheitszustand werde während der Zeit regelmäßig überwacht - dazu gehöre ein tägliches Symptommonitoring. Bei Krankheitszeichen würden sofort weitere medizinische Schritte eingeleitet.

Für den Transport von Eindhoven nach Frankfurt wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert. Sie sollten die vier Passagiere am Militärflughafen im niederländischen Eindhoven abholen. Nach der Untersuchung in Frankfurt geht es anschließend zur Quarantäne in die jeweiligen Bundesländer.

Hantavirus: Erste Passagiere ausgeflogen - auch Deutsche

Die Evakuierung der Menschen an Bord des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs ist auf Teneriffa unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und ohne Probleme angelaufen. Erste Passagiere und Crewangehörige wurden bereits wenige Stunden nach der Einfahrt der «Hondius» in den Hafen Granadilla im Süden der Urlaubsinsel in kleineren Gruppen in Booten an Land gebracht, anschließend in Bussen zum nahe gelegenen Flughafen Tenerife Sur gefahren und ausgeflogen.

Am späten Nachmittag waren auch vier deutsche Kreuzfahrtschiff-Passagiere auf dem Weg zurück in die Heimat. Eine niederländische Maschine hob von der Kanaren-Insel mit insgesamt 26 Passagieren und Crewmitgliedern der "Hondius" ab. Neben Niederländern und Deutschen befinden sich auch Belgier und Griechen an Bord, alle ohne Symptome, wie das spanische Gesundheitsministerium mitteilte.

Zuvor waren im Rahmen der Evakuierungsaktion auf der spanischen Urlaubsinsel drei Flugzeuge jeweils mit Spaniern, Franzosen und Kanadiern gestartet. Weitere Maschinen aus Großbritannien, Irland, der Türkei und den USA sollen bis zum Abend folgen. Am Montag sollen eine weitere Maschine aus den Niederlanden sowie ein Flugzeug aus Australien zum Einsatz kommen.

Vor Beginn der Ausschiffung waren Ärzte an Bord gegangen, um eine epidemiologische Untersuchung durchzuführen. Die gute Nachricht des Tages: Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder seien ohne Krankheitssymptome, teilte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García vor Journalisten am Hafen mit. Auf dem Kreuzfahrtschiff waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern.

Deutsche fliegen nach Eindhoven

Den Transport der betroffenen Deutschen übernehmen die Niederlande. Vier deutsche Passagiere sollen nach ihrer Ankunft am Flughafen im niederländischen Eindhoven nach Frankfurt gebracht werden, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) erfuhr. Für den Transport wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert.

Sie sollen noch am Sonntag vier Passagiere am Militärflughafen in Eindhoven abholen. Anschließend geht es in einem sogenannten Sonderisoliertransport nach Frankfurt.

Eine Person soll später in die Berliner Charité gebracht werden. Derzeit werde die Ausgestaltung des Transports beraten, teilte ein Sprecher der zuständigen Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit auf Anfrage der dpa mit. "Für diesen Fall ist die Aufnahme auf die Infektiologie der Charité sowie die Anordnung einer Quarantäne durch das zuständige Gesundheitsamt vorgesehen", hieß es. Den Angaben zufolge zeigt die Person bisher keine Symptome.

Die Deutschen, Franzosen, Briten, US-Amerikaner und Betroffene anderer Nationalitäten kommen nach den Spaniern dran. Die Niederlande würden dabei in ihrer Maschine neben Niederländern auch "Staatsbürger aus Deutschland, Belgien und Griechenland sowie einen Teil der Besatzung mitnehmen", verriet García.

Evakuierung vor Einbruch der Dunkelheit

Die meisten Passagiere und Crewmitglieder sollten noch am Sonntag vor Einbruch der Dunkelheit evakuiert werden. Dabei kämen unter anderem Flugzeuge aus Spanien, den Niederlanden, den USA, Großbritannien, Frankreich, der Türkei, Irland und im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus auch eine Maschine aus Norwegen zum Einsatz.

Der letzte Flug mit sechs Personen sei für Montag nach Australien geplant, erklärte Ministerin García. "Wie alle sehen können, funktionieren die Maßnahmen zur Evakuierung reibungslos."

Auf Bildern war zu sehen, wie die betroffenen Spanier in weißen Schutzanzügen auf dem Flughafen von Einsatzkräften mit Masken und in orangefarbenen Vollschutzanzügen unter anderem mit Desinfektionsmittel besprüht wurden und Informationszettel erhielten, bevor sie an Bord des Fliegers gingen, der sie nach Madrid bringt. Nach Angaben von Ministerin García dürfen alle Passagiere und Crewmitglieder nur leichtes Handgepäck mitnehmen.

Laut Schiffsbetreiber sechs Deutsche an Bord

Die "Hondius" war am frühen Vormittag in den Hafen von Granadilla eingefahren. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist darunter eine mittlere einstellige Zahl von deutschen Staatsangehörigen. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide sind insgesamt sechs Deutsche an Bord.

Laut den jüngsten Angaben der WHO gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen sind gestorben. Bei ihnen handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.

WHO-Chef versichert: "Kein neues Covid"

Gesundheitsministerin García, der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska und auch der Chef der WHO waren eigens auf die Insel gekommen, um die komplizierte Aktion zu überwachen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: "Das ist nicht ein neues Covid." Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering - zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei.

Papst Leo XIV. dankte den Menschen auf den Kanarischen Inseln dafür, dass dort das Kreuzfahrtschiff Hondius mit den Erkrankten anlegen konnte. Er freue sich auf seinen Besuch auf den Inseln im kommenden Monat, sagte der Papst, der in Rom beim Gebet "Regina Caeli" sprach.

Zunächst hatte es geheißen, das Schiff werde aus Sicherheitsgründen und auch aufgrund der Sorgen der Inselregierung vor dem Hafen vor Anker gehen. Die spanische Handelsmarine erteilte in der Nacht dann aber doch die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen. Dort liegt das Schiff nun vor Anker, bevor es mit einem Teil der Besatzung in die Niederlande weiterfährt.

Wie geht es nach Evakuierung mit Schiff und Menschen weiter?

Nach der Ankunft der WHO und anderer Behörden dürften alle Ausgeflogenen nach ihrer Ankunft in den jeweiligen Heimatländern in Quarantäne müssen, da eine Entwarnung wegen der langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich ist.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) soll die Quarantäne für die deutschen Betroffenen dezentral erfolgen. «Zuständig sind die jeweiligen Gesundheitsämter vor Ort», teilte eine RKI-Sprecherin mit. "Über die Details entscheidet das zuständige Gesundheitsamt, je nach individueller Lage und Gegebenheiten vor Ort." Das RKI hat hierfür Empfehlungen veröffentlicht. Demnach sollten die Menschen unter anderem für sechs Wochen nach der letzten möglichen Exposition in Quarantäne bleiben.

Sobald die Menschen von Bord sind, soll die Hondius ihre Fahrt mit einem Teil der Crew sofort fortsetzen und Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst dort soll der Leichnam einer an Bord gestorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffes wird in den Niederlanden vorgenommen.

Virusausbruch löst international Besorgnis aus

Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren übertragen. Ein Hantavirustyp, das südamerikanische Andesvirus, kann in seltenen Fällen aber auch von Mensch zu Mensch springen. Der Ausbruch des Andesvirus auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus - auch und gerade wegen der Erinnerung an die Corona-Pandemie. Vor allem auf den Kanaren äußerten Menschen Angst wegen einer möglichen Infektion mit dem potenziell tödlichen Virus.

Doch der jetzige Fall ist anders gelagert als der Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als sechs Jahren. Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch evakuierte Schiffspassagiere käme, wäre das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht weiter übertragbar, "sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme".

Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus sei "sehr gering". Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.

Spanisches Gesundheitssystem gab den Ausschlag

Die WHO hatte Spanien gebeten, die Menschen auf den Kanaren vor der Westküste Afrikas an Land gehen zu lassen, weil die Inselgruppe das erste potenzielle Ziel auf der Route des Schiffes mit einer erstklassigen Gesundheitsversorgung war. Kap Verde, wo die Hondius zuletzt vor Anker gelegen hatte, wollte die Passagiere mit Verweis auf die unzureichenden Versorgungsmöglichkeiten dort nicht aufnehmen.

Die Hondius hatte ihre Fahrt durch den Südatlantik am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens begonnen. Zehn Tage später starb ein Niederländer, seine Frau verließ das Schiff bei einem Zwischenstopp auf St. Helena und flog am 24. April nach Südafrika, wo sie kurz darauf in einem Krankenhaus starb. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide starb schließlich die dritte Person - die Deutsche - am 3. Mai.

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