SpaceX-IPO: Spezielle Derivate treiben Bewertung nach oben
Während traditionelle Anleger auf den Börsengang von SpaceX im Juni warten, haben einige Kryptoplattformen es ermöglicht, mit speziellen Finanzinstrumenten bereits jetzt auf den Wert des bislang größten IPO zu setzen. Spekulanten haben den Wert von Musks Unternehmen so bereits in Richtung 2,5 Billionen Dollar getrieben, schreiben unsere Kollegen von Finance.si unter Berufung auf die "Financial Times".
Kryptoplattformen wie Binance, Bitget und Trade.xyz haben begonnen, Derivate anzubieten, die Spekulationen auf den Preis von SpaceX ermöglichen, ohne dass Anleger tatsächlich Eigentum an dem Unternehmen erwerben. Es handelt sich um sogenannte Perpetuals beziehungsweise unbefristete Terminkontrakte, im Englischen "perpetual futures". Das sind derivative Finanzinstrumente, mit denen Anleger auf den Preis eines bestimmten Vermögenswerts spekulieren können, in diesem Fall SpaceX, ohne diesen Vermögenswert tatsächlich zu besitzen. Der Preis ist dabei nicht an tatsächliche Bewertungen gebunden.
Der Hauptunterschied zu gewöhnlichen Terminkontrakten besteht darin, dass unbefristete Verträge kein Fälligkeitsdatum haben. Händler können sie daher beliebig lange halten. Bei traditionellen Terminkontrakten haben Inhaber am Ende der Laufzeit üblicherweise Anspruch auf tatsächliche Aktien. Unbefristete Derivate bringen hingegen keinen Eigentumsanteil an dem Unternehmen.
Solche Instrumente ermöglichen den Handel auf Grundlage von Preiserwartungen bereits vor dem offiziellen IPO, häufig mit hohem Finanzhebel. Die Preise dieser Kontrakte hängen jedoch vollständig von der Nachfrage auf Kryptoplattformen ab, nicht von tatsächlichen Bewertungen. Sie garantieren auch keine endgültige Zahl an Aktien bei der Börsennotierung.
Diese Instrumente sind vor allem bei hochspekulativen Anlagen äußerst populär geworden. Kryptobörsen sollen im Jahr 2025 Geschäfte mit solchen Kontrakten im Volumen von 85,3 Billionen Dollar abgewickelt haben.
SpaceX-IPO: Bewertungen weichen stark von klassischen Finanzschätzungen ab
Die Bewertung von SpaceX auf verschiedenen Plattformen, die diese Finanzinstrumente anbieten, unterscheidet sich derzeit deutlich von klassischen Finanzschätzungen. Während Quellen von Gesprächen über eine Kapitalaufnahme auf Basis einer Bewertung von rund 1,75 Billionen Dollar berichten, haben Anleger auf Kryptoplattformen diese Grenze rasch nach oben verschoben.
Die Plattform Trade.xyz brachte ihre unbefristeten Terminkontrakte zu einem Preis von 150 Dollar auf den Markt. Grundlage war eine anfängliche Referenzmarktkapitalisierung von 1,78 Billionen Dollar. Die hohe Nachfrage trieb den Preis auf Trade.xyz und Binance jedoch schnell auf rund 210 Dollar. Das entspräche einem Unternehmenswert von ganzen 2,5 Billionen Dollar. Auf der Börse Binance sprangen die Preise in kürzeren Phasen sogar auf 225 Dollar.
Gleichzeitig warnen die Börsen, dass solche Bewertungen ausschließlich auf spekulativer Nachfrage beruhen. Die endgültige Zahl der Aktien beim offiziellen IPO steht noch nicht fest.
Die Euphorie zeigt sich natürlich auch an den offiziellen Märkten. SpaceX plant einen Schritt, der deutlich von traditionellen IPOs abweicht. Elon Musk will einen Teil der Aktien direkt Kleinanlegern über Plattformen wie Robinhood, Fidelity und Charles Schwab anbieten, ergänzt die "Financial Times".
Anders als bei üblichen Verfahren, bei denen Kleinanleger erst nach Handelsbeginn Zugang zu den Aktien erhalten, verspricht SpaceX, dass diese Käufer Aktien zum gleichen Preis und zur gleichen Zeit wie institutionelle Anleger bekommen sollen. Dennoch warnt das Unternehmen, dass die Nachfrage das Angebot wahrscheinlich deutlich übersteigen wird. Der Zugang wird zudem von den Bedingungen der jeweiligen Broker abhängen.
SpaceX-IPO: Was deutsche Anleger aus dem Kryptohandel lernen sollten
Für deutsche Anleger ist der Fall vor allem als Warnsignal relevant. Denn erkennbar ist, dass internationale Kryptoplattformen bereits vor der offiziellen Notierung Märkte schaffen, die sich an Erwartungen, Hebelprodukten und spekulativer Nachfrage orientieren. Wer aus Deutschland auf solche Produkte zugreift, sollte daher genau unterscheiden zwischen einem echten Aktienerwerb und einem Derivat, das nur auf einen möglichen Preisverlauf setzt.
Gerade im deutschen Markt, in dem Privatanleger zunehmend über Apps, Broker und Kryptoplattformen handeln, zeigt der SpaceX-IPO ein zentrales Risiko moderner Finanzmärkte. Der vermeintlich frühe Zugang zu einem bekannten Unternehmen kann tatsächlich ein hochspekulatives Produkt sein, das keine Eigentumsrechte, keine Aktienzuteilung und keine Verbindung zur späteren Börsenbewertung garantiert. Entscheidend ist daher nicht nur die Fantasie um Elon Musk und SpaceX, sondern die Frage, welches Instrument Anleger tatsächlich kaufen.
Das Fazit ist eindeutig. Der mögliche SpaceX-IPO erzeugt schon vor dem Börsengang enorme Spekulation. Kryptoplattformen machen daraus handelbare Erwartungen und treiben Bewertungen, die weit über klassische Finanzschätzungen hinausgehen. Für Anleger kann das verlockend wirken, doch der Unterschied zwischen echter Aktie und gehebeltem Derivat ist entscheidend. Wer auf SpaceX setzt, sollte genau wissen, ob er Unternehmensanteile erwerben will oder lediglich an einem riskanten Kryptomarkt auf eine Zahl wettet.

