Finanzen

Halbleiter-Aktien im Stresstest: Kommt jetzt die große Trendwende?

Nach Monaten rasanter Kursgewinne geraten Halbleiter-Aktien plötzlich weltweit unter Druck. Doch zum Start in die neue Handelswoche zeigen erste Chipwerte bereits Anzeichen einer Erholung. Handelt es sich nur um eine kurze Verschnaufpause – oder wie geht es weiter?
08.06.2026 12:01
Lesezeit: 2 min
Halbleiter-Aktien im Stresstest: Kommt jetzt die große Trendwende?
Nach heftigen Kursverlusten zeigen Chipwerte erste Erholungstendenzen. (Bild: ChatGPT)

Halbleiter-Aktien: Chipwerte mit erstem Stabilisierungsversuch nach Ausverkauf

Der globale Ausverkauf nach starkem Lauf hat sich bei deutschen Chipwerten am Montag nur im frühen Handel fortgesetzt. Die Aktien von Infineon (ISIN: DE0006231004) wagten einen Stabilisierungsversuch, nachdem sie um bis zu 16 Prozent von ihrem zuletzt erreichten Hoch seit dem Jahr 2000 abgesackt waren. Aus einem Minus, das anfangs nochmal gut vier Prozent betrug, wurde am Vormittag ein Tagesplus von 1,4 Prozent. Damit lagen die Titel an der DAX-Spitze in einem weiter schwachen Markt.

International hatten zuletzt Gewinnmitnahmen bei den heiß gelaufenen Technologiewerten immer größere Wellen geschlagen. Los ging es zunächst im US-Chipsektor nach einem enttäuschenden Ausblick von Broadcom (ISIN: US11135F1012), bevor am Freitag der Abwärtsdruck in New York immer größer wurde. Der Nasdaq 100 war dort vor dem Wochenende fast fünf Prozent tiefer aus dem Handel gegangen.

Kospi bricht ein: Chip-Korrektur trifft Asien mit voller Wucht

Der Kursrutsch zeigte sich dann zu Wochenbeginn teils noch stärker an den technologielastigen Börsen in Asien - von Japan über Taiwan bis Südkorea. Marktbeobachter Stephen Innes von SPI Asset Management sprach von einem "schwarzen Montag" in Seoul, wo der Handel eine Zeit lang wegen der Turbulenzen pausierte. Der Leitindex Kospi büßte am Ende mehr als acht Prozent ein.

"Wenn sich der heißeste Tummelplatz plötzlich in eine hektische Fluchtsituation verwandelt, bleibt das den Händlern nicht verborgen", erklärte Innes. Hierzulande war der Infineon-Kurs am Freitag schon um neun Prozent abgesackt, nachdem er sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt und zuletzt mit 88,46 Euro ein Hoch seit dem Jahr 2000 erreicht hatte.

Halbleiter-Aktien in Deutschland unter Druck: Auch Siltronic, Aixtron und Co. geraten ins Visier

Auch deutsche Unternehmen, die mit der Chipbranche in Verbindung stehen, folgten am Montag im frühen Handel nochmals der Verkaufswelle. Betroffen waren etwa der Waferhersteller Siltronic (ISIN: DE000WAF3001) und die Ausrüsterfirmen Aixtron (ISIN: DE000A0WMPJ6), PVA Tepla (ISIN: DE0007461006) sowie Suss Microtec (ISIN: DE000A1K0235). Wie im Falle von Infineon glichen die meisten davon ihre Anfangsverluste aber wieder aus.

Auch die in Seoul beheimateten Aktien des Chipriesen SK Hynix (ISIN: KR7000660001) setzten am Montag im deutschen Tradegate-Handel zuletzt zu einem Erholungsversuch an, genauso wie Nvidia (ISIN: US67066G1040) im vorbörslichen New Yorker Handel mit 1,1 Prozent Plus. Marvell (ISIN: US5738741041), Micron (ISIN: US5951121038) sowie AMD (ISIN: US0079031078) legten dort vorbörslich sogar um bis zu sieben Prozent zu, nachdem sie vor dem Wochenende an der Nasdaq besonders heftig verkauft wurden.

Jefferies: Überhitzung statt Trendwende

Händlern zufolge ist der Abverkauf an den US-Börsen am Freitag relativ gesittet passiert, nach und nach und ohne einen echten Panikmoment. Sie stellen sich jetzt die Frage, ob es sich nur um eine "erfrischende Pause" handelte. "Aus unserer Sicht war die Marktbewegung am Freitag weniger auf einen grundlegenden Wandel bei der Kapitalallokation zurückzuführen, sondern vielmehr auf eine überhitzte Positionierung", schrieb William Beavington von der US-Bank Jefferies.

Nun stelle sich die Frage nach neuen Kurstreibern, denn die Berichtssaison sei in der Vorwoche mit Broadcom besiegelt worden und große Kapitalerhöhungen der Internet-Riesen Alphabet (ISIN: US02079K3059) und Meta (ISIN: US30303M1027) seien bereits bekannt. Möglicherweise könnten die bald erwarteten Mega-Börsengänge der KI-Plattformen OpenAI und Anthropic ins Blickfeld rücken. Den Auftakt in dieser IPO-Reihe macht im Wochenverlauf mit SpaceX aber zunächst ein Tech-Unternehmen aus dem Raumfahrtbereich.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
13.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Experten warnen: Pleitewelle hält bis mindestens 2027 an
13.08.2026

Seit Monaten steigt die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern, obwohl jüngste...

DWN
Politik
Politik Neue "Eisseidenstraße" nach Europa: Warum Reedereien Chinas Abkürzung meiden
13.08.2026

China eröffnet eine regelmäßige Arktisroute, die Transporte zwischen Asien und Europa erheblich beschleunigen könnte. Doch europäische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Cernavoda: Rumänien schaltet AKW wegen Wassermangel ab
13.08.2026

Die Donau führt so wenig Wasser, dass Rumänien sein wichtigstes Atomkraftwerk komplett abschalten muss. Eine spektakuläre Rettungsaktion...

DWN
Politik
Politik KI-Steuer, steuerfreie Einkommen, Grundeinkommen? Zeit für einen Systemwechsel
13.08.2026

Wenn Erwerbsarbeit nicht mehr die Existenz sichert: Künstliche Intelligenz frisst Arbeitsplätze, Inflation und Steuern fressen Löhne,...

DWN
Technologie
Technologie KI: Beim Geld hört das Vertrauen auf
13.08.2026

KI-Agenten dürfen künftig vieles erledigen – nur beim eigenen Geld ziehen viele Menschen eine klare Grenze. Während das Vertrauen ins...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Befristungen treffen Berufseinsteiger besonders hart
13.08.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt wird bei Jobs auf Zeit zwar insgesamt stabiler. Doch ausgerechnet junge Menschen starten besonders häufig mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Bafög: Kabinett bringt Erhöhung auf den Weg
13.08.2026

Bafög-Empfänger bekommen mehr Geld. Die Erhöhung kommt in mehreren Schritten. Der erste davon soll zum Sommersemester 2027 umgesetzt...