Finanzen

Langweilige Apple-Konferenz ist kein Grund, die um 1.400 Prozent gestiegene Apple-Aktie zu verkaufen

Der Technologiekonzern Apple, der inzwischen fast 13 Prozent des Portfolios ausmacht, hält in dieser Woche erneut seine jährliche Entwicklerkonferenz ab. Statt neuer Produkte stehen bei der Veranstaltung vor allem Software-Updates für bestehende Geräte und Zukunftsvisionen im Mittelpunkt. Für Anleger der Apple-Aktie fielen diese Impulse in diesem Jahr offenbar ziemlich dünn aus.
17.06.2026 09:43
Lesezeit: 7 min
Langweilige Apple-Konferenz ist kein Grund, die um 1.400 Prozent gestiegene Apple-Aktie zu verkaufen
Die am meisten erwartete Innovation der Konferenz betraf Siri AI. Es wurde seit 2024 erwartet, als die Ankündigung des intelligenten Assistenten die Apple-Aktie antrieb. (Foto: dpa) Foto: Noah Berger

Apple-Aktie liefert wenig Show und viel Software

Die einwöchige Konferenz ist zweigeteilt. Der Großteil der Zeit ist als workshopartiger Lernprozess für Entwickler vorgesehen. Am ersten Tag präsentierten Vorstandschef Tim Cook und weitere Apple-Spitzenmanager Journalisten, Investoren und treuen Fans die Neuerungen, an denen das Unternehmen im Laufe des Jahres gearbeitet hatte.

Zugleich handelte es sich um einen der letzten öffentlichen Auftritte Tim Cooks als Apple-Chef. Im September übergibt er die Zügel an den bisherigen Hardwarechef John Ternus, der zum achten Vorstandschef des Unternehmens wird. In Cooks 15-jähriger Amtszeit stieg der Börsenwert von Apple um mehr als das Zwanzigfache. Zudem expandierte der Konzern in den Markt für tragbare Geräte, zu dem etwa die Smartwatch Apple Watch, die kabellosen Kopfhörer AirPods und das Virtual-Reality-Gerät Vision Pro gehören.

Doch wie gesagt, diesmal ging es auf der Bühne vor allem um Software-Feinheiten, berichtet das Portal Äripäev. Die Fans lasen daraus trotzdem Hinweise auf neue Geräte heraus. So sprach Apples Softwareingenieur Craig Federighi in seiner Präsentation über die automatische Größenanpassung von Apps, die mit der neuen Version des Betriebssystems iOS möglich werden soll.

Aus Federighis Worten ließ sich heraushören, dass dies ein Hinweis auf Apples erstes faltbares Smartphone sein könnte. Weitere Indizien fanden sich im Beta-Code von Apples Software. Dort tauchen Begriffe wie „foldstate“, „mechanicalAngleDegrees“ und „angleDegrees“ auf. Sie deuten darauf hin, dass die Software erkennen kann, wie weit ein Telefon aufgeklappt ist. Neue Geräte wurden auf der Konferenz allerdings nicht erwähnt.

Für das Unternehmen und seine Fans mag das durchaus eine spannende Nachricht sein. Anleger der Apple-Aktie wirkten nach diesem Wink mit dem Klapphandy-Zaunpfahl allerdings eher enttäuscht. Immerhin kam das erste faltbare Telefon bereits 2018 auf den Markt. Weltweite Aufmerksamkeit erhielt das futuristische Smartphone mit faltbarem Display 2019, als der südkoreanische Technologieriese Samsung ein solches Modell vorstellte. Damals mochte das noch ziemlich heißer Stoff gewesen sein. Heute wirkt Apple dadurch eher wie ein Konzern, der gemütlich hinterhertrabt.

Die Apple-Aktie ist in den vergangenen Jahren nicht mehr besonders schwankungsfreudig gewesen. Im Laufe des vergangenen Jahres bewegte sich der Kurs nur an einem einzigen Tag um mehr als fünf Prozent. Das geschah zuletzt im August, als das Unternehmen eine Investition von 100 Milliarden Dollar in die Produktion in den USA ankündigte. Der am Montag einsetzende Abwärtstrend zeigt daher, dass der Markt die auf der Konferenz verkündeten Neuigkeiten durchaus ernst nimmt. Die Apple-Aktie verlor innerhalb von zwei Tagen fast sechs Prozent.

Viel Künstliche Intelligenz

Die am meisten erwartete Neuerung der Konferenz betraf allerdings Siri AI. Darauf warteten viele bereits seit 2024, als der intelligentere Sprachassistent Siri AI erstmals angekündigt worden war.

Bislang war Siri eher ein recht schlichter Erfüllungsgehilfe für Sprachbefehle. Der Dienst wählt Telefonnummern, verschickt Nachrichten oder googelt heraus, wie lange öffentlich über das eigene Investieren geschrieben wird. Die neue Siri AI soll dagegen als eigenständige Anwendung mit vollwertigen KI-Agenten konkurrieren können. Dabei soll sie den Kontext über mehrere Anfragen hinweg behalten, Aufgaben auch innerhalb von Apps verwalten, Texte für Nutzer verfassen und Informationen aus dem Netz, aus E-Mails, dem Kalender und weiteren Quellen zusammentragen.

Unter anderem bestätigte Apple erstmals, dass die neuen Siri-AI-Funktionen auf Nvidia-Chips laufen.

Ein kräftiger Tropfen Teer im Honigtopf bleibt allerdings die Tatsache, dass nur Besitzer eines iPhone 15 Pro oder neuerer Modelle die Siri-AI-Funktionen ausprobieren können. Wer lediglich ein iPhone 15 oder ein noch älteres Modell besitzt, muss weiter mit der altmodischen Siri plaudern. Oder eben ein neues Telefon kaufen. Nach ersten Meldungen müsste man außerdem aus Europa wegziehen, denn die Datenschutz- und Sicherheitsstandards der Europäischen Union liegen für Apple derzeit offenbar noch zu hoch.

Die gute Nachricht für die großen Apple-Fans ist jedoch, dass ihnen für Umzug und Neukauf mindestens bis zum Herbst Zeit bleibt. Offiziell wird die Funktion für alle erst gegen Jahresende verfügbar.

Neues Betriebssystem

Die zweite größere Nachricht betraf das Betriebssystem iOS mit der laufenden Nummer 27. Neben allerlei verspielten Funktionen, etwa einer Vogelperspektive auf Straßen in Apple Maps oder der einfacheren Übertragung fotografierter Bank- und Kundenkarten aus Plastik in Apple Wallet, versprach Apple auch ein schnelleres System.

Auf der Konferenzbühne hieß es, das neue iOS bringe bis zu 30 Prozent schnellere App-Starts, 70 Prozent schnellere Foto-Uploads in die Cloud und 80 Prozent schnellere Dateiübertragungen per AirDrop. Das klingt alles ganz nett. Die meisten normalen Nutzer dürften davon im Alltag allerdings kaum etwas merken. Wer möchte, kann es im September ausprobieren. Dann soll das neue System beim nächsten Apple Event verfügbar werden, bei dem auch neue Geräte vorgestellt werden.

Anders als die mit KI verbesserte Siri sollen das schnellere System jedoch alle Besitzer ab dem iPhone 11 erleben können. Bislang galt die Faustregel, dass ein Update des Betriebssystems bei älteren iPhone-Modellen am Akku nagt und das Telefon langsamer macht. Nun verspricht Apple, dass iOS 27 den Tag rettet. Es bleibt abzuwarten, ob das stimmt und Besitzer älterer Modelle künftig wirklich nicht mehr vor Updates zurückschrecken müssen.

Blick auf den 30. Juli

Die nächsten Ankündigungen von Apple werden für den 30. Juli erwartet. Dann veröffentlicht das Unternehmen die Ergebnisse des dritten Quartals seines Geschäftsjahres. Apple selbst rechnet damit, dass der große Erfolg anhält. Erst im im März beendeten Quartal hatte der Konzern einen Rekord aufgestellt, als der Umsatz 111 Milliarden Dollar erreichte.

Bei der Vorstellung der Ergebnisse des zweiten Quartals Ende April stellte Apple für das dritte Quartal ein Umsatzwachstum von 14 bis 17 Prozent in Aussicht. Der Konzern verweist dabei auf die anhaltende Nachfrage nach der iPhone-17-Reihe. Tim Cook bezeichnete die Modelle sogar als beliebteste Produktserie der Unternehmensgeschichte. Die durchschnittliche Prognose der Analysten reicht nicht ganz so weit. Sie liegt bei 9,5 Prozent.

Für die Zukunft besteht zudem die Hoffnung, dass Apples Kniff, die volle Siri-AI-Leistung auf die in den vergangenen zwei Jahren erschienenen Telefone zu beschränken, unter Verbrauchern eine neue Nachfragewelle auslöst. Laut einer Studie von Morgan Stanley sind weltweit derzeit mehr als zwei Milliarden iPhones aktiv in Gebrauch, auf denen Siri AI nicht genutzt werden kann. Das könnte Verbraucher stärker dazu bewegen, ihr altes Modell auszutauschen.

Es bleibt abzuwarten, ob Apple irgendwann auch die Standards der Europäischen Union erreicht oder ob der hiesige Markt vorerst außen vor bleibt. Zusätzliche Spannung bringt der Wechsel an der Konzernspitze im September. Auch der neue Chef könnte frischen Wind in den Laden bringen.

Aus Sicht des eigenen Anlagehügels betrachtet, sollte von der Apple-Aktie, die seit 2012 mehr als 1.400 Prozent Gewinn ins Portfolio gebracht hat, nicht mehr jedes Jahr die ganz große Revolution erwartet werden. Sie ist ein solider Stützpfeiler. Selbst als Nachzügler schafft es Apple immer wieder, Produkte mit kleinen Verbesserungen zuverlässig zu verkaufen.

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