Kliniksterben: Marienhospital insolvent - Jede zweite Klinik vorm Aus
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt vor einer Pleitewelle und einem massiven Arbeitsplatzabbau in der Branche wegen der Sparpläne der schwarz-roten Regierung. "Kommen die Einsparungen wie geplant, verlieren wir 2027 insgesamt acht Prozent unserer Erlöse", sagte Verbandschef Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
"Eine aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in diesem Fall 2030 49 Prozent aller Krankenhausstandorte eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit haben werden", sagte Gaß weiter. "Übersetzt heißt das: Es ist damit zu rechnen, dass jede zweite Klinik pleitegeht." Nach Berechnungen der DKG müssten die Kliniken zudem jeden zehnten Arbeitsplatz abbauen, falls die Einsparungen von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wie geplant umgesetzt werden. Die Kürzungen träfen eine Branche, die bereits am Limit arbeite, sagte Gaß.
Reform ja, aber mit Planung
Gaß betont zugleich, dass sein Verband die Ziele der Krankenhausreform grundsätzlich unterstützt. Dazu gehörten eine stärkere Spezialisierung, die Fusion kleinerer Häuser und neue Versorgungsstrukturen. Dieser Umbau müsse jedoch geordnet über etwa zehn Jahre erfolgen. "Ich bleibe dabei, dass wir künftig auf 400 bis 500 klassische Krankenhausstandorte verzichten könnten", sagte Gaß. Viele Häuser, die erhalten oder umgewandelt werden sollten, würden die geplanten Kürzungen jedoch womöglich nicht überstehen.
Mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz will Warken die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung verbessern. Gegen Teile des Vorhabens gibt es Widerstand von Ländern und Krankenhausvertretern.
Marienhospital Stuttgart ist insolvent
Trotz Tradition und Spezialisierung ein Sanierungsfall: In Zeiten finanzieller Nöte bei vielen Kliniken hat das weit über Stuttgart hinaus bekannte Marienhospital Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Stuttgart habe auf Antrag der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH die vorläufige Eigenverwaltung unter der bisherigen Geschäftsführung anordnet, teilte diese mit. "Es ist sichergestellt, dass wir unsere Patientinnen und Patienten auch weiterhin vollumfänglich an allen Standorten behandeln und wir unseren Versorgungsauftrag unverändert und in gewohnter Qualität erfüllen", sagte Interims-Geschäftsführer Jan Schlenker laut Mitteilung.
Die Insolvenz erstreckt sich den Angaben nach auf alle Einrichtungen der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH. Das seien neben dem Marienhospital Stuttgart die Vinzenz Klinik und die Vinzenz Therme in Bad Ditzenbach sowie die Luise von Marillac Klinik in Bad Überkingen. Die rund 3.000 Mitarbeiter der Häuser seien über die Situation und das weitere Vorgehen informiert worden.
"Stuttgarter Nachrichten" zu Krankenhaus-Insolvenzen
In der deutschen Kliniklandschaft brodelt es. Jedes dritte Haus ist Experten zufolge vom Aus bedroht. Als Gründe gelten etwa unzureichende, staatlich fixierte Fallpauschalen, gestiegene Sach- und Personalkosten sowie der Trend zu ambulanten Behandlungen. Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der durch teure Leiharbeiter eher schlecht als recht ausgeglichen wird. So genannte freigemeinnützige Kliniken, etwa mit kirchlichen Trägern wie das Marienhospital, können obendrein bei Defiziten nicht mit kommunalen Zuschüssen rechnen.
Nicht jede Insolvenz führt gleich zur Schließung – auch beim Marienhospital besteht Hoffnung. Dennoch sollte der Fall ein Weckruf an die Politik sein. Sicher, ein Krankenhaus sollte wirtschaftlich arbeiten. Doch müssen Hospitäler wirklich Gewinne machen? Profit sollte jedenfalls nicht über der Gesundheit der Bevölkerung stehen.
