Dell, Oracle, Cisco: Alte Tech-Stars leuchten wieder
Vor 25 Jahren gehörten Michael Dell, Larry Ellison und John Chambers zu den meistbeachteten Unternehmensführern der Welt. Ihre Unternehmen standen im Zentrum der Internetrevolution. Sie lieferten Server, Datenbanken und Netzwerke, die die digitale Wirtschaft erst möglich machten.
Als die Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende ihren Höhepunkt erreichte, zählten die Aktien von Dell, Oracle und Cisco zu den absoluten Favoriten an der Börse.
Doch dann veränderte sich das Spielfeld, wie das schwedische Finanzportal Privata Affärer berichtet. Smartphones, soziale Medien und Cloud-Dienste schufen eine neue Generation von Technologiegiganten. Apple, Amazon, Google, Meta und später Microsoft dominierten die Aufmerksamkeit der Investoren. Mehrere frühere Silicon-Valley-Stars wurden dagegen schrittweise in die Kategorie reifer Technologiekonzerne eingeordnet. Sie erwirtschafteten weiter starke Cashflows, galten aber nur noch selten als klassische Wachstumsinvestments.
In den vergangenen Jahren hat sich das Pendel wieder bewegt. Das liegt nicht daran, dass diese Unternehmen das nächste große Konsumprodukt erfunden oder das fortschrittlichste KI-Modell vorgestellt hätten. Ihre Rückkehr hat einen grundsätzlicheren Grund. Sie liefern die Infrastruktur, ohne die die neue Technologiewelle nicht funktioniert.
Vom Internethelden zum Hinterhof der Börse
Das Silicon Valley wird oft mit jungen Gründern und schnell wachsenden Start-ups verbunden. Doch einige der größten Gewinner der KI-Revolution sind Unternehmen, die vor Jahrzehnten gegründet wurden.
Oracle wurde 1977 von Larry Ellison gegründet und wurde zum Pionier im Datenbankgeschäft. Cisco entstand 1984 und baute jene Netzwerke, die das Internet ermöglichten. Im selben Jahr gründete Michael Dell aus seinem Studentenzimmer in Texas jenes Unternehmen, das später Dell Technologies wurde. Noch weiter zurück reicht die Geschichte von Hewlett-Packard. Das Unternehmen wurde 1939 von Bill Hewlett und Dave Packard in einer Garage in Palo Alto gegründet. Es gilt oft als Urmutter des Silicon Valley. Die Garage wurde zum Symbol für den Aufstieg der amerikanischen Technologieindustrie.
Lange sprach der Markt über diese Unternehmen in der Vergangenheitsform. Sie standen für die erste Generation des Internets, während Investoren ihren Blick auf soziale Medien, E-Commerce, Smartphones und Cloud-Dienste richteten.
Oracle verdiente weiter Geld. Cisco verkaufte weiter Netzwerkausrüstung. Dell baute weiter Computer und Server. Doch nur wenige sahen diese Unternehmen als Gewinner der nächsten Technologiewelle. Gerade deshalb ist die aktuelle Neubewertung so interessant.
Dell-Aktie: KI-Boom gibt den Veteranen eine zweite Bühne
Hinter der Entwicklung stehen enorme Investitionen in Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur und Rechenkapazität. Die großen Technologiekonzerne investieren Hunderte Milliarden Dollar in neue Serverhallen, leistungsfähigere Prozessoren, Speichersysteme und Netzwerke. Diese Investitionen begünstigen in vielen Fällen dieselben Unternehmen, die bereits in der ersten Internetära die Infrastruktur aufgebaut haben.
Dell ist dafür ein klares Beispiel. Viele Jahre wurde das Unternehmen vor allem mit Personal Computern in einem reifen Markt verbunden. Heute steht eher die Position bei Servern und Rechenzentren im Mittelpunkt. Wenn Microsoft, Amazon, Google und andere Hyperscaler ihre Kapazitäten ausbauen, steigt die Nachfrage nach jener Hardware, die Dell liefert.
Oracle-Aktie: Daten sind das neue Gold – Oracle verwaltet die Schatzkammer
Oracle hat eine ähnliche Entwicklung durchlaufen. Über viele Jahre galt das Unternehmen als stabiles, aber langsam wachsendes Softwarehaus. Heute sind Oracles Datenbanken und Cloud-Infrastruktur zentrale Bausteine vieler digitaler Unternehmensplattformen. Wenn die Datenmengen explosionsartig wachsen, wird immer wichtiger, wo Daten gespeichert werden, wie sie verwaltet werden und wie schnell sie verarbeitet werden können.
HP-Aktie und Cisco-Aktie: Gewinner der KI-Infrastruktur
Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Hewlett Packard Enterprise und Cisco. Hewlett Packard Enterprise profitiert von der Nachfrage nach Servern, Speicherlösungen und hybriden Cloud-Systemen. Cisco profitiert davon, dass der Datenverkehr weiter wächst, da KI-Modelle, Cloud-Dienste und digitale Plattformen immer größere Kapazitäten benötigen.
Jedes neue Rechenzentrum braucht nicht nur Rechenleistung. Es braucht auch Netzwerke, die enorme Datenmengen zuverlässig und ohne Unterbrechung transportieren können.
Dell, Oracle und Co. verkaufen die Schaufeln im neuen Goldrausch
Während des Goldrauschs in Kalifornien wurden nicht immer die Goldsucher am reichsten. Häufig waren es jene, die Schaufeln, Hacken und andere Ausrüstung verkauften.
Dieser Vergleich wird an den Finanzmärkten oft verwendet. Auf den heutigen Technologiesektor passt er jedoch ungewöhnlich gut. Während Schlagzeilen von Nvidia, OpenAI, Anthropic und neuen KI-Diensten dominiert werden, findet ein großer Teil der Investitionen tiefer in der Wertschöpfungskette statt. Server müssen installiert, Datenbanken erweitert, Speicherkapazitäten erhöht und Netzwerke verstärkt werden. Genau hier kommen Dell, Oracle, Cisco und Hewlett Packard Enterprise ins Spiel.
Sie besitzen vielleicht nicht die lautesten Produkte. Doch sie sind in Marktsegmenten positioniert, die schwer zu ersetzen sind, wenn die Investitionsgeschwindigkeit zunimmt.
Deshalb betrachten Anleger diese Unternehmen inzwischen mit neuen Augen. Über viele Jahre wurden sie wie reife Geschäftsmodelle mit begrenztem Wachstum bewertet. Nun gelten mehrere von ihnen als indirekte Gewinner eines Investitionszyklus, der viele Jahre dauern kann.
Infrastruktur wird zum Kern der KI-Welle
In den ersten Jahren des Internets bauten Dell, Oracle, Cisco und Hewlett-Packard jene Infrastruktur, auf der die digitale Revolution ruhte. Gut zwei Jahrzehnte später treibt KI eine neue Investitionswelle an, in der Server, Datenbanken, Netzwerke und Rechenzentren erneut im Zentrum stehen.
Geschichte wiederholt sich selten exakt. Doch sie kehrt in neuen Formen zurück. Für die alte Aristokratie des Silicon Valley wurde das KI-Zeitalter zur Erinnerung daran, dass die Anbieter der Infrastruktur häufig die beständigsten Gewinne erzielen.
