Microsoft-Aktie: Die großen Tech-Werte geraten ins Stocken
Wenn noch vor Kurzem der gesamte Aktienmarkt von nur sieben gigantischen Schiffen nach vorn gezogen wurde, dann sind diese jetzt auf Grund gelaufen. Gemeint sind die Aktien der jüngsten Marktführer. Es geht um die Wertpapiere der sogenannten Magnificent Seven, also Alphabet, Nvidia, Microsoft, Meta, Apple, Amazon und Tesla. Zumindest insgesamt kommen sie derzeit nicht mehr voran. Einige Marktbeobachter meinen allerdings, dass sich in dieser Skepsis der Anleger in einzelnen Fällen auch eine Chance finden lässt. Das berichten unsere Kollegen von Investoru Klubs.
Besonders schwach entwickelte sich zuletzt die Microsoft-Aktie. Der Kurs der Microsoft-Aktie ist in diesem Jahr um 18 Prozent gefallen. Seit Oktober des vergangenen Jahres beträgt der Rückgang 27 Prozent. Die Marktkapitalisierung von Microsoft ist bereits um rund eine Billion Dollar gesunken.
Für diesen Rückgang der Microsoft-Aktie gibt es Gründe. Die Aktie glitt nach unten, während Anleger sich Sorgen über das Schicksal verschiedener Softwareunternehmen machten. Seit offenbar drei Jahren lebten Investoren mit der Vorstellung, dass KI-Technologien für fast alle Aktien etwas netto Positives seien und auch bleiben würden. Doch KI kann eine dunkle Seite haben, wenn sehr vielen börsennotierten Unternehmen zugunsten einiger großer oder auch vergleichsweise unbekannter Herausforderer jene künftigen Umsätze und Gewinne entzogen werden, die bereits großzügig in die Aktienkurse eingepreist wurden. Obwohl die börsennotierten Softwarehersteller mit ihren Zahlen zum vorherigen Quartal die Prognosen der Wall Street überzeugend und überwiegend übertroffen haben, waren die Sorgen um die langfristige Perspektive in vielen Fällen bislang stärker.
Wie auch immer man es bewertet. Zumindest der Rückgang der Microsoft-Aktie erinnert auffällig an das Schicksal der Alphabet-Aktie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres. Eine Sichtweise lautet, dass Marktteilnehmer die Fähigkeit von KI und neuen Akteuren überschätzt haben könnten, in den Softwaremarkt einzudringen und ihn nahezu vollständig zu zerstören.
Microsoft-Aktie und Google: Was Anleger aus Alphabet lernen können
Wie lief es bei Google?
Im ersten Teil des Jahres 2025 war der Kurs der Aktie des Google-Mutterkonzerns von seinem Januar-Hoch bis April um 28 Prozent gefallen. Teilweise ließ sich das mit den damaligen Sorgen erklären, dass dieses Unternehmen im Wettlauf um KI-Technologien zurückfallen könnte. Danach erlebte die Alphabet-Aktie jedoch eine fantastische Erholung. Bis Mitte Januar dieses Jahres stieg ihr Kurs gegenüber April des vergangenen Jahres um fast 130 Prozent. Zuletzt hat die Google-Aktie allerdings wieder begonnen, Luft abzulassen.
Damals zog die Bewertung von Alphabet die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich. Unter anderem galt das auch für Investora Andris. Die Aktie des Unternehmens wurde vor etwa einem Jahr nach einer längeren Phase des Stockens und sogar des Kursrückgangs mit dem 18,7-Fachen der erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate gehandelt. Das KGV der vergangenen zwölf Monate lag damals unter 20.
Das war für ein solches Unternehmen eine ungewöhnlich niedrige Bewertung. Tatsächlich konnte die Alphabet-Aktie damals als deutlich günstiger angesehen werden als der gesamte US-Aktienmarkt. Microsoft und Amazon.com kamen beim gleichen KGV auf Basis der erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate damals etwa auf Werte zwischen 33 und 35.
Als Investora Andris im Juli des vergangenen Jahres Alphabet-Aktien kaufte, hat diese Position seinem Portfolio bis heute eine Rendite von 65 Prozent gebracht.
Ja, mancher kann fragen, warum bei Überlegungen zur Microsoft-Aktie von Alphabet und Google die Rede ist. Die Antwort lautet, dass auch die Bewertung von Microsoft derzeit ähnlich auffällig niedrig zu wirken beginnt.
Die Microsoft-Aktie wird derzeit mit dem 20,7-Fachen der erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate je Aktie gehandelt, wie Daten von [finance.yahoo.com] zeigen. Das ist vielleicht noch nicht ganz das damalige Niveau von Alphabet mit 18,7. Dennoch könnte mancher Anleger beginnen, diese Aktie in den Korb der zu prüfenden Wertpapiere zu legen. Das KGV der vergangenen zwölf Monate liegt bei Microsoft bei 24,75.
Man könnte sagen, dass Microsoft heute wie ein durchschnittliches großes börsennotiertes US-Unternehmen bewertet wird. Gleichzeitig wird für das Geschäftsjahr von Microsoft, das im Juni endet, ein Umsatzwachstum von 16 Prozent und ein Gewinnwachstum von 21 Prozent erwartet.
Microsoft-Aktie und KI: Warum Azure zum Gegengewicht werden kann
Es wird etwas geben, das die Schwäche ersetzt. Ja, Microsoft erzielt tatsächlich einen sehr bedeutenden Teil seiner Umsätze mit Unternehmenssoftware und Dienstleistungen. Der Anteil liegt bei etwa 42 Prozent. Wenn KI die Kosten der Softwareentwicklung rasch senkt, verschwinden die Hürden für neue Wettbewerber, in diesen Markt einzutreten. Am Ende könnten Kunden sogar entscheiden, ihre eigene angepasste Software zu entwickeln, schreibt Barron's. Dann würde der Gewinn aus dem Softwareverkauf von Microsoft voraussichtlich sinken.
Auf der anderen Seite wird darauf hingewiesen, dass schon in näherer Zukunft das Cloudgeschäft von Microsoft den größten Umsatzbeitrag liefern kann. Grundlage ist die Azure-Sparte des Unternehmens, die beispielsweise Server vermietet. Die Umsätze dieses Microsoft-Geschäftsfeldes stiegen im vorherigen Quartal um fast 40 Prozent. Getrieben wurde dies von der scheinbar endlosen Nachfrage nach Rechenleistung für KI.
Anders gesagt: Die Schwierigkeiten auf der einen Seite des Microsoft-Geschäfts könnten durch größeren Erfolg auf der anderen Seite abgesichert werden. Interessant ist bei Microsoft auch die Beteiligung an OpenAI. Dieses Unternehmen nutzte Microsoft-Geld, um mit ChatGPT das erste KI-Sprachmodell zu bauen, das breite Aufmerksamkeit gewann. Es wird geschätzt, dass Microsoft Anspruch auf rund 20 Prozent an OpenAI hat. Sollte die KI-Revolution weitergehen, könnte Microsoft sich als größter Aktionär eines der wichtigsten Unternehmen der Welt erweisen.
"Damit die Microsoft-Bären recht behalten, muss gleichzeitig sehr viel schiefgehen. Am Ende müsste KI die Software tatsächlich auffressen. Es gibt nicht viele Belege dafür, dass dies so geschieht. Erste Hinweise zeigen, dass KI gemeinsam mit Unternehmenssoftware arbeiten wird, anstatt sie zu ersetzen. Derzeit ist diese Stimmung rund um die Microsoft-Aktie nicht gerechtfertigt. Einerseits blicken Anleger auf Hunderte Milliarden Dollar schwere Kapitalinvestitionen von Microsoft und anderen großen Akteuren in KI-Rechenzentren und sehen eine Investitionsblase. Andererseits erwarten sie, dass KI so mächtig sein wird, dass sie alle Wissensarbeit übernimmt und den Wert von Softwareunternehmen zerstört. Beide Aussagen können nicht gleichzeitig wahr sein, und Microsoft ist bereit, im KI-Bereich in unterschiedlichen Szenarien zu gewinnen, selbst wenn seine Software vor Herausforderungen steht. Als die Microsoft-Aktie zuletzt zu einer solchen Bewertung gehandelt wurde, im Januar 2023, stieg ihr Kurs in den folgenden zwölf Monaten um 73 Prozent. Im Vergleich zum Standard & Poor's 500 ist die Microsoft-Aktie so günstig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Irgendwann wird Microsoft aufhören, ein Narrativ zu sein, das den Tod der Software vorhersieht, und wieder als Unternehmen gesehen werden. Wenn das geschieht, werden Anleger ihre Berechnungen hastig korrigieren", sagt Adam Levine, Technologieaktien-Analyst von Barron's.
Für deutsche Anleger ist dieser Befund besonders relevant. Die Microsoft-Aktie ist für viele private Depots, Fonds, ETFs und institutionelle Portfolios ein zentraler US-Technologiewert. Ihre Bewertung beeinflusst deshalb nicht nur die Stimmung an der Wall Street, sondern auch die Risikobereitschaft deutscher Investoren gegenüber KI-Aktien, Cloud-Anbietern und großen Plattformkonzernen. Zudem nutzen deutsche Unternehmen Microsoft-Produkte, Azure-Dienste und KI-Anwendungen in großem Umfang. Die Frage, ob KI das Softwaregeschäft zerstört oder Microsofts Marktposition weiter stärkt, ist daher auch eine Frage für die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft.
Die Microsoft-Aktie steht unter Druck, doch der Markt könnte die Risiken zu einseitig bewerten. KI kann das klassische Softwaregeschäft herausfordern, zugleich aber das Cloudgeschäft, Azure und die OpenAI-Beteiligung stärken. Für Anleger entsteht daraus kein einfacher Kaufgrund. Es entsteht jedoch ein Bewertungsniveau, bei dem Microsoft wieder genauer geprüft werden sollte.
