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Polestar USA: Wie Washington einen E-Autohersteller vom Markt fegt

Polestar darf in den USA bald keine neuen Autos mehr verkaufen. Offiziell geht es um nationale Sicherheit, in Wahrheit aber auch um die Frage, wie hart Washington gegen chinesisch kontrollierte Autokonzerne vorgeht. Der Fall zeigt, wie vernetzte Fahrzeuge zum geopolitischen Risiko werden und warum auch Europas Autoindustrie genau hinschauen sollte.
03.07.2026 05:34
Lesezeit: 7 min
Polestar USA: Wie Washington einen E-Autohersteller vom Markt fegt
Polestar verliert den US-Markt, während Volvo weiter verkaufen darf. (Foto: dpa | Sven Hoppe) Foto: Sven Hoppe

Polestar USA: Verkaufsverbot trifft Hersteller ab Modelljahr 2027

Polestar darf in den USA ab dem Modelljahr 2027 keine neuen Autos mehr verkaufen. Die Entscheidung, die am 25. Juni bekannt gegeben wurde, soll nach Informationen von Dagens industri auf höchster Ebene im Weißen Haus gefallen sein. Bereits vor zwei Wochen wurden Vertreter von Polestar zu einem Treffen im US-Handelsministerium in Washington DC einbestellt. Dort erhielt das Unternehmen nach Informationen von Dagens industri eine mündliche Erläuterung zu der schriftlichen Entscheidung, die später folgen sollte.

Polestar ist seit 2022 börsennotiert und hat seine Wurzeln bei Volvo Cars. Volvo hatte seinen Anteil an dem Elektroautohersteller 2024 reduziert. In den USA ist die Marke seit 2020 aktiv. Damals wurden die ersten Fahrzeuge an amerikanische Kunden ausgeliefert. Bei dem Treffen war unter anderem Jeffrey Kessler anwesend, Unterstaatssekretär im Handelsministerium mit Zuständigkeit für Industrie und Sicherheit. Er ist zugleich die zweithöchste Führungskraft in jener Einheit, die die US-Regeln für vernetzte Fahrzeuge bearbeitet.

Nach Informationen von Dagens industri versuchten die Vertreter von Polestar zu erklären, dass das Unternehmen denselben Hauptaktionär habe wie Volvo Cars. Volvo hatte zuvor grünes Licht erhalten, weiterhin Autos in den USA zu verkaufen. Die Antwort fiel knapp aus. "Die Entscheidung kommt von dort", sagte Jeffrey Kessler und zeigte auf Fotografien im Raum. Darauf waren Präsident Donald Trump, Vizepräsident JD Vance und Handelsminister Howard Lutnick zu sehen. Theo Kjellberg, Kommunikationschef von Polestar, bestätigt, dass das Unternehmen mit den US-Behörden im Austausch stand. Weitere Details zu den Treffen oder deren Inhalt wollte er jedoch nicht nennen.

Connected Vehicle Rule: USA berufen sich auf nationale Sicherheit

Formal verweigern die USA dem Elektroautohersteller die Genehmigung nach der sogenannten Connected Vehicle Rule. Die Regel wurde unter der Regierung von Präsident Joe Biden eingeführt und unter Donald Trump beibehalten. Begründet wird das Regelwerk mit nationaler Sicherheit. Es richtet sich gegen Hersteller vernetzter Fahrzeuge, die im Eigentum, unter Kontrolle, unter der Gerichtsbarkeit oder unter der Leitung Chinas oder Russlands stehen. Das Verbot umfasst auch Fahrzeuge, die bestimmte Software oder Hardware mit entsprechenden Verbindungen nutzen.

Polestar hatte wie Volvo Cars eine Ausnahme von den Regeln beantragt. Doch während Volvo im Mai 2026 eine Genehmigung erhielt, wurde Polestars Antrag abgelehnt. Beide Unternehmen haben den chinesischen Geely-Konzern als Hauptaktionär. Die Behörden haben bislang nicht öffentlich erklärt, warum sie die beiden Unternehmen unterschiedlich behandeln.

Die Modelle, die Polestar in den USA verkauft, werden nicht in China gebaut. Der Polestar 3 entsteht im Volvo-Werk im US-Bundesstaat South Carolina. Der Polestar 4 wird in einem Werk in Südkorea produziert. Die Entscheidung bedeutet jedoch, dass der Hersteller vorhandene Lagerbestände des Polestar 3 und Polestar 4 in den USA noch abverkaufen darf. "Das wird ein Ausverkauf zu Schleuderpreisen", sagt eine mit dem Vorgang vertraute Person zu Dagens industri.

Auch die Belegschaft in den USA soll nach Informationen von Dagens industri kurzfristig halbiert werden. Sie umfasst derzeit rund 85 Beschäftigte. "Wir arbeiten daran, unsere Organisationsstruktur in den USA anzupassen. Aus Respekt vor den betroffenen Mitarbeitern und dem laufenden Prozess werde ich jedoch keine weiteren Details nennen", erklärt Polestar-Kommunikationschef Theo Kjellberg.

Wird Polestar gegen den Verkaufsstopp in den USA Berufung einlegen? "Wir werden die Entscheidung nicht anfechten", sagt der Unternehmenssprecher. Wie erklärt Polestar, dass Volvo Cars, das ebenfalls Geely als Hauptaktionär hat, weiterhin Fahrzeuge in den USA verkaufen darf, während Polestar keine Genehmigung erhielt? "Das ist eine Frage, die die Behörde beantworten muss. Wir können nur unsere eigene Situation und die daraus folgenden Pläne kommentieren, die vergangene Woche veröffentlicht wurden", sagt Theo Kjellberg.

Polestar USA: Rückzug stärkt Fokus auf Europa

Der Elektroautohersteller verlässt den amerikanischen Markt. Nach Angaben des Unternehmens soll der Schwerpunkt künftig auf Europa liegen, wo bereits rund 80 Prozent des Absatzes erzielt werden. Der Rückzug dürfte 2027 zu einem Umsatzverlust von rund 219 Millionen Euro führen. Bloomberg Intelligence schätzt, dass dies etwa fünf Prozent des Konzernumsatzes entspricht.

Seit der Bekanntgabe vor einigen Tagen sind die Polestar-Hinterlegungsscheine an der Nasdaq um gut 13 Prozent gefallen. Polestar ist bislang der einzige Hersteller, der öffentlich mitgeteilt hat, nach der Connected Vehicle Rule vom US-Markt ausgeschlossen zu werden. Mehrere chinesische Automarken dürften jedoch ebenfalls daran gehindert werden, in den USA Autos zu verkaufen. Dazu zählen BYD, NIO, Xpeng und Li Auto. Diese Unternehmen waren in den USA bislang allerdings nur begrenzt aktiv.

Für Deutschland ist der Fall vor allem aus industriepolitischer Sicht relevant. Der Vorgang zeigt, wie stark geopolitische Sicherheitsregeln inzwischen in den Automarkt eingreifen können. Für deutsche Hersteller, Zulieferer und Softwareanbieter ist das ein Warnsignal: Wer vernetzte Fahrzeuge global verkaufen will, muss nicht nur Technik, Preis und Marke beherrschen, sondern zunehmend auch politische Zulassungsrisiken, Datenregeln und Eigentümerstrukturen berücksichtigen.

Dagens industri hat das US-Handelsministerium ohne Erfolg um eine Stellungnahme gebeten.

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Emanuel Sidea

Zum Autor:

Emanuel Sidea ist seit mehr als 20 Jahren als Journalist tätig und arbeitet derzeit in New York als US-Korrespondent für die schwedische Zeitung Dagens Industri.

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