Politik

Seltene Erden: Pekings Exportstopp wird zur Warnung für Deutschland

China zieht im Rohstoffkrieg die Schraube an: Seltene Erden, die für Halbleiter, Medizintechnik, Rüstung und grüne Technologien unverzichtbar sind, werden zunehmend zum politischen Druckmittel. Japan spürt den Hebel bereits mit drastisch sinkenden Exporten, während auch die USA und Europa nervös werden. Für Deutschland ist das ein Warnsignal, denn ohne stabile Lieferketten geraten zentrale Industrien ins Risiko.
07.07.2026 16:00
Lesezeit: 6 min

Seltene Erden: Peking setzt Rohstoffe zunehmend als politisches Druckmittel ein

China verschärft seinen Rohstoffkrieg. In jüngster Zeit hat Peking seltene Erden immer stärker als politisches Druckmittel gegen die USA und Japan eingesetzt. Die Exportströme schrumpfen schnell, während die schwarzen Listen immer länger werden. Das berichten unsere Kollegen von Dagens Industri.

Im Schatten des Iran-Kriegs, des Ölchaos und möglicherweise auch der Fußball-WM wirkte der Konflikt zwischen China und den USA zuletzt oft vergleichsweise unspektakulär. Doch dieser Eindruck liegt weit von der tatsächlichen Lage entfernt. In den vergangenen Wochen haben zwei verschiedene Behörden in Peking eine Reihe amerikanischer Unternehmen auf schwarze Listen gesetzt, die im Bereich wertvoller seltener Erden tätig sind. Dazu gehören die Bergbauunternehmen MP Materials und USA Rare Earth sowie mehrere Firmen, denen China Verbindungen zum US-Militär vorwirft.

"Wir bezweifeln, dass die Unternehmen in größerem Umfang auf chinesische Vorprodukte angewiesen sind, weshalb die praktische Wirkung begrenzt ist. Dennoch ist das Signal wichtig. Peking behandelt sie als verteidigungsnahe strategische Akteure, nicht als gewöhnliche Bergbauunternehmen", schreibt das in Peking ansässige Analysehaus Trivium China in einem Kommentar zur Eskalation.

Die Maßnahmen gelten als Gegenreaktion auf Washingtons Entscheidung von Anfang Juni, seine Liste chinesischer Unternehmen auszuweiten, denen Verbindungen zur Volksbefreiungsarmee zugeschrieben werden. "Trotz der relativen Ruhe in den Beziehungen zwischen den USA und China hält Peking an seiner Handelskriegsstrategie fest: jeden amerikanischen Schritt mit einer gleich großen und entsprechenden Gegenmaßnahme zu beantworten", schreibt Trivium.

Seltene Erden: China drosselt Exporte nach Japan drastisch

Am deutlichsten lässt Peking jedoch im Konflikt mit Japan die Muskeln spielen. China hat die Ausfuhr seltener Erden in das Nachbarland durch gestoppte Lizenzen und neue Exportbeschränkungen faktisch abgewürgt. Nach Zahlen von Nikkei Asia ist der Export wichtiger Metalle im Jahresvergleich um gut 80 Prozent zurückgegangen. Bei einzelnen Metallen wie Yttrium, das sowohl für medizinische Geräte als auch für Halbleiter verwendet wird, soll der Rückgang sogar 90 Prozent betragen.

Japanische Unternehmen suchen nun Berichten zufolge nach neuen Lieferanten, vor allem in Australien und Indien.

In der vergangenen Woche wurden zwei Mitarbeiter des japanischen Unternehmens Fuji Electric in China festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, gegen Exportkontrollen für diese Metalle verstoßen zu haben, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo News. Die Festnahme löste unter japanischen Geschäftsleuten in sozialen Medien heftige Reaktionen aus.

"Umso mehr Grund, dort sowohl auf Reisen als auch auf Geschäfte zu verzichten. Und das gilt nicht nur für Japaner, sondern auch für Amerikaner und alle anderen", schreibt Seiichi Mano, Chef des Finanzberatungsunternehmens AFG Holdings in Tokio, auf Linkedin.

Der Konflikt zwischen Japan und China ist in den vergangenen Monaten in seine schärfste Phase seit Jahrzehnten eingetreten. Der wichtigste Auslöser ist die Taiwan-Frage, wie Di berichtet hat.

Seltene Erden: Auch Deutschland und Europa geraten unter Druck

Chinas Würgegriff bei seltenen Erden bereitet nicht nur Washington und Tokio anhaltende Kopfschmerzen. Auch die EU und viele andere Weltregionen sind betroffen. Die G7-Staaten haben sich deshalb darauf verständigt, ihre Abhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten, also China, bei Metallen und Magneten bis 2030 auf unter 60 Prozent zu senken. Ziel ist es, den Anteil so schnell wie möglich in Richtung 50 Prozent zu drücken.

Für Deutschland ist diese Entwicklung besonders relevant. Seltene Erden sind für zahlreiche Schlüsselindustrien wichtig, darunter Halbleiter, Elektromobilität, Medizintechnik, Rüstung, Windkraft und Hochleistungsmagnete. Damit berührt Chinas Exportpolitik unmittelbar die Frage, wie widerstandsfähig deutsche Lieferketten sind. Für eine exportorientierte Industrienation wie Deutschland wird die Abhängigkeit von seltenen Erden nicht nur zu einem Rohstoffthema, sondern zu einer strategischen Standortfrage.

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Johan Nylander

Johan Nylander ist ein preisgekrönter Autor sowie freiberuflicher Korrespondent für China und Asien. Seine Beiträge erscheinen bei CNN, National Geographic Travel, Forbes, der führenden schwedischen Wirtschaftszeitung Dagens Industri sowie in zahlreichen weiteren internationalen Medien.
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