Immobilien

Wohnungswirtschaft: Neubau droht der "Kollaps"

Schon 2025 sank die Fertigstellung neuer Quartiere auf den niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahrzehnt. Auch für dieses Jahr schlägt der Branchenverband GdW Alarm.
12.07.2026 14:22
Lesezeit: 2 min

Wohnungswirtschaft: Neubau droht der "Kollaps"

Die Wohnungswirtschaft erwartet für dieses Jahr noch weniger Neubau als 2025. "Im laufenden Jahr 2026 dürften in Deutschland nur noch rund 200.000 Wohnungen fertiggestellt werden, bei einem Neubaubedarf von rund 320.000 pro Jahr", erklärte der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW in Berlin.

2025 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts 206.600 Wohnungen gebaut worden, ein Rückgang um 18 Prozent oder 45.400 Wohnungen im Vergleich zum Vorjahr. Der Abwärtstrend hält nach Einschätzung des GdW wegen hoher Bau- und Finanzierungskosten an.

Die in dem Verband organisierte "sozialorientierte Wohnungswirtschaft" werde nach 24.000 Einheiten 2025 dieses Jahr wohl nur noch 16.000 fertigstellen. "Wenn selbst unsere Unternehmen, die dauerhaft bezahlbaren Wohnraum schaffen und sichern, den Neubau massiv zurückfahren müssen, dann stimmt das System nicht mehr", sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Hohe Investitionen in den Bestand

Der Verband beklagt, dass hohe Investitionen für den Erhalt, Klimaschutz, altersgerechten Umbau oder Digitalisierung Mittel für den Neubau auffräßen. So hätten die GdW-Unternehmen 2025 insgesamt 20,8 Milliarden Euro investiert. Davon seien 12,7 Milliarden Euro in den Bestand geflossen. Die Neubauinvestitionen seien auf 8,1 Milliarden Euro gesunken. Für 2026 sei ein weiterer Einbruch um rund 26 Prozent auf 6 Milliarden Euro zu erwarten.

Gedaschko mahnte eine echte "Fast Lane" - also eine Überholspur - für bezahlbaren Wohnungsbau an: "Baukosten runter, Verfahren beschleunigen, soziale Unterstützung sichern." Zudem müsse beim Bauen und Sanieren der Fokus auf Kosteneffizienz liegen.

Die Baupreise im Wohnungsbau sind nach Angaben des Verbands seit Ende 2019 um rund 51 Prozent gestiegen, die Zinsen hätten sich seit 2021 vervierfacht. "Hohe Baupreise, hohe Finanzierungskosten und immer neue Anforderungen machen aus genehmigten Projekten Schubladenprojekte", meinte Gedaschko.

Schwarz-Rot will gegensteuern

Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich bereits vorgenommen, Hürden für den Wohnungsbau abzutragen. Zuletzt wurde im Baurecht ein Vorrang für Wohnungsbau beschlossen, Genehmigungsverfahren sollen stark beschleunigt werden. Vorbereitet wird nach Angaben von Bauministerin Verena Hubertz (SPD) zudem der Gebäudetyp E, ein vereinfachter Baustandard, der die Kosten deutlich verringern soll.

Der GdW hat rund 3.000 Mitgliedsunternehmen und 13 Millionen Mieterinnen und Mieter. Der Verband versteht sich als Vertreter der "sozialorientierten Wohnungswirtschaft". Die durchschnittliche Nettokaltmiete der Wohnungen betrug nach Angaben des Verbands im vergangenen Jahr 6,93 Euro pro Quadratmeter im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von 7,76 Euro.

Der Verband warnte vor Einschnitten beim Wohngeld. "Wer hier kürzt, riskiert mehr Mietschulden, mehr soziale Härten und mehr Druck in angespannten Quartieren", sagte Gedaschko. Hubertz plant hier wegen Haushaltsnöten Einsparungen, die sich bei Bund und Ländern 2027 auf rund 1,5 Milliarden Euro summieren.

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