ASML-Aktie: KI-Boom treibt Prognose nach oben
Der Chipausrüster ASML rechnet dank des Booms rund um Künstliche Intelligenz mit einem noch stärkeren Geschäft im laufenden Jahr. Nach einem überraschend guten Quartal hob Konzernchef Christophe Fouquet sein Umsatzziel für 2026 am Mittwoch bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Auch die Bruttomarge soll höher ausfallen als noch im April erwartet. Mit den neuen Zielen und den Zahlen für das zweite Quartal übertraf ASML die Erwartungen der Analysten.
Kurz nach Handelsbeginn schnellte der ASML-Aktienkurs in Amsterdam bis auf 1.678,20 Euro nach oben. Am Nachmittag gehörten die Aktien mit einem Plus von noch 3,5 Prozent auf 1.610,20 Euro weiterhin zu den Spitzenreitern im Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 . Das Rekordhoch von Ende Juni bleibt allerdings noch etwas entfernt.
Analysten loben starkes Quartal
Branchenexperte Simon Coles von der britischen Bank Barclays zeigte sich von den Geschäftszahlen begeistert. Der Spezialist für Lithografiesysteme habe mit einem starken Quartal seine eigenen Ziele übertroffen. Zudem dürfte der Auftragseingang für EUV-Lithografiesysteme im ersten Halbjahr ein Rekordniveau erreicht haben.
Für 2026 rechnet die ASML-Führung nun mit einem Umsatz von 43 bis 45 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch im niederländischen Veldhoven mitteilte. Erst im April hatte Fouquet seine Prognose auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben. Die Bruttomarge soll mit 54 bis 56 Prozent ebenfalls höher ausfallen als zuletzt erwartet.
Mit den neuen Zielwerten übertraf das Management auch die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten – ebenso wie mit Umsatz und Marge im zweiten Quartal. Für das laufende dritte Quartal stellte Fouquet einen Umsatz von elf bis zwölf Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge zwischen 55 und 57 Prozent in Aussicht.
KI-Nachfrage sorgt für Rückenwind
In den drei Monaten bis Ende Juni steigerte ASML seinen Umsatz überraschend deutlich auf gut 9,3 Milliarden Euro nach knapp 8,8 Milliarden Euro im ersten Quartal. Analysten hatten lediglich mit einem geringen Anstieg gerechnet. Die Bruttomarge erhöhte sich von 53 auf 54 Prozent und übertraf ebenfalls die Erwartungen der Experten. Unter dem Strich verdiente der Konzern gut 2,9 Milliarden Euro nach knapp 2,8 Milliarden Euro im ersten Jahresviertel.
ASML ist ein entscheidender Zulieferer der Halbleiterindustrie. Als einziges Unternehmen weltweit stellt der Konzern hochentwickelte Lithografiemaschinen für die Fertigung fortschrittlicher Chips her, die zum Training von KI-Modellen benötigt werden.
IT-Unternehmen wie Microsoft und die Google-Mutter Alphabet investieren Hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Rechenkapazitäten. Gleichzeitig erweitern Chiphersteller wie Marktführer Nvidia ihre Produktionskapazitäten. Davon profitiert ASML mit seinen Maschinen.
Die Investitionen und die Fortschritte rund um Künstliche Intelligenz (KI) trieben die Nachfrage nach modernen Logik- und Speicherchips an, sagte Fouquet. Die ASML-Kunden unter den Chipherstellern bauten ihre Kapazitäten deshalb weiter aus. Entsprechend traut sich ASML inzwischen zu, die langfristige Nachfrage nach seinen Maschinen zur Chipproduktion besser einzuschätzen. In der ersten Jahreshälfte sei der Auftragseingang "äußerst stark" geblieben, sagte Fouquet.
hina bleibt wichtiger Absatzmarkt
Nach Einschätzung von ASML-Finanzchef Roger Dassen bleibt China für den Konzern ein wichtiger Absatzmarkt. Im laufenden Jahr dürfte ASML dort 20 Prozent seines Erlöses erzielen, auch wenn der Anteil des Landes am Konzernumsatz sinkt.
Im kommenden Jahr will ASML die Kapazität für Standard-Ultraviolett-Lithografie-Anlagen (low NA EUV) von derzeit 65 Stück um 30 Prozent ausbauen und prüft für 2028 eine weitere Ausweitung um noch einmal 30 Prozent. Ähnliches gilt für DUV-Immersion-Anlagen.
Analyst Janardan Menon vom Analysehaus Jefferies zeigte sich von den Plänen für die EUV-Anlagen enttäuscht. Am Markt war zuletzt ein stärkerer Kapazitätsausbau erwartet worden. Für Sandeep Deshpande von der US-Bank JPMorgan signalisieren die Kapazitätspläne hingegen, dass sich die Gewinnerwartungen des Marktes für 2028 als deutlich zu niedrig erweisen könnten.Laut ASML-Manager Dassen sind in den Zielen des Konzerns für 2027 und 2028 auch die Pläne von Tesla-Chef Elon Musk für eine Chip-Riesenfabrik namens Terafab enthalten, an der auch der Chiphersteller Intel beteiligt sein soll.

