ASML-Aktie: KI-Boom treibt Prognose nach oben
Der Chipausrüster ASML rechnet dank des Booms rund um Künstliche Intelligenz mit noch besseren Geschäften im laufenden Jahr. Nach einem überraschend starken Quartal hob Konzernchef Christophe Fouquet sein Umsatzziel für 2026 am Mittwoch bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Auch die Bruttomarge soll höher ausfallen als noch im April erwartet. Mit den neuen Zielen und den Zahlen für das zweite Quartal übertraf ASML zudem die Erwartungen der Analysten. Der zugleich angekündigte Kapazitätsausbau überzeugte den Markt allerdings nicht vollständig.
Kurz nach Handelsbeginn schnellte der ASML-Aktienkurs in Amsterdam bis auf 1.678 Euro nach oben. Zuletzt legten die Aktien noch um 5,7 Prozent auf 1.644,40 zu und führten damit den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 an. Das Rekordhoch von 1.741 Euro von Ende Juni bleibt jedoch noch ein Stück entfernt.
Analysten loben starke Quartalszahlen
Branchenexperte Simon Coles von der britischen Bank Barclays zeigte sich von den Geschäftszahlen begeistert. Der Spezialist für Lithografiesysteme habe mit einem starken Quartal seine eigenen Ziele übertroffen. Zudem dürfte der Auftragseingang für EUV-Lithografiesysteme im ersten Halbjahr ein Rekordniveau erreicht haben.
Prognose steigt: Umsatz und Marge über Erwartungen
Für 2026 rechnet die ASML-Führung nun mit einem Umsatz von 43 bis 45 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch im niederländischen Veldhoven mitteilte. Erst im April hatte Fouquet seine Prognose auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben. Die Bruttomarge soll nun ebenfalls bei 54 bis 56 Prozent liegen und damit höher ausfallen als zuletzt erwartet.
Mit den neuen Zielwerten übertraf das Management auch die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten – ebenso wie beim Umsatz und der Marge im zweiten Quartal. Für das laufende dritte Quartal stellte Fouquet einen Umsatz von elf bis zwölf Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge zwischen 55 und 57 Prozent in Aussicht.
KI-Nachfrage treibt das Geschäft
In den drei Monaten bis Ende Juni steigerte ASML seinen Umsatz überraschend deutlich auf gut 9,3 Milliarden Euro nach knapp 8,8 Milliarden Euro im ersten Quartal. Analysten hatten lediglich mit einem leichten Anstieg gerechnet. Die Bruttomarge verbesserte sich von 53 auf 54 Prozent und übertraf ebenfalls die Erwartungen der Experten. Unter dem Strich verdiente der Konzern gut 2,9 Milliarden Euro nach knapp 2,8 Milliarden Euro im ersten Jahresviertel.
ASML ist ein entscheidender Zulieferer der Halbleiterindustrie. Als einziges Unternehmen der Welt baut es hochentwickelte Lithografiemaschinen für die Fertigung moderner Chips zum Training von KI-Modellen. IT-Konzerne wie Microsoft und die Google-Mutter Alphabet investieren Hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Rechenkapazitäten. Gleichzeitig erweitern Chiphersteller wie Marktführer Nvidia ihre Produktionskapazitäten. Davon profitiert ASML mit seinen Maschinen. In der ersten Jahreshälfte sei der Auftragseingang "äußerst stark" geblieben, sagte Fouquet.
Die Investitionen und die Fortschritte rund um Künstliche Intelligenz (KI) trieben die Nachfrage nach modernen Logik- und Speicherchips an, sagte Fouquet. Die ASML-Kunden aus der Halbleiterbranche bauten ihre Kapazitäten deshalb weiter aus. Entsprechend traut sich ASML inzwischen zu, die langfristige Nachfrage nach seinen Maschinen zur Chipproduktion besser einzuschätzen.
Kapazitätsausbau sorgt für gemischte Reaktionen
Im kommenden Jahr will ASML die Kapazität für Standard-Ultraviolett-Lithografie-Anlagen (low NA EUV) von derzeit 65 Stück um 30 Prozent erhöhen und prüft für 2028 eine weitere Ausweitung um noch einmal 30 Prozent. Ähnliches gilt für DUV-Immersion-Anlagen. Analyst Janardan Menon vom Analysehaus Jefferies zeigte sich von den Plänen für die EUV-Anlagen enttäuscht. Am Markt war zuletzt ein stärkerer Kapazitätsausbau erwartet worden. Für Sandeep Deshpande von der Bank JPMorgan signalisieren die Kapazitätspläne indes, dass sich die Gewinnerwartungen des Marktes für 2028 als deutlich zu niedrig erweisen könnten.
