Unternehmen

Korte Einrichtungen: Insolvenz des Ladenbauers - 138 Arbeitsplätze vorerst gesichert

Hohe Kosten, lange Genehmigungsverfahren und zurückhaltende Kunden bringen Korte Einrichtungen in Bedrängnis. Das Unternehmen setzt nun auf eine Sanierung in Eigenverwaltung und innovative Ladenkonzepte. Die Gehälter sind vorerst gesichert, die Zukunft aber bleibt offen. Welche Chancen bietet der Neustart?
21.08.2026 08:11
Lesezeit: 2 min
Korte Einrichtungen: Insolvenz des Ladenbauers - 138 Arbeitsplätze vorerst gesichert
Korte Einrichtungen kämpft mit einer Sanierung in Eigenverwaltung gegen die Insolvenz. (Symbolbild: ChatGPT)

Korte-Insolvenz: Ladenbauer setzt auf Sanierung in Eigenverwaltung

Die Korte-Insolvenz trifft einen spezialisierten Ausstatter der unter wirtschaftlichem Druck stehenden Bäckereibranche. Die Korte Einrichtungen GmbH aus Kürten hat beim Amtsgericht Köln die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Der Geschäftsbetrieb soll trotz der Korte-Insolvenz ohne Einschränkungen fortgeführt werden. Sämtliche 138 Mitarbeitenden bleiben zunächst beschäftigt.

Mit Beschluss vom 18. August 2026 entsprach das Amtsgericht Köln dem Antrag und ordnete ein vorläufiges Eigenverwaltungsverfahren an. Anders als in einem regulären Insolvenzverfahren bleibt die Geschäftsführung dabei grundsätzlich im Amt. Geschäftsführer Jochen Engelke führt den Ladenbauer Korte deshalb während der Sanierung weiter.

Die Gehälter der 138 Beschäftigten am Standort Kürten sind nach Unternehmensangaben über das Insolvenzgeld bis einschließlich Oktober 2026 gesichert. Für die Beschäftigten und deren Familien bringt die Korte-Insolvenz dennoch erhebliche Unsicherheit mit sich.

Investitionsflaute belastet Korte Einrichtungen

Als Ursache der wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt das Unternehmen die schwierigen Marktbedingungen im Bäckereihandwerk. Der seit Jahren hohe Kostendruck für Handwerksbäckereien und deutlich verlängerte Genehmigungszeiten hätten die Investitionsbereitschaft gebremst. Die Nachfrage nach Neu- und Umbauprojekten sei dadurch spürbar zurückgegangen. Diese Entwicklung führte schließlich zur Korte-Pleite.

Während des Verfahrens wird die Geschäftsleitung durch Rechtsanwalt Florian Bandrack von Baker Tilly als Generalbevollmächtigten verstärkt. Georg Lang von DTE Consult begleitet das Sanierungsverfahren beratend. Das Gericht bestellte zudem Rechtsanwältin Marion Rodine von Runkel Rechtsanwälte zur vorläufigen Sachwalterin.

Die Korte-Insolvenz soll genutzt werden, um das Geschäftsmodell an die strukturellen Veränderungen im Bäckereigewerbe anzupassen. Engelke erklärte: „Die Eigenverwaltung gibt uns die Möglichkeit, Korte auf die strukturellen Veränderungen im Bäckereigewerbe einzustellen. Mit individuellen Ladenbaukonzepten für klassische, für hybride und für autonome Bäckereifilialen wollen wir uns künftig noch stärker als zuverlässiger, kreativer und engagierter Lösungspartner vom Wettbewerb abheben".

Korte Einrichtungen: Autonome Filialen sollen neue Perspektiven eröffnen

Korte Einrichtungen versteht sich als Full-Service-Anbieter im Bäckerei-Ladenbau. Von der Standortanalyse bis zur Geschäftseröffnung entwickelt, plant, fertigt und montiert das Unternehmen komplette Ladeneinrichtungen. Eigene Gewerke wie Schreinerei, Schlosserei, Glaserei, Lackiererei und Ladenbautechnik ergänzen die interne Planung und Designkompetenz.

Der Ladenbauer Korte setzt zudem auf Konzepte für autonome und hybride Bäckereifilialen. Dazu gehören vollautonome Geschäfte, hybride Modelle, Smart Stores und der BakeryCube®. Der modulare Bäckerei-Baukasten richtet sich darüber hinaus an Metzgereien, Feinkostläden, Gastronomiebetriebe und den Lebensmitteleinzelhandel. Im Mittelpunkt stehen Full-Service, Modularität und Nachhaltigkeit.

Ob diese Ausrichtung die Korte-Insolvenz bewältigen kann, hängt von der weiteren Sanierung und einer Belebung der Investitionen ab. Die Korte-Pleite zeigt zugleich, wie der Kostendruck und lange Genehmigungsverfahren auf Zulieferer des Bäckereihandwerks durchschlagen.

Baker Tilly beschäftigt international mehr als 50.700 Mitarbeiter in 143 Ländern. In Deutschland zählt die Beratungsgesellschaft 1.700 Mitarbeiter an zehn Standorten. DTE Consult konzentriert sich auf finanzielle Restrukturierungen, Corporate Finance, Turnaround-Management sowie mittelständische Unternehmen in Krisen- und Veränderungsphasen. Damit erhält die Geschäftsführung bei der Korte-Insolvenz Unterstützung von erfahrenen Sanierungsberatern.

Neuausrichtung entscheidet nach Korte-Insolvenz über Zukunft

Die Korte-Insolvenz ist nicht nur eine Folge betrieblicher Probleme, sondern spiegelt die angespannte Situation im Bäckereihandwerk wider. Hohe Kosten, lange Genehmigungszeiten und verschobene Investitionen belasten auch spezialisierte Zulieferer. Die Eigenverwaltung verschafft Korte Einrichtungen zunächst Zeit und hält den Geschäftsbetrieb mit 138 Beschäftigten aufrecht. Gleichzeitig muss das Unternehmen beweisen, dass autonome, hybride und klassische Ladenkonzepte genügend Nachfrage erzeugen können. Die gesicherten Gehälter bis Oktober 2026 lindern vorerst die Folgen für die Belegschaft. Ob die Neuausrichtung für eine nachhaltige Sanierung langfristig ausreicht, hängt jedoch maßgeblich von der Investitionsbereitschaft der Bäckereien und der weiteren Entwicklung des Marktes ab.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

avtor1
Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wenn Kinder zerbrechen, gerät auch die Arbeitswelt ins Wanken
12.09.2026

Zuerst brach ihr Sohn am ersten Schultag zusammen, dann brach sie selbst bei der Arbeit zusammen. Kinder in schwerer Belastung beeinflussen...

DWN
Panorama
Panorama Rolex Daytona: Vier Einzelstücke könnten Millionenrekord brechen
12.09.2026

Vier Rolex Daytona, vier Jahreszeiten und kein einziges zweites Exemplar auf der Welt: Rolex bricht mit einer Tradition, die den Mythos der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen AeroSHARK-Installation: Airbus-Flugzeuge bekommen "Haifischhaut"
12.09.2026

Flugzeuge könnten künftig mit einer Oberfläche starten, deren Prinzip aus dem Meer stammt. Die sogenannte AeroSHARK-Folie soll...

DWN
Panorama
Panorama Angst vor dem Älterwerden: Wie aus Sorge neue Freiheit wird und was Experten raten
12.09.2026

Der Blick in den Spiegel, ein runder Geburtstag oder erste körperliche Beschwerden können plötzlich Angst vor dem Älterwerden...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Berufswahl und KI: Warum junge Menschen mehr auf Praxiserfahrungen achten sollten
12.09.2026

Die traditionellen Ratschläge zur Berufsorientierung greifen nicht mehr. Lange Zeit galt das Absolvieren eines rein akademischen Studiums...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Handel schließt trotz heißgelaufener Inflationsdaten im grünen Bereich
11.09.2026

Überraschende Wende an der Wall Street: Warum eine vermeintliche Hiobsbotschaft die Märkte beflügelt.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mehr Existenzgründungen in Deutschland: Positiver Trend trotz lahmender Konjunktur
11.09.2026

Trotz der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung verzeichnen Experten ein Plus bei den Gewerbegründungen. In einzelnen Bundesländern fiel...

DWN
Politik
Politik Teilzeitrepublik: Teilzeit boomt, Vollzeit schrumpft: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
11.09.2026

Der Staat klagt über Personalmangel – hat aber selbst die höchste Teilzeitquote unter den Beschäftigten. Eine Studie schlägt nun die...