Politik

Deutschland in der Nato: General Breuer wird Vorsitzender des Nato-Militärausschusses

Deutschland trägt erheblich zur Steigerung der Verteidigungsfähigkeit Europas bei. Nun wird der ranghöchste Soldat der Bundeswehr wichtigster militärischer Berater des Nato-Generalsekretärs. Wer wird sein Nachfolger als Generalinspekteur?
23.09.2026 08:21
Lesezeit: 3 min
Deutschland in der Nato: General Breuer wird Vorsitzender des Nato-Militärausschusses
Carsten Breuer wird Vorsitzender des NATO-Militärausschusses. In Berlin stellt sich schon die Frage nach einem Nachfolger für den Generalinspekteur. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Nato: General Breuer wird Vorsitzender des Nato-Militärausschusses

Deutschland wird mit General Carsten Breuer erstmals nach mehr als 20 Jahren wieder den Vorsitzenden des Nato-Militärausschusses stellen. Breuer - bislang Generalinspekteur der Bundeswehr und damit ranghöchster Soldat - soll das Amt Mitte kommenden Jahres übernehmen, wie die Nato und das Verteidigungsministerium in Berlin mitteilten. Der 61-Jährige wurde bei der Konferenz der Militärchefs der 32 Nato-Staaten in Kopenhagen gewählt.

"Wir sind dankbar für das Vertrauen, das unsere Verbündeten in uns setzen", schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dazu auf X.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bescheinigte Breuer strategische Weitsicht. Er habe an entscheidender Stelle mit dazu beigetragen, die Bundeswehr neu aufzustellen. "Im Bündnis kommt es mehr denn je auf einen klaren Kurs an: Die Bedrohung vor allem durch Russland nimmt zu", so Pistorius.

Breuer setzte sich gegen die kanadische Generalstabschefin Jennie Carignan durch, die im Fall ihrer Wahl die erste Frau an der Spitze des Militärausschusses geworden wäre. Er soll im Juli 2027 die Nachfolge des derzeitigen Amtsinhabers, Admiral Giuseppe Cavo Dragone (Italien), antreten.

Breuer kommt auf eine zentrale Position in der Nato

Der Vorsitzende des Militärausschusses gilt neben dem Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa (Saceur) als einer der einflussreichsten Militärs der Nato. Er ist der wichtigste militärische Berater des Generalsekretärs und zugleich das Bindeglied, über das die gemeinsamen Empfehlungen der Generalstabschefs aller Nato-Mitgliedstaaten den politischen Entscheidungsgremien vorgelegt werden. Zudem werden über ihn Weisungen und Richtlinien des Militärausschusses an die strategischen Befehlshaber der Nato sowie an den Generaldirektor des Internationalen Militärstabs weitergeleitet.

"Die Unterstützung der Generalstabschefs unserer Nato-Verbündeten bedeutet mir viel. Im Bündnis liegen große Aufgaben vor uns - für unsere Sicherheit und den Frieden in Europa und darüber hinaus", sagte Breuer der Deutschen Presse-Agentur.

Ruf nach schneller Entscheidung über Nachfolger

Nach der Wahl forderten Verteidigungspolitiker und der Bundeswehrverband, dass Pistorius schnell einen Nachfolger von Breuer als Generalinspekteur benennen soll. "Der Verteidigungsminister muss jetzt schnell handeln und die Nachfolge als Generalinspekteur regeln, eine Hängepartie an der Spitze der Bundeswehr können wir uns angesichts der sicherheitspolitischen Lage nicht leisten", sagte der CDU-Politiker Thomas Röwekamp, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, dem Spiegel.

Auch der Chef des Bundeswehrverbandes, André Wüstner, forderte demnach von Pistorius, schnell zu handeln. "Für die Bundeswehr ist eine zügige Entscheidung über die Nachfolge nun von großer Bedeutung", sagte er dem Magazin.

Als ein möglicher Kandidat für den Posten des Generalinspekteurs gilt Generalleutnant Christian Freuding, der Inspekteur des Heeres. Er treibt die Modernisierung der deutschen Landstreitkräfte voran und war zuvor Chefkoordinator der militärischen Ukraine-Hilfe Deutschlands.

In früheren Jahren wurde auch der damalige Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, genannt, der sich bei der Modernisierung der Luftwaffe große Verdienste erworben hat. Er ist aber seit Juni 2025 Befehlshaber des operativen Nato-Hauptquartiers im niederländischen Brunssum, verantwortlich für die Nato-Ostflanke. Die Aufgabe hat für die Abschreckung Russlands zentrale Bedeutung.

Breuer dann militärischer Berater des Generalsekretärs

Der bislang letzte Deutsche auf dem Posten war General Harald Kujat. Er war ebenfalls zuvor Generalinspekteur der Bundeswehr gewesen und amtierte von Juli 2002 bis Juni 2005 als Vorsitzender des Militärausschusses.

Die Wahl von General Breuer gilt im Bündnis auch als Zeichen der Wertschätzung dafür, dass die Bundesrepublik zuletzt erheblich zur Steigerung der europäischen Verteidigungsfähigkeiten beitrug. Bei den Verteidigungsausgaben liegt Deutschland nach Nato-Zahlen derzeit mit rund 125 Milliarden Euro klar auf Platz eins in Europa, in der militärischen Kommandostruktur des Bündnisses besetzt es seit diesem Jahr mehr Spitzenposten als die USA.

Das alles soll es den Vereinigten Staaten ermöglichen, frei werdende Mittel und Streitkräfte für einen massiven Ausbau ihrer Abschreckung im Indopazifik zu nutzen. Die USA sehen mittlerweile nicht mehr Russland, sondern China als Hauptherausforderung für ihre eigenen Sicherheitsinteressen.

Breuer führte den Kurswechsel nach der "Zeitenwende"

Breuer ist seit März 2023 Generalinspekteur und damit militärisch verantwortlich für die nach der "Zeitenwende" angestoßene Umorganisation und Stärkung der Bundeswehr – ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Vor seiner Ernennung zum Generalinspekteur war Breuer Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr, das er selbst aufgebaut hatte. Bekanntheit erlangte er zuvor auch als Leiter des Corona-Krisenstabs im Kanzleramt.

Breuer trat 1984 in die Bundeswehr ein. Als er seinen Dienst in einem Flugabwehrregiment begann, herrschte in Europa die Konfrontation zwischen Ost und West, der Kalte Krieg. Breuer war in jungen Jahren Truppenfachlehrer der später aufgelösten Heeresflugabwehr.

In militärischen Laufbahnen für Topposten wechseln sich Aufgaben als Kommandeur und politische Verwendungen wie im Verteidigungsministerium ab. In den Jahren 2015 und 2016 war Breuer Projektbeauftragter für das Weißbuch zur Zukunft der Bundeswehr.

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