Deutschland, Japan, Südkorea: Die Exportweltmeister straucheln in die Krise

Lesezeit: 5 min
14.11.2019 10:00
Der weltweite Abschwung hat vor allem in den großen Exportländern wie Deutschland, Japan und Südkorea zu einem Einbruch der Konjunktur geführt. Die Tendenz ist negativ.
Deutschland, Japan, Südkorea: Die Exportweltmeister straucheln in die Krise
Ein Containerschiff der China Ocean Shipping Company (COSCO) wird am Containerterminal Tollerort der Hamburger Hafen und Logistik AG entladen. (Foto: dpa)
Foto: Christian Charisius

Die Industrieproduktion im weltgrößten Exportland China zeigt zuletzt deutliche Zeichen der Schwäche, was vor allem auf die schwachen Exportaufträge zurückzuführen ist. Doch viel schlimmer betroffen von den weltweiten Handelsstreitigkeiten sind die anderen großen Exportländer Deutschland, Japan und Südkorea.

USA verkraftet Handelskonflikte am besten

Die USA hingegen stehen laut dem Einkaufsmanager Industrie von IHS Markit noch vergleichsweise gut da. Der Index befindet sich weiter im Bereich oberhalb von 50 und zeigt somit eine Verbesserung zum Vormonat an.

"Der US-Produktionssektor verzeichnete im Oktober eine weitere leichte Verbesserung der Betriebsbedingungen, unterstützt durch schnellere Produktionsausweitungen und Neugeschäft", heißt es in dem Bericht. Produktion und Auftragseingang seien wieder schneller gewachsen. In der Folge sei die Beschäftigung so schnell wie seit Mai nicht mehr angestiegen und das Vertrauen der Unternehmen haben auf ein Viermonatshoch zugenommen.

"Die Aussichten haben sich zwar verbessert, aber das weitere Wachstum ist keineswegs gesichert", sagte Chris Williamson, Ökonom bei IHS Markit. Die Teilnehmer der Umfrage hätten weiter Bedenken im Hinblick auf Themen wie Zölle, die anhaltenden Probleme des Automobilsektors, mangelnde Preismacht bei schwacher Nachfrage und Unsicherheit über die wirtschaftliche und politische Situation im kommenden Jahr.

Deutschlands Industrie in der Rezession

Nachdem die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal geschrumpft war, musste die Bundesregierung im Oktober ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr bereits deutlich nach unten schrauben. Und der letzte Woche veröffentlichte Einkaufsmanagerindex von IHS Markit und BME liegt derzeit auf dem niedrigsten Stand seit der Finanzkrise.

In dem Bericht heißt es: "Deutschlands Industrie steckt zu Beginn des vierten Quartals weiter tief im roten Bereich fest. Wie die jüngsten Umfrageergebnisse von IHS Markit und dem BME zum Einkaufsmanagerindex zeigen, schrumpften im Oktober sowohl die Produktion als auch die Neuaufträge abermals, wenngleich langsamer als zuletzt. Die Beschäftigung ging sogar so stark zurück wie seit Januar 2010 nicht mehr, während sich der Bestands- und Lagerabbau weiter beschleunigte."

Phil Smith, Ökonom bei IHS Markit sagt: "Deutschlands Industriesektor befindet sich nach wie vor in einer Rezession. Zudem gefährdet der anhaltende Stellenabbau zunehmend die Binnenkonjunktur. Die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe schrumpfte im Oktober so stark wie seit nahezu zehn Jahren nicht mehr. Allerdings ist der aktuelle Rückgang noch nicht mit den Werten vergleichbar, die während der globalen Finanzkrise gemessen wurden und beschränkt sich bislang hauptsächlich auf den Abbau von Leiharbeitern.

China zeichnet zwiespältiges Bild

Chinas Einkaufsmanagerindex Industrie, der vom der Nationalen Statistikbehörde veröffentlicht wird, zeigte im Oktober mit 49,3 Punkten den sechsten Monat in Folge eine Schrumpfung an. Besonders auffällig war dabei der anhaltend starke Einbruch der Exportaufträge. Dem Bericht zufolge stieg der Produktionsindex leicht (50,8). Der Auftragseingang (49,6) wurde durch neue Exportaufträge (47,0) belastet. Die Importe sanken weiter (46,9).

Die Beschäftigung ist im Oktober stark zurückgegangen (47,3). Sie ist schon seit mindestens Mitte 2017 rückläufig, was auch mit den fortgesetzten Bemühungen zur Automatisierung der Produktion zu tun hat. Doch die Führungskräfte sind unverändert optimistisch, was jedoch möglicherweise eine staatliche Anforderung ist, wie der Finanzblog Wolf Street ausführt. Der Index zur erwarteten Produktions- und Geschäftstätigkeit liegt bei 54,2 Punkten.

Der Einkaufsmanagerindex von Caixin hingegen zeigte für Oktober ein beschleunigtes Wachstum (51,7), den dritten Monat in Folge und das schnellste Wachstum seit Februar 2017. Die Produktion stieg, und der Auftragseingang wuchs so schnell wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr. Denn dem Bericht zufolge stieg die Inlandsnachfrage "solide" und die neuen Exportaufträge erstmals seit fünf Monaten wieder.

Japans Unternehmen wenig optimistisch

Laut dem am Montag veröffentlichten IHS Markit Geschäftsausblick sind die japanischen Unternehmen so pessimistisch im Hinblick auf ihre Aktivitäten für die kommenden zwölf Monate wie seit über drei Jahren nicht mehr. Nur netto 10 Prozent von ihnen erwarten für die kommenden zwölf Monate eine Ausweitung der Geschäfte. Wenn man die Erwartungen nach Branchen gliedert, waren die Dienstleistungsunternehmen etwas weniger pessimistisch als die Industrieunternehmen.

Die politischen Spannungen mit Südkorea, der Handelskrieg zwischen den USA und China, eine alternde Bevölkerung, Wettbewerbsdruck und ein stärkerer Yen sind einige der Faktoren, die den japanischen Unternehmen zufolge die Wirtschaftsleistung des Landes im nächsten Jahr negativ beeinflussen könnten. Joe Hayes, Ökonom bei IHS Markit, sagte: "Die Umfrage zum Geschäftsausblick zeigt, dass die Unternehmen weiter erwarten, dass das Aktivitätsniveau in den kommenden zwölf Monaten steigen wird, wobei die Chancen der Olympischen Spiele und der Entwicklung neuer Produkte, insbesondere in der Automobil- und Elektronikindustrie, genutzt werden.

Laut dem jüngsten Einkaufsmanagerindex ist die japanische Industrie im Oktober stärker geschrumpft. Dies spiegelt eine weitere Abschwächung der Nachfrage wider. Der Auftragseingang fiel so stark wie seit Mai 2016 nicht mehr. In der Folge wurden die Produktion, die Lagerbestände und das Einkaufsvolumen reduziert.

Korea meldet schwächere Exporte

Laut den Anfang des Monats veröffentlichten Umfragedaten stand das südkoreanische verarbeitende Gewerbe zu Beginn des vierten Quartals weiterhin unter Druck. Demnach waren die Nachfragebedingungen auf den Inlands- und Auslandsmärkten schwach, und die Unternehmen sagen, dass die Handelsspannungen und ein verlangsamtes globales Wachstum die Exporte beeinträchtigt haben. Im Oktober wurde die Beschäftigung weiter reduziert, während die Unternehmen ihre Lagerbestände schneller abbauen, um die Kosten im Griff zu behalten.

Zu den neuesten Umfrageergebnissen sagt Joe Hayes: "Die jüngsten Umfragedaten zeigen, welche Auswirkungen die schwierigen äußeren Bedingungen, welche die Bank of Korea zu Zinssenkungen veranlasst haben, auf die südkoreanische Wirtschaft haben." Eine Ansteckung der Binnenwirtschaft sei zunehmend sichtbar geworden.

Der Einbruch der Exporte bleibe jedoch "die wahre Achillesferse, mit Gegenwind aus allen Richtungen", so Hayes. Neben den Handelskonflikten zwischen den USA und China hätten auch die Spannungen mit Japan und eine stagnierende europäische Wirtschaft die Auftragsbestände der südkoreanischen Hersteller deutlich belastet.

Die Industrie ist in allen genannten Ländern ein wichtiger Teil der Volkswirtschaft. Doch in den USA macht der Dienstleistungssektor 70 Prozent des BIP aus und in Japan 69. Daher sind diese Länder etwas weniger anfällig für einen weltweiten industriellen Abschwung als Deutschland, wo der Dienstleistungssektor nur 61 Prozent des BIP ausmacht, als Südkorea (54%) und als China (52%).



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