Politik

Golfstaaten erleben die schlimmste Wirtschaftskrise ihrer Geschichte

Die Golfstaaten stehen vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Der Petro-Dollar wirkt aufgrund des Ölpreisverfalls nicht mehr. Die Saudis hatten sich zuvor auf einen unnötigen Ölpreiskampf mit Russland eingelassen - mit fatalen Folgen.
02.06.2020 20:43
Aktualisiert: 02.06.2020 20:43
Lesezeit: 2 min
Golfstaaten erleben die schlimmste Wirtschaftskrise ihrer Geschichte
07.03.2020, Saudi-Arabien, Dschidda: Ein Mann geht an einem Transparent vorbei, das den saudischen König Salman (r) und seinen Kronprinzen Mohammed bin Salman (l) vor einem Einkaufszentrum zeigt. (Foto: dpa) Foto: Amr Nabil

Die sechs Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) stehen vor der schlimmsten Wirtschaftskrise der Geschichte, die durch den doppelten Schock aus sinkenden Ölpreisen und der Coronavirus-Pandemie ausgelöst wurde, berichtet das Institute of International Finance (IIF). Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Golfstaaten wird im aktuellen Jahr insgesamt um 4,4 Prozent schrumpfen.

Kürzungen bei den öffentlichen Ausgaben, die von den regionalen Behörden beschlossen wurden, um die Ausweitung ihrer Defizite einzudämmen, „könnten Verluste aufgrund geringerer Ölexporte mehr als ausgleichen“, aber es wird erwartet, dass sich die Gesamtdefizite von 2,5 Prozent im Jahr 2019 auf 10,3 Prozent des BIP in diesem Jahr ausweiten.

Die saudische Notenbank hatte am 1. Juli 2020 mitgeteilt, sie würde zusätzliche 13,3 Milliarden US-Dollar in das lokale Bankensystem einbringen, um Banken bei der Unterstützung des Privatsektors zu unterstützen, nachdem die Verbraucherausgaben im April 2020 aufgrund von Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie stark gesunken waren.

Die von den GCC-Behörden eingeführten Maßnahmen zur Unterstützung der Liquidität von Banken belaufen sich auf vier Prozent des BIP, was eine Summe von 54 Milliarden US-Dollar, so das IIF.

In Saudi-Arabien, der größten Volkswirtschaft der Region, könnte das reale BIP in diesem Jahr um vier Prozent schrumpfen und das Defizit auf 13 Prozent steigen.

Oman, das sich angesichts seiner steigenden Verschuldung als „zunehmend gefährdeter Ort in der Region“ herausstellt. Das Sultanat könnte einen wirtschaftlichen Rückgang von 5,3 Prozent verzeichnen, während sich sein Defizit von 9,4 Prozent im Jahr 2019 auf 16,1 Prozent im aktuellen Jahr ausweiten könnte.

Der Oman hat sowohl seine Wasser- als auch sein Stromrechnung aus finanziellen Gründen mit Verspätung beglichen.

Die Golfstaaten erkaufen sich die Loyalität ihrer Bürger über einen finanziellen Gesellschaftsvertrag, der über die Einnahmen aus dem Ölverkauf finanziert wird. Doch dieser Gesellschaftsvertrag, der die Wohlfahrt in den Golfmonarchien finanziert, wird einem Bericht des Middle East Eye zufolge nicht mehr finanzierbar sein.

Seit Jahrzehnten sind die Öleinnahmen der „Klebstoff“, der die saudische Wirtschaft zusammenhält. ER trug dazu bei, die innere Stabilität des Königreichs zu festigen und die verschwenderischen Wohlfahrtsprogramme zu finanzieren, die Millionen saudischer Bürger zugutekamen. Solche Programme haben dazu beigetragen, politische Reformen abzuwehren, da die königliche Familie seit der Gründung des Königreichs in den 1920er Jahren regiert und eine absolute Macht ausübt, die nicht durch demokratische Versammlungen oder das Wahlrecht der Bevölkerung beeinträchtigt wird.

Die Pandemie verschlechterte die ohnehin düsteren Aussichten auf den Ölmärkten. Anfang März begann der Kronprinz einen unnötigen und zeitlich unpassenden Preiskampf mit Russland, wodurch die Preise sanken. Obwohl beide Seiten in der Lage waren, ihre Differenzen auszugleichen und im April eine neue Produktionskürzungsvereinbarung zu vereinbaren, war es schlichtweg zu spät: Die Ausbreitung des Coronavirus hatte das Wirtschaftswachstum auf der ganzen Welt ins Stocken gebracht. Die Prognosen für die Ölnachfrage gingen kurzfristig um 30 Prozent zurück, und die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass die Nachfrage im aktuellen Jahr um 9,3 Millionen Barrel pro Tag (Mbd) sinken wird.

Die Pläne des Kronprinzen für eine 500-Milliarden-Dollar-Traumstadt in der Wüste wurden auf Eis gelegt, während die Hoffnungen, dass das Königreich zu einem regionalen Tourismus-Hotspot werden könnte, angesichts der Pandemie regelrecht zerschlagen wurde, so Energy Fuse.

Besonders problematisch ist, dass 80 Prozent des saudischen Haushalts über den Verkauf von Öl finanziert wird. Doch dafür benötigen die Saudis einen Mindestpreis von 55 US-Dollar pro Barrel. Der aktuelle Ölpreis für die richtungsweisende Nordseesorte Brent liegt jedoch bei 39,51 US-Dollar pro Barrel (Stand: 2. Juli 2020). Und das ist angesichts der geopolitischen Lage in der Welt noch ein Spitzenpreis.

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