Politik

Neue strategische Allianz? Erdogan und Trump demonstrieren Einheit in Libyen

US-Präsident Trump und sein türkischer Amtskollege Erdoğan wollen in Libyen gemeinsam agieren. Das Weiße Haus hat erstmals die Vereinigten Arabischen Emirate, die die libysche Regierung stürzen wollen, kritisiert. Während die Türkei die libysche Regierung unterstützt, stehen Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland und weitere Länder auf Seiten des Söldner-Generals Haftar.
15.07.2020 16:13
Aktualisiert: 15.07.2020 16:13
Lesezeit: 2 min
Neue strategische Allianz? Erdogan und Trump demonstrieren Einheit in Libyen
11.07.2018, Belgien, Brüssel: Donald Trump (Mitte l), Präsident der USA, und Recep Tayyip Erdogan, Staatspräsident der Türkei, kommen zu einem Fototermin beim Nato-Gipfel. (Foto: dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

Am 14. Juli 2020 haben sich US-Präsident Donald Trump und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdoğan telefonisch in Verbindung gesetzt, um die Situation in Libyen zu diskutieren.

Der englischsprachige Dienst von Reuters berichtet, dass sich Trump und Erdoğan darauf geeinigt hätten, in Libyen enger zusammenzuarbeiten. Am Sonntag drohte die US-Botschaft in Libyen mit Sanktionen gegen „diejenigen, die die libysche Wirtschaft untergraben und an der militärischen Eskalation festhalten“, nachdem die staatliche libysche National Oil Corporation den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) vorgeworfen hatte, die Ölexporte der libyschen Regierung zu behindern, so Al-Monitor.

Das Kooperationsangebot Washingtons erfolgte, nachdem klar wurde, dass sich die Türkei in Libyen durchgesetzt hat. Tarek Megerisi, Analyst am European Council on Foreign Relations, sagt, dass die Türkei von nun an die dominante Macht in Libyen ist. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die türkischen Streitkräfte sich zu einer Drohnen-Macht entwickelt hat.

„Die neue Durchsetzungskraft der Türkei ist eine direkte Folge des Scheiterns der Berliner Konferenz im Januar. Die deutsche Initiative sollte internationale Akteure auf einen politischen Weg aus dem Morast in Libyen bringen, trug jedoch wenig dazu bei, die massive Mobilisierung der Vereinigten Arabischen Emirate zur Unterstützung von Haftar zu verhindern“, so das ECFR.

Wie die Kooperation zwischen den USA und der Türkei aussehen wird, bleibt ungewiss. Allerdings gilt es als sicher, dass auch Konsultationen mit Russland erfolgen werden.

Die Türkei unterstützt die von der UN unterstützten Regierung. Russland, Frankreich und die VAE unterstützen hingegen die Söldner-Armee des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar. Haftar versucht, eine ägyptische Militärintervention in Libyen gegen die Türkei und die libyschen Regierungstruppen zu provozieren, um die energiepolitisch wichtige Küstenstadt Sirte weiterhin unter Kontrolle zu behalten. Dabei wird Haftar von russischen Söldnern der Wagner Group unterstützt. Vor wenigen Tagen hatte die ägyptische Armee an der Grenze zu Libyen in Manöver unter Einsatz von scharfer Munition durchgeführt. Das ägyptische Verteidigungsministerium sagte offen, dass dies eine Warnung an die Türkei sei.

Das libysche Söldner-Parlament im Osten des Landes hat auch ägyptische Streitkräfte eingeladen, gegen die von der Türkei unterstützte Offensive einzugreifen. Die ägyptische Luftwaffe und Spezialeinheiten der Armee sind seit dem Sturz von Präsident Muammar al-Gaddafi 2011 vereinzelt in Libyen im Einsatz gewesen. Seit 2014 laufen Lufteinsätze mit den Emiraten über Libyen.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte vergangenen Monat bereits gewarnt, dass ein Angriff libyscher Regierungstruppen auf die strategisch wichtige Küstenstadt Sirte eine „rote Linie“ darstelle. Bis dort wurden Haftars Truppen mit türkischer Hilfe zurückgedrängt, nachdem ihre Offensive auf Tripolis gescheitert war. Al-Sisi hatte die ägyptischen Truppen beim Besuch einer Luftwaffenbasis nahe der Grenze Mitte Juni bereits auf einen möglichen Einsatz in Libyen eingeschworen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen Investment-FOMO: Warum Anleger nicht jedem Trend folgen sollten
11.10.2026

Ich las kürzlich auf Insta: „Stocks that will make you rich before 2027!! (I am only going to say that once!!).“ Drei Aktien von 12...

DWN
Immobilien
Immobilien Sachwert, Ertragswert, Vergleichswert: Wie Profis eine Immobilie bewerten
11.10.2026

Wer eine Immobilie kaufen möchte, sollte sich mit dem Vokabular rund um den Wert der Immobilie auskennen. Was Sachwert, Ertragswert und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft E-Auto kaufen oder leasen? Der Fünf-Minuten-Check
11.10.2026

Ein E-Auto kaufen klingt einfacher, als es ist. Reichweite, Laden, Leasing, Garantien und eine Fülle neuer Technik können Einsteiger...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schutzmaßnahmen wegen KI: Deutsche Firmen auf KI-Angriffe unzureichend vorbereitet
11.10.2026

Etwa jeder zweite Betrieb nutzt Künstliche Intelligenz. Spezielle Prozesse, um das eigene Unternehmen gegen KI-gestützte Cyberangriffe zu...

DWN
Technologie
Technologie Bekannter Allrounder: 80 Jahre Unimog - wichtiger denn je?
11.10.2026

Der Unimog ist ein Allrounder: Einst auf dem Acker zur Kartoffelernte, heute bei Kommunen, Feuerwehr oder dem Militär im Einsatz. Warum er...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Krise der deutschen Automobilindustrie: Wo geht die Reise hin?
11.10.2026

Die deutsche Automobilindustrie, das historische Rückgrat des nationalen Wohlstands, steckt in ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umgang mit Cookies: BGH verhandelt zu Cookie-Speicherung – darum geht's
10.10.2026

Der Bundesgerichtshof prüft, ob Unternehmen für das Speichern von Cookies auf fremden Internetseiten ohne Einwilligung haften müssen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uber-Robotaxis in Deutschland: Erst Stellen streichen, dann Jobs versprechen
10.10.2026

Uber streicht Tausende Stellen und verspricht gleichzeitig neue Arbeitsplätze in Deutschland. Was widersprüchlich klingt, folgt einer...