Finanzen

Neuer Bundesbank-Chef erwartet 4 Prozent Inflation

Bundesbankpräsident Joachim Nagel rechnet für 2022 mit "deutlich über 4 Prozent" Inflation. Er mahnt die EZB, im März zu handeln.
09.02.2022 11:29
Aktualisiert: 09.02.2022 11:29
Lesezeit: 2 min
Neuer Bundesbank-Chef erwartet 4 Prozent Inflation
Bundesbankpräsident Joachim Nagel mahnt die EZB, gegen die Inflation vorzugehen. (Foto: dpa) Foto: Nils Thies

Der neue Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT eine hohe Inflation für Deutschland vorhergesagt. Seine Fachleute rechneten mit "deutlich über vier Prozent" Preissteigerung im Jahresdurchschnitt 2022, so Nagel im ersten Interview seit seinem Amtsantritt.

Er plädierte dafür, dass die Europäische Zentralbank auf die aktuell hohe Inflation schnell reagiert. "Wenn sich das Bild bis März nicht ändern sollte, werde ich mich dafür aussprechen, die Geldpolitik zu normalisieren", sagte er.

"Nach meiner Einschätzung sind die ökonomischen Kosten deutlich höher, wenn wir zu spät handeln, als wenn wir frühzeitig handeln", so Nagel. Das zeigten auch Erfahrungen aus der Vergangenheit. Er warnte andernfalls vor heftigen Folgen an den Aktienmärkten: "Wenn wir zu lange warten und dann massiver handeln müssen, können die Marktschwankungen stärker ausfallen."

Nagel stellte Zinserhöhungen möglicherweise noch in diesem Jahr in Aussicht. Zunächst müssten aber die Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen aufhören. "Der erste Schritt ist, die Nettoankäufe von Anleihen im Lauf des Jahres 2022 zu beenden. Dann könnten die Zinsen noch in diesem Jahr steigen", sagte er.

Der Bundesbank-Präsident äußerte sich auch zu den Diskussionen über Staatsschulden in Europa. "Ich fände es richtig, wenn es künftig robustere Regeln gäbe - mit weniger Möglichkeit, sie zu umgehen."

Angesprochen auf die Aussagen von Nagel zur Inflation sagte EZB-Direktorin Isabel Schnabel am Mittwoch in einer Frage- und Antwort-Runde auf Twitter: "Wir müssen beide Gefahren minimieren - zu spät zu handeln und zu frühzeitig zu handeln". Überzogene Inflationserwartungen könnten allerdings eine Zinswende erfordern. Schnabel versicherte, die EZB nehme die Sorgen über steigende Preise sehr ernst.

Die EU-Bürger könnten darauf bauen, dass die Zentralbank alle Hebel in Bewegung setzen werde, damit das Inflationsziel mittelfristig erreicht werde, so Schnabel. Sollte die EZB zu dem Urteil gelangen, dass die Teuerung auf mittlere Sicht über der Zielmarke verharren werde, würden die Instrumente je nach Bedarf angepasst.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte vergangene Woche nach der jüngsten Zinssitzung ihre frühere Einschätzung nicht mehr wiederholt, wonach eine Zinswende 2022 sehr unwahrscheinlich sei. Die Währungshüter beließen den geldpolitischen Schlüsselsatz auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Banken müssen zudem weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken. Der sogenannte Einlagesatz bleibt bei minus 0,5 Prozent. Insidern zufolge wollten einige Währungshüter auf der Sitzung bereits Schritte zur Eindämmung der Inflation einleiten.

An den Börsen waren nach Lagardes Bemerkungen die Zinsspekulationen ins Kraut geschossen. Die EZB-Chefin hatte daraufhin am Montag versucht, die Inflationssorgen etwas zu dämpfen. Es gebe keine Signale, dass sich die Teuerung auf mittlere Sicht hartnäckig und deutlich über der EZB-Zielmarke von zwei Prozent festsetzen werde, was eine nennenswerte Straffung der Geldpolitik erfordern würde.

Die EZB hat seit 2011 über die Zinsschraube die Kreditkosten nicht mehr verteuert. Auch der niederländische Notenbankchef Klaas Knot hatte jüngst eine Zinswende noch in diesem Jahr ins Gespräch gebracht. Er rechnet mit einer Erhöhung "um das vierte Quartal herum", wobei wohl eine Anhebung um einen Viertel Punkt angezeigt sei.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Begrenzung für Kreditkartenzinsen: Airlines und Investoren warnen vor Trumps Plan
07.02.2026

US-Präsident Donald Trump will Kreditkartenzinsen in den USA auf 10 Prozent begrenzen. Was als Verbraucherschutz verkauft wird, könnte...

DWN
Politik
Politik Ganz nah an Russland können Kinder nach der Schule zum Drohnentraining gehen
07.02.2026

In Litauen wächst der Druck, sich auf neue Bedrohungen einzustellen, und selbst Schulen geraten dabei in den Fokus. Was bedeutet es, wenn...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Dow Jones durchbricht die Marke von 50.000 Punkten
06.02.2026

Die US-Aktienmärkte erholten sich am Freitag nach einem einwöchigen Rückgang im Technologiesektor, da die Zurückhaltung der Investoren...

DWN
Finanzen
Finanzen Stellantis-Aktie im freien Fall: Börse reagiert schockiert – Opel-Mutter Stellantis beendet Elektro-Strategie
06.02.2026

Die Stellantis-Aktie gerät nach einer drastischen Kehrtwende in den USA massiv unter Druck. Milliardenabschreibungen, gestrichene...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Bauerfeind aus Thüringen expandiert: Mit Stützstrümpfen zum Hidden Champion
06.02.2026

Klein, aber fein: Bauerfeind, ein Familienunternehmen und „Hidden Champion“ aus Thüringen. Ob auf Reisen, im Alltag, im Job oder beim...

DWN
Politik
Politik US-Rohstoffpolitik unter Druck: J.D. Vance spricht über neue Ansätze bei seltenen Erden
06.02.2026

Die USA prüfen angesichts ihrer Abhängigkeit von China bei der Versorgung mit kritischen Rohstoffen neue außenwirtschaftliche Optionen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ostdeutscher Maschinenbau überrascht: Auftragseingang 2025 deutlich im Plus
06.02.2026

Während der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau insgesamt stagnierte, legte Ostdeutschland 2025 spürbar zu. Nach Angaben des VDMA...

DWN
Politik
Politik Hubig in Den Haag: Heikle Mission zwischen US-Sanktionen und Völkerrecht
06.02.2026

Nach US-Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof steht Justizministerin Stefanie Hubig in Den Haag vor einer heiklen Aufgabe....