Deutschland

Verdi-Streik legt Hamburger Hafen lahm

Deutschlands wichtigster Hafen ist für große Container-Frachter nicht mehr erreichbar.
23.03.2023 10:00
Lesezeit: 2 min
Verdi-Streik legt Hamburger Hafen lahm
Ein Arbeiter im Hamburger Hafen. (Foto: dpa) Foto: Christian Charisius

Deutschlands wichtigster Warenumschlagplatz, der Hamburger Hafen, bleibt nicht nur bis diesen Freitag, sondern auch am kommenden Montag für große Schiffe gesperrt. Noch während des seit Mittwochabend laufenden Warnstreiks bei der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) kündigte die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag in Berlin an, am Montag die Containerschifffahrt erneut lahmzulegen. "In bestimmten Bereichen, da wird es nicht weitergehen", sagte die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende, Christine Behle. Demnach werden große Schiffe den Hamburger Hafen nicht anlaufen können. Zudem soll es zu Verzögerungen beim Laden und Löschen von Schiffen kommen.

Die HPA hatte die Elbe bereits am Mittwochvormittag für lotsenpflichtige Schiffe gesperrt und den Hamburger Hafen damit unerreichbar gemacht. Grund war, dass Schiffe von der Elbmündung bis zum Hafen bis zu acht Stunden brauchten und bei einer späteren Einfahrt in die Bundeswasserstraße den Hafen nicht mehr rechtzeitig vor dem offiziellen Streikbeginn um 17.30 Uhr hätten erreichen können, wie eine HPA-Sprecherin sagte.

Die Gewerkschaft Verdi bestreikt noch bis Freitag, 6.00 Uhr, die sogenannten Lotsenversetzboote, so dass die Lotsen nicht mehr zu den Schiffen gelangen. Diese sind aber für Schiffe ab einer Länge von 90 Metern oder einer Breite von 13 Metern und mehr Pflicht. Nach HPA-Angaben sind von der Sperrung etwa 18 Schiffe Richtung Hamburg betroffen, laut der Listen der Terminals zählen dazu auch mehrere Großcontainerschiffe, etwa die jeweils rund 400 Meter langen Frachter "Cosco Shipping Nebula", "Tihama" und "Eugen Maersk".

Hamburgs größter Terminalbetreiber, die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), zeigte sich verärgert über den Warnstreik. "Das, was wir heute erleben, ist auch für uns eine Überraschung", sagte Vorstandschefin Angela Titzrath. Laut HHLA-Betriebsvorstand Jens Hansen warteten am Donnerstag an den eigenen Terminals vier Containerschiffe auf die Ausfahrt. Die Verzögerungen bezifferte er auf 16 bis 36 Stunden. Rund fünf Containerschiffe würden in den kommenden Tagen erwartet. Hansen sagte, so etwas dürfe künftig nicht noch einmal passieren, und verwies auf andere Häfen, die den Lotsentransport anders organisiert hätten. Titzrath forderte die HPA auf, mit Verdi eine Notfallregelung zu vereinbaren, "damit die Schiffbarkeit der Elbe zu jeder Zeit gewährleistet ist".

Scharfe Kritik am Warnstreik im Hafen kam vom Verein Hamburger Spediteure. "Auch bei vollem Zugeständnis der Rechtmäßigkeit von harten Tarifauseinandersetzungen und bei allem Verständnis für Arbeitnehmerinteressen: diese Form des Arbeitskampfes ist ein massiver Eingriff in die Rechtsgüter unbeteiligter Dritter", sagte Vereinschef Axel Plaß. Dieser Streik schädige einmal mehr den Wirtschaftsstandort Deutschland. "Eine erneute Wiederholung der Streiksituation darf es nicht mehr geben, soll der Hamburger Hafen nicht endgültig in der Bedeutungslosigkeit versinken", warnte Plaß. Die Tarifparteien müssten sich schnellstmöglich einigen.

Der Hamburger Hafen ist der mit Abstand wichtigste Warenumschlagplatz in Deutschland. Pro Jahr gehen über gut 50 Umschlaganlagen rund 130 Millionen Tonnen Seegüter über die Kaikanten. Etwa 290 Liegeplätze bieten Platz für Schiffe jeglicher Größe - von besonders großen Container- und Massengutschiffen über Öl- und Chemikalientanker bis hin zu kleineren Feeder- sowie Binnenschiffen.

Mit dem Warnstreik wollen die Gewerkschaften vor der dritten Verhandlungsrunde vom 27. bis 29. März in Potsdam ihren Forderungen Nachdruck verleihen. Verdi fordert für die bundesweit rund 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen 10,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeberseite bietet bislang fünf Prozent mehr Geld in zwei Schritten und Einmalzahlungen in Höhe von insgesamt 2500 Euro.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Offshore-Windkraft vor Comeback: Energieriesen setzen wieder auf Europa
23.05.2026

Die Offshore-Windkraft hat schwere Jahre hinter sich. Jetzt wittern Energieriesen in Europa wieder Chancen, doch aus Optimismus wird nur...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft 39 Billionen Dollar Schulden: Amerikas größter Gläubiger heißt Amerika
23.05.2026

Die USA häufen alle drei Monate eine Billion US-Dollar Schulden an und zahlen inzwischen mehr als eine Billion Dollar Zinsen pro Jahr. Wer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mythos Fachkräftemangel beendet: Deutschlands Arbeitsmarkt bricht langfristig ein
23.05.2026

Schwache Frühjahrsbelebung, keine Trendumkehr: Der deutsche Arbeitsmarkt kippt langfristig in eine neue Massenarbeitslosigkeit. Warum es...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fußball-WM 2026: Sporthändler hoffen auf Umsatzboom durch Trikotverkäufe – ist das realistisch?
23.05.2026

Fußball-WM als Umsatzmotor? Die Sporthändler setzen auf Fans, die nicht nur zum Public Viewing, sondern auch in die Geschäfte kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Netzplan im Projektmanagement: Wie Unternehmen ihre Projekte planbar machen
23.05.2026

Der Netzplan macht im Projektmanagement sichtbar, was Bauchgefühl übersieht. Warum die Netzplantechnik 2026 wieder Konjunktur hat – und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Cupra Terramar im Test: Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens ist nur noch Erinnerung
23.05.2026

Der Cupra Terramar will nicht brav sein. Er kombiniert SUV-Format, Premium-Gefühl und sportliche Optik mit einem Benziner, der mehr kann,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hohe Ölpreise: IEA erwartet neuen Wachstumsschub für Elektroautos
23.05.2026

Elektroautos verkaufen sich weltweit so stark wie nie zuvor. Hohe Energiepreise und die Krise im Nahen Osten könnten diesen Trend...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ökonomen ratlos: Stehen wir vor einer großen Weltwirtschaftskrise?
23.05.2026

Pessimisten warnen vor Stagflation, Optimisten vertrauen auf KI und starke Unternehmen. Die Wahrheit über die Weltwirtschaft könnte...