Politik

Italien verbietet Insektenmehl in seiner Pizza und Pasta

Italien verbietet ab sofort die Beimischung von Insekten für traditionelle heimische Lebensmittel. Das Land reiht sich damit unter die Staaten ein, die sich entschieden gegen die aufkommende Agenda des Insekten-Verzehrs positionieren.
03.04.2023 14:00
Lesezeit: 3 min

Italiens neue Regierung hat ein offizielles Verbot von Insekten-Bestandteile in traditionellen heimischen Speisen erlassen. Mehl aus Grillen, Wanderheuschrecken, Mehlwürmern und Larven darf demnach nicht in der Herstellung typisch italienischer Lebensmittel wie Pizza und Nudeln verwendet werden.

Der Beweggrund für die neue Verordnung: Die Angst, dass Insekten mit der italienischen Küche in Verbindung gebracht werden könnten. „Es ist von grundlegender Bedeutung, dass diese Mehle (aus Insekten hergestellt oder mit Insekten angereichert, Anm.d.Red.) nicht mit in Italien hergestellten Lebensmitteln verwechselt werden“, betonte Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida. Seine Abteilung wurde von der Rechtsregierung um Premierministerin Giorgia Meloni vor kurzem in „Ministerium für Ernährungs-Souveränität“ umbenannt.

Insekten gehören nicht zur italienischen Esskultur

Bei sonstigen Lebensmitteln sind Hersteller dazu verpflichtet, auf dem Etikett deutlich zu kennzeichnen, wenn Insektenmehl oder andere Erzeugnisse aus Insektenbestandteilen vorkommen.

Insekten-haltige Produkte müssen mit gut lesbar mit großen Buchstaben gekennzeichnet und in getrennten Regalen ausgestellt werden. „Wer diese Produkte essen will, kann das tun, aber diejenigen, die das nicht wollen, und das werden wohl die meisten Italiener sein, werden die Wahl haben“, sagte Lollobrigida.

Auf demselben Etikett muss auch auf das Risiko allergischer Reaktionen bei Verbrauchern hingewiesen werden, die an einer Unverträglichkeit von Muscheln, Schalentiere oder Hausstaubmilben leiden.

Die Hersteller von Insektenmehl warnen vor einer unnötigen Kriminalisierung ihres Geschäfts. „Es ist richtig, dass es für Insektenmehle ebenso wie für biologische oder glutenfreie Produkte spezielle Ecken in den Regalen der Supermärkte gibt, aber dies sollte nicht dazu dienen, sie an den Rand zu drängen oder zu verstecken“, kommentiert Josè Francesco Cianni, Geschäftsführer der Biotech-Firma Nutrinsect.

Die Sorgen der Nischenhersteller kümmern die Bevölkerung kaum. Laut einer Umfrage des Agrarverbands Coldiretti sind 54 Prozent der Italiener strikt gegen Insekten als Lebensmittel. „Die große Mehrheit der Italiener würde niemals Insekten auf den Tisch bringen, da sie als Fremdkörper in der nationalen Esskultur gelten“, kommentierte der Verband.

Die kulinarische Tradition und den Ruf der Gastronomie zu bewahren, ist für die Neuregierung sehr wichtig. „Wir werden darüber wachen, dass die Maßnahmen in vollem Umfang eingehalten werden“, kündigte Gesundheitsminister Orazio Schillaci an. „Dies gilt sowohl für das Verbot der Verwendung von Insektenmehl in Lebensmitteln, die wie Pizza und Pasta typisch für die mediterrane Küche sind, als auch für die obligate Kennzeichnung der Produkte, die dieses Mehl enthalten.“

Bereits im Jahr 2021 hatte die heutige Premierministerin Meloni auf einer Veranstaltung von Coldiretti davor gewarnt, dass die multinationalen Konzerne über die EU versuchten, das Label „Made in Italy“ zu zerstören. Die mediterrane Esskultur sei zur Zielscheibe von Lobby-Organisationen geworden, die Weltmarktprodukte auf dem heimischen Markt verbreiten wollen. Dabei kritisierte Meloni insbesondere den Einsatz synthetischer Produkte.

In und außerhalb der EU formiert sich Widerstand

Die Entscheidung Italiens kommt zu einem Zeitpunkt, als die Europäische Union gerade jüngst vier verschiedene Insektenarten als Lebensmittel genehmigt hat. Die EU erlaubt in Zukunft die Beimischung von Larven des Mehlwurms, Bestandteile von Schwarzkäfern sowie aus Hausgrillen und Heuschrecken gewonnene Substanzen in der Lebensmittelproduktion. Die Entscheidung der Europäischen Kommission wurde kontrovers aufgenommen. Und der neueste (politische) Trend in der Ernährungsindustrie dürfte auch nicht alle (EU-)Länder erfassen. Es regt sich schon jetzt merklich Widerstand, nicht nur in Italien.

Das konservative Ungarn hat vor einem Monat ähnliche Gesetze erlassen, wobei es hier bisher nicht über eine separate Kennzeichnungspflicht hinausgeht. Die Meinungsfragen sind noch eindeutiger als in Italien. Weniger als 5 Prozent der ungarischen Verbraucher können sich den Verzehr von Insekten beziehungsweise von Produkten, die Insektenbestandteile enthalten, vorstellen. Mehr als 70 Prozent lehnen diese Möglichkeit strikt ab. Genau wie in Italien verweist man in Ungarn auf gastronomische Traditionen, die es zu bewahren gelte.

Außerhalb der EU haben mittlerweile die meisten Golfstaaten die Beimischung von Insekten in Lebensmittel verboten, weil es nicht mit den Anforderungen einer islamisch korrekten Ernährung (halal) zu vereinbaren sei.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

Jakob Schmidt

                                                                            ***

Jakob Schmidt ist studierter Volkswirt und schreibt vor allem über Wirtschaft, Finanzen, Geldanlage und Edelmetalle.

DWN
Politik
Politik Berlin wählt: Diese Koalitionen sind möglich – und was sonst noch wichtig ist!
19.09.2026

Rund 2,5 Millionen Berliner entscheiden am Sonntag über die politische Zukunft ihrer Stadt. Nach einem von Wohnungsnot, Verkehr und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Safran-Anbau: KI und Roboter sollen Europas Abhängigkeit beenden
19.09.2026

Safran ist das teuerste Gewürz der Welt, doch seine Lieferkette ist anfällig und kaum transparent. Ein schwedisches Start-up will das...

DWN
Technologie
Technologie Gefälschte IT-Mitarbeiter: Remote-Jobs werden zum Einfallstor für Spione
19.09.2026

Sie sehen aus wie ganz normale Bewerber, doch hinter Lebensläufen, Videogesprächen und vermeintlich echten Identitäten können...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi-Krise: „In zehn Jahren muss es Volkswagen noch geben“
19.09.2026

China holt Europas Autobauer nicht mehr nur ein. In wichtigen Technologiebereichen ist die Konkurrenz bereits vorbeigezogen. Audi-Chef...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Krypto-Rally an der Wall Street
18.09.2026

Unerwartete Entwicklungen bewegen die US-Märkte und sorgen für Aufsehen unter Anlegern.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Suezkanal: Warum Maersk jetzt die riskante Abkürzung nimmt
18.09.2026

Die Sicherheitslage im Roten Meer verschärft sich, doch ausgerechnet jetzt kehren große Reedereien auf die Route durch den Suezkanal...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Aus einem Hobby wird ein Unternehmen: Sie hatte eine Idee, er musste seinen Job kündigen
18.09.2026

Aurelija Mališauskienė, Gründerin des Unternehmens „Minimali“, begann während ihres Elternurlaubs mit der Herstellung von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkttrend „Boomerang Hiring“ – erst gekündigt, dann zurückgeholt
18.09.2026

Die Wiedereinstellung ehemaliger Arbeitnehmer wird auch in Deutschland zum wachsenden Trend auf dem Arbeitsmarkt: Wie Arbeitgeber mit...