Finanzen

Trotz Einbruch bei Krediten: Banken erwarten höhere Gewinne

Die Banken in der Eurozone haben die Kreditvergabe stärker als erwartet eingeschränkt. Dennoch erwarten sie in der aktuellen Krise höhere Gewinne dank der EZB.
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04.05.2023 09:46
Aktualisiert: 04.05.2023 09:46
Lesezeit: 4 min
Trotz Einbruch bei Krediten: Banken erwarten höhere Gewinne
Die Banken in Europa erwarten trotz Krise höhere Gewinne. (Foto: dpa) Foto: Helmut Fricke

Die Banken in Europa verzeichnen vor dem Hintergrund erheblicher Turbulenzen in der Branche eine sinkende Kreditnachfrage. Damit werden Forderungen an die Europäische Zentralbank lauter, das Tempo ihrer Zinserhöhungen zu drosseln. Zugleich geben sich die Banken aber optimistisch, weil die höheren Zinsen eine robuste Rentabilität versprechen.

Der Vorstandsvorsitzende der Londoner Großbank HSBC, Noel Quinn, sagte am Dienstag nach der Veröffentlichung der Ergebnisse, das Kreditwachstum sei im ersten Quartal "gedämpft" gewesen und dies werde wohl noch drei Monate lang so bleiben. "Ich bin etwas vorsichtig, was das kurzfristige Kreditwachstum angeht", zitiert ihn Bloomberg. Quinn fügte hinzu, dass die HSBC aufgrund des wirtschaftlichen Umfelds keine endgültige Prognose für das Kreditwachstum abgegeben hat. "Es gibt eine gewisse Nervosität in der Unternehmenswelt, was langfristige Investitionsentscheidungen in Anlagekapital betrifft."

Auch die Mailänder Großbank UniCredit und die Deutsche Bank haben niedrigere Kreditvolumina gemeldet, wobei der größte deutsche Kreditgeber erklärte, dass er angesichts steigender Zinsen sein Hypothekengeschäft zurückfahren wird. Sowohl Haushalte als auch Unternehmen schränken ihre Kreditaufnahme ein, da die raschen Zinserhöhungen vieler Zentralbanken weltweit die Finanzierungskosten in die Höhe getrieben haben. Das Wachstum der Kreditvergabe an den privaten Sektor des Euroraums hat sich im März den sechsten Monat in Folge verlangsamt.

Euro-Banken drosseln Kreditvergabe stärker als erwartet

Der Anteil der Banken im Euroraum, die im ersten Quartal eine rückläufige Nachfrage nach Unternehmenskrediten meldeten, war so hoch wie seit 2009 nicht mehr. Dies geht aus der jüngsten Umfrage der Europäischen Zentralbank zur Kreditvergabe hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Die Nachfrage nach Hypothekarkrediten sank weiterhin so schnell wie im vorangegangenen Quartal. Der Umfrage zufolge haben sich die Kreditstandards im ersten Quartal "weiter deutlich verschärft".

"Die Verschärfung der Kreditvergabe an Unternehmen und für den Erwerb von Wohneigentum fiel stärker aus, als die Banken im Vorquartal erwartet hatten, und deutet auf eine anhaltende Abschwächung der Kreditdynamik hin", so der EZB-Bericht. Der Rückgang der Nettokreditnachfrage von Unternehmen war stärker als von den Banken in den vorangegangenen drei Monaten vorhergesagt und der stärkste seit der globalen Finanzkrise.

Zudem zeigen neue Zahlen der EZB, dass sich das Wachstum der Geldmenge M3, die auch Anteile an Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapiere und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren umfasst, im März abschwächte und so langsam war wie seit Oktober 2014 nicht mehr. Auch das Wachstum der Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen schwächte sich ab.

Die Umfrage ist die erste, die konkrete Hinweise auf die Auswirkungen des Zusammenbruchs der Silicon Valley Bank im März und der Übernahme der Credit Suisse Group AG durch die UBS Group AG zu einem späteren Zeitpunkt liefert. EZB-Vertreter hatten angedeutet, dass die Anzeichen für eine Verschärfung der finanziellen Bedingungen durch den Stress im Bankensektor sie dazu bewegen könnten, die Zinssätze bei ihrer nächsten Entscheidung am Donnerstag weniger stark anzuheben. Es wird erwartet, dass der EZB-Rat den Leitzins um 0,25 bis 0,5 Prozentpunkt anheben wird.

Die Verschärfung der Kreditkonditionen ist auf die Risikowahrnehmung und -toleranz der Banken zurückzuführen, wobei auch die Zinserhöhungen der EZB eine Rolle spielten, so der Bericht. Die Banken erwarten für das zweite Quartal eine weitere, wenn auch moderatere" Verschärfung. Als Zeichen dafür, dass sich die Spannungen im Finanzsektor im März auf die Branche im Euroraum auswirken, gaben die Befragten an, dass sich ihr "Zugang zu Finanzierungen im Privat- und Großkundengeschäft verschlechtert hat", so die EZB.

"Bei den Geldmärkten und Schuldverschreibungen macht die Verschlechterung die Verbesserung des Zugangs zu diesen Märkten wieder zunichte, die Ende letzten Jahres verzeichnet worden war, was möglicherweise die Marktturbulenzen vom März 2023, das niedrigere Gesamtniveau der Überschussliquidität und die erhöhte Verfügbarkeit von Sicherheiten widerspiegelt, die sich aus den freiwilligen vorzeitigen Rückzahlungen der TLTRO III im letzten Quartal 2022 ergeben haben", so die EZB.

Banken geben sich dennoch optimistisch

Die aktuell düsteren Wirtschaftsaussichten halten die Kreditgeber jedoch nicht davon ab, optimistische Umsatz- und Ertragsprognosen abzugeben. Die überwältigende Mehrheit der im Rahmen der EZB-Umfrage zur Kreditvergabe befragten Banken gab an, dass die steigenden Zinssätze ihre Rentabilität weiter verbessern werden, vor allem dank wachsender Nettozinserträge und höherer Margen, auch wenn die rückläufige Nachfrage als kleiner Dämpfer angesehen wurde.

UniCredit erhöhte ihre Jahresprognose für den Nettozinsertrag um mehr als 1 Milliarde Euro, nachdem sie zwischen Januar und März einen Anstieg dieser Kennzahl um 44 Prozent gemeldet hatte. Auch die Deutsche Bank erklärte letzte Woche, dass der Rückenwind durch steigende Zinsen es ihr ermöglichen könnte, ihr Ertragsziel für 2025 zu übertreffen.

Auch Barclays, NatWest und Banco Santander gehörten zu den Banken, die im ersten Quartal einen Anstieg ihrer Nettozinserträge meldeten. Die Lloyds Banking Group, der größte Hypothekarkreditgeber des Vereinigten Königreichs, erklärte jedoch, dass die Wertminderungen von Krediten zunehmen und dass die Vorteile von Zinserhöhungen ihren Höhepunkt erreicht haben könnten.

"Höhere Zinssätze - ein tödlicher Cocktail aus Kreditrisiko, knapperen Haushaltsfinanzen, sinkenden Hauspreisen und steigenden Herausforderungen bei Gewerbeimmobilien - veranlassen Banken in ganz Europa, ihre Kreditstandards 2023 zu verschärfen", schreiben die Analysten von Bloomberg Intelligence unter der Leitung von Philip Richards in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Während die höheren Zinssätze die Gewinne der Banken vor allem dank der sich ausweitenden Spanne zwischen den Einnahmen aus Krediten und den Zahlungen für Einlagen in die Höhe getrieben haben, zeigten sie aber auch negative Nebenwirkungen. Dazu gehören der Wertverlust von Staatsanleihen in den Bankbilanzen und die Umschichtung von Kundengeldern in Anlagen mit besseren Renditen.

Doch sowohl UniCredit als auch die Deutsche Bank erklären, dass die Zinssätze, die sie anbieten müssen, um die Einleger zu halten, immer noch weit unter ihrer ursprünglichen Planung liegen, was dem Nettozinsertrag einen dauerhaften Schub verleiht. Die Deutsche Bank sagte jedoch auch, dass sie kürzlich das Tempo der Erhöhungen beschleunigt hat, da der Wettbewerb um Einlagen zunimmt.

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