Politik

Hausbesitzer sollen Heizung mieten, um Klima zu retten

Die Klima-Sanierung der Heizung ist für viele Haus- und Wohnungseigentümer nicht bezahlbar. Daher kommt die Miete in Mode. Doch auch dieses Modell kann extrem teuer sein, warnen Verbraucherschützer.
29.09.2023 09:42
Aktualisiert: 29.09.2023 09:42
Lesezeit: 3 min
Hausbesitzer sollen Heizung mieten, um Klima zu retten
Dank Wirtschaftsminister Robert Habeck sehen viele deutsche Hausbesitzer nur den Ausweg, eine Heizung zu mieten. (Foto: dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

Wie heize ich künftig meine Wohnung oder mein Haus? Das umstrittene Gebäudeenergiegesetz (GEG) soll Anfang 2024 in Kraft treten und dafür sorgen, durch einen allmählichen Austausch von Öl- und Gasheizungen das Heizen in Deutschland klimafreundlicher zu machen. Doch nach der langen Hängepartie sind viele Verbraucher verunsichert über künftige Förderbedingungen und halten sich mit Investitionen zurück. Miet- und Leasingmodelle für Heizungen rücken auch dadurch stärker in den Blick. Verbraucherschützer aber raten, vor entsprechenden Vertragsabschlüssen unbedingt das Kleingedruckte genau zu studieren.

Das Modell funktioniert in der Regel so: Ein Dienstleister - in diesem Fall auch Contractor genannt - schließt einen Wärmeliefervertrag mit einem Immobilienbesitzer ab und bindet diesen über einen längeren Zeitraum fest an sich. Der Contractor ist für den Einbau der Heizungsanlage beim Kunden oder der Kundin zuständig, kümmert sich um Wartung und Reparaturen und übernimmt teils auch die Kosten für Schornsteinfeger und Versicherung. Hinzu kommen 24-Stunden-Services für den Fall von Störungen. Die Kunden zahlen dafür eine monatliche Pauschale, die auch die Finanzierungskosten der Anlage umfasst, sowie die variablen Kosten für den Brennstoff der Heizungsanlage.

Zu den Anbietern zählt beispielsweise der Darmstädter Energieversorger Entega. Derzeit hat das Unternehmen nach Angaben eines Sprechers im Geschäftsfeld gewerbliche Wärmelieferung rund 300 Verträge, die jährlichen Umsätze in diesem Bereich belaufen sich auf netto rund eine Million Euro. Zum Angebot gehöre der Einbau, die Wartung und Reparatur sowie der Betrieb von Heizungsanlagen mit einer Leistung von bis zu 50 Kilowatt inklusive der Wärmelieferung auf Basis von Erdgas. Auch ein Mietprodukt mit Wärmepumpen habe das Unternehmen entwickelt - doch angesichts der Debatte und der nun im GEG getroffenen Regelungen bestehe danach momentan keine ausreichende Nachfrage, so der Sprecher. Stattdessen setzten die Kunden stattdessen auf konventionelle und kostengünstigere Erdgas-Lösungen.

Bei allen Angeboten gelte es, ganz genau hinzuschauen, sagt Ramona Mittag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Von den Anbietern forderte sie mehr Transparenz, «um deutlich zu machen, was bekomme ich, was zahle ich.» Für eine neue Heizung entscheide man sich in der Regel für die kommenden 20 bis 30 Jahre - auf diese lange Laufzeit gerechnet kämen Immobilienbesitzer häufig günstiger weg, wenn sie ihre neue Heizung selbst modernisieren und dabei Fördermittel nutzen. Angesichts relativ langer Vertragslaufzeiten gelten Mietangebote zudem als ungeeignet für Menschen, die häufiger ihren Wohnort wechseln.

Interessanter könnten sie für ältere Personen sein, die schwieriger an Kredite für eine neue Heizung kämen - und für Menschen, die «Rundum-Sorglos-Pakete» für Wärme und Strom suchten und dafür unter dem Strich auch höhere Kosten in Kauf nehmen könnten, sagte Mittag. Generell sollten sich Hausbesitzerinnen und -besitzer an der Frage orientieren, wie sie langfristig mit ihrem Gebäude «in Richtung Klimaneutralität gehen und wie sie investieren können, um ihre Heizung effizient und günstig betreiben zu können». Wenn künftig immer mehr Häuser über eigene Photovoltaik-Anlagen, Stromspeicher, Wärmepumpen und Wallboxes für Elektrofahrzeuge verfügen, dürften Contracting-Modelle an Bedeutung gewinnen, erwartet die Expertin.

Solche Lösungen hat beispielsweise der Versorger EWE mit Kunden in Norddeutschland zwischen Ems, Weser und Elbe sowie in Teilen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns als einen Schwerpunkt im Blick. Das Geschäft mit Erdgas-Mietheizungen für Privatkunden hingegen sei seit dem 1. Juli eingestellt, es würden in dem Bereich nur noch Wärmepumpen angeboten, teilt eine Sprecherin mit. Die bestehenden rund 25 000 Verträge seien von der Entscheidung nicht betroffen, sie würden «selbstverständlich bis zum Vertragsende erfüllt».

Im vergangenen Jahr war der Vertragszuwachs im Bereich Contracting nach Angaben des Branchenverbandes Vedec mit einem Plus von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 78 562 Verträge etwas geringer als 2021 (plus 11,9 Prozent). Dies sei auch auf die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Gebäudeenergiegesetz zurückzuführen, heißt es auf der Homepage des Verbandes. Für dieses Jahr erwarte man ein Vertragsplus in ähnlicher Höhe wie 2022, sagt Dave Welmert, Referent für Klima- und Energiepolitik bei dem Verband. Künftig dürften das Wachstum aber wieder stärker zulegen, auch weil die Anlagen zur Wärme und Energieversorgung der Häuser immer komplexer werden und bundesweit rund 19,4 Millionen Bestandswohngebäude umgerüstet werden müssten.

Kritisch sieht Leonora Holling, Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, aktuelle Contracting-Angebote. Dazu zählten auch bestimmte Fernwärme-Modelle, und hier gebe es bei einigen Anbietern exorbitante Kostensteigerungen. Sie wisse von Betroffenen, deren Abschlagszahlungen höher seien als ihre Mieten, sagte Holling. Es herrsche eine Selbstbedienungsmentalität, der ein Riegel vorgeschoben werden müsse. Manche Anbieter nutzten die Gunst der Stunde und die Verunsicherung der Verbraucher durch das neue Gesetz. Aber auch eigene Investitionen in neue Heizungsanlagen seien für viele Haus- und Wohnungseigentümer finanziell kaum zu stemmen - zumal das volle Fördervolumen nur Haushalte mit sehr geringem Einkommen ausschöpfen könnten. «Da muss man schon fast Bürgergeld beziehen», sagt Holling. (dpa)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Hubig in Den Haag: Heikle Mission zwischen US-Sanktionen und Völkerrecht
06.02.2026

Nach US-Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof steht Justizministerin Stefanie Hubig in Den Haag vor einer heiklen Aufgabe....

DWN
Politik
Politik Russlands Aktivitäten im Orbit: Wachsende Risiken für Europas Satelliteninfrastruktur
06.02.2026

Russische Aktivitäten im Orbit rücken Europas Satelliten stärker in den Fokus der Sicherheitsbehörden. Welche Risiken ergeben sich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsexporte: Bundesregierung genehmigt 12 Milliarden Euro – Kritik an Golfregion-Geschäften
06.02.2026

Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr Rüstungsexporte im Umfang von rund 12 Milliarden Euro genehmigt – leicht weniger als in den...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 06: Die wichtigsten Analysen der Woche
06.02.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 06 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Debatte über Teilzeit: Gewerkschaften warnen vor Abbau sozialer Leistungen
06.02.2026

In Deutschland wächst die Diskussion über Einschnitte im Sozialstaat. Besonders geplante Änderungen im Bereich Teilzeitarbeit stoßen...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien Europa stabil: Bauwerte stark, Autowerte und Banken unter Druck
06.02.2026

Europas Börsen haben am Freitag leichte Gewinne verzeichnet, getragen von beruhigten Edelmetall- und Kryptomärkten sowie positiven...

DWN
Politik
Politik USA und Iran am Verhandlungstisch: Chancen und Risiken der neuen Gespräche
06.02.2026

Noch vor wenigen Wochen forderte US-Präsident Donald Trump einen Machtwechsel im Iran – jetzt verhandeln Washington und Teheran erneut...

DWN
Immobilien
Immobilien Absage bei der Wohnungssuche: Wann ist eine Wohnungsabsage rechtswidrig?
06.02.2026

Die Wohnungssuche kann frustrierend sein, selbst wenn Einkommen und Bonität stimmen. Manchmal steckt hinter Absagen mehr als nur Zufall....