Unternehmen

Betriebsrat im Unternehmen: Sprachrohr der Arbeitnehmer

Von einem starken Betriebsrat, der sich für die Interessen der Beschäftigten einsetzt, profitieren auch der Arbeitgeber. Lesen Sie welche Rolle und Pflichten ein Betriebsrat im Unternehmen hat und wie Sie als Unternehmer eine konstruktive Zusammenarbeit mit ihm erreichen können.
06.11.2023 18:22
Aktualisiert: 06.11.2023 18:22
Lesezeit: 3 min
Betriebsrat im Unternehmen: Sprachrohr der Arbeitnehmer
Betriebsräte sind in Deutschland ein zentraler Bestandteil vieler Unternehmen und kommen Arbeitnehmern und -gebern zugute. (Foto: iStock.com/metamorworks) Foto: metamorworks

Ein Betriebsrat vertritt die Interessen der Arbeitnehmer. Ein guter Betriebsrat ist sowohl für die Mitarbeiter als auch für das Unternehmen von Vorteil.

Was ist ein Betriebsrat und was sind seine Aufgaben in einem Unternehmen?

Der Betriebsrat ist die Interessenvertretung der Beschäftigten und wird von den Arbeitnehmern eines Unternehmens gewählt. Als Gremium hat er umfassende Rechte gegenüber dem Arbeitgeber. Das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) legt fest, welche Aufgaben, Rechte und Pflichten der Betriebsrat in einem Unternehmen hat.

Die Hauptaufgabe dieses Gremiums besteht darin, die Interessen des Arbeitnehmers zu vertreten und seine Rechte zu schützen. In einem Unternehmen ohne Betriebsrat kann der Arbeitgeber nach seinem eigenen Ermessen handeln und ohne Rücksicht auf die Interessen anderer Entscheidungen treffen. Der Betriebsrat stellt sicher, dass Gesetze, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen im Unternehmen umgesetzt und eingehalten werden.

Der Betriebsrat beschäftigt sich mit Themen rundum, Sicherung und Förderung von Arbeitsplätzen sowie eine angemessene Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Dazu zählen unter anderem:

  • Die Gestaltung der täglichen Arbeitszeiten, Pausen und Überstunden
  • Die private Internetnutzung am Arbeitsplatz
  • Das Recht auf Weiterbildung
  • Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Die Förderung von älteren, schutzbedürftigen, behinderten und ausländischen Mitarbeitern
  • Arbeitsschutz und Umweltschutz

Welche Rechte hat ein Betriebsrat im Unternehmen?

Der Betriebsrat hat besondere Rechte laut Gesetz und ist dadurch geschützt. Der Arbeitgeber muss ihn bei Entscheidungen informieren und an der Entscheidungsfindung beteiligen.

Der Betriebsrat hat Informations-, Anhörungs-, Beratungs- sowie Ablehnungsrechte und natürlich das Mitbestimmungsrecht.

Die echte Mitbestimmung durch den Betriebsrat ist die stärkste Form der Mitwirkung und erfolgt vor allem in sozialen und personellen Fragen. So kann er unter anderem bei Kündigungen Einspruch einlegen. Der Arbeitgeber kann nur dann einen Beschluss treffen und im Unternehmen umsetzen, wenn der Betriebsrat zugestimmt hat. Auch der Betriebsrat kann im Bereich sozialer Angelegenheiten proaktiv auf den Arbeitgeber zukommen und Änderungsbedarf anmelden.

Auch die anderen Beteiligungsrechte, helfen dem Betriebsrat, seine Aufgaben ordnungsgemäß ausüben zu können. Diese Beteiligungsrechte des Betriebsrats sind auf der Annahme begründet, dass zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitern Interessensgegensätze bestehen können, die durch den Betriebsrat geschlichtet werden müssen. Um dieses Gleichgewicht zu gewährleisten und zu fördern, verfügt der Betriebsrat über diese Vielzahl an Beteiligungsrechten.

Wann können Angestellte einen Betriebsrat gründen?

Die wichtigste Voraussetzung für die Gründung eines Betriebsrats ist die Anzahl der Beschäftigten, die im Unternehmen arbeiten. Laut Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) können Mitarbeitende einen Betriebsrat gründen, wenn in einem Unternehmen mindestens fünf wahlberechtigte Arbeitnehmer beschäftigt sind, von denen wiederum mindestens drei wählbar sind.

In Kleinbetrieben mit in der Regel weniger als 20 Beschäftigten gelten einige Ausnahmen. Hier kann der Betriebsrat auch nur aus einer Person bestehen.

Betriebsratswahlen finden alle vier Jahre statt, im Zeitraum 1. März bis 31. Mai. Das Amt wird nicht vergütet, es handelt sich also um ein Ehrenamt.

Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat

Die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Betriebsräten kann von wesentlicher Bedeutung für das Betriebsklima und den Unternehmenserfolg sein. Arbeitgeber sind verpflichtet, den Betriebsrat in bestimmten Angelegenheiten zu unterrichten und anzuhören. Sobald ein Betriebsrat im Unternehmen besteht, sind bestimmte Entscheidungen nur noch mit seiner Zustimmung möglich. Dies betrifft vor allem Regelungen, die für viele oder alle Beschäftigten gelten. Dies kann eine Herausforderung darstellen, wenn Arbeitgeber und Betriebsrat unterschiedliche Interessen vertreten. Dennoch ist eine konstruktive Zusammenarbeit im Sinne der Beschäftigten oft der beste Weg, um mögliche Konflikte zu vermeiden.

Wie Arbeitgeber von einem Betriebsrat profitieren

Ein funktionierender Betriebsrat ist wichtig für die Interessen der Angestellten. Betriebsräte pflegen einen guten Kontakt zu ihren Kollegen. Sie erfahren frühzeitig von Problemen, Missständen oder Fehlentwicklungen im Unternehmen. Durch den Betriebsrat erfährt der Arbeitgeber von Wünschen, Beschwerden und Befindlichkeiten der Arbeitnehmer. Auf diese Weise kann er sich stets ein Bild der Meinungen und Stimmungen machen und Maßnahmen ergreifen. Gleichzeitig kann ein Betriebsrat auch dazu beitragen, Missverständnisse zwischen den Mitarbeitern und dem Arbeitgeber zu klären, um Konflikte zu vermeiden.

Unternehmen mit Mitbestimmungsmöglichkeiten sind für Bewerber attraktiver. Von einem Betriebsrat profitiert Ihr Unternehmen also auf mehreren Ebenen.

Doch wie schaffen Sie optimale Voraussetzungen für die Zusammenarbeit? Pflegen Sie persönliche Beziehungen mit dem Betriebsrat. Nehmen Sie den Betriebsrat ernst und kommunizieren Sie regelmäßig mit ihm. Setzen Sie auf einen offenen und transparenten Austausch und seien Sie vor allem auch kritikfähig.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

 

 

Maria Romanska

***

Maria Romanska arbeitet als freie Journalistin und schreibt vor allem über Arbeitsrecht, Arbeitgeberpflichten sowie kleine und mittelständische Unternehmen.

DWN
Politik
Politik Trump verdient Milliarden im Amt: Wie das Präsidentenamt zur Geldquelle wird
10.01.2026

Das Weiße Haus ist traditionell mit politischer Macht verbunden, nicht mit privater Vermögensmehrung. Doch in welchem Ausmaß wird das...

DWN
Politik
Politik Emissionshandel: CO2-Zertifikate bringen Deutschland 21,4 Milliarden Euro ein
10.01.2026

Mit CO2-Zertifikaten kaufen Unternehmen die Erlaubnis, Treibhausgase auszustoßen. Damit finanziert werden Klimaschutz und Energiewende....

DWN
Finanzen
Finanzen Nachhaltigkeitsfinanzierung: Wie grüne Kriterien die Finanzwelt grundlegend verändern
10.01.2026

Wer heute Geld von einer Bank möchte, muss mehr liefern als gute Zahlen. Klimadaten, Energieverbrauch und CO2-Bilanzen entscheiden...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bahnchefin Evelyn Palla: Ein schwieriger Start an der Konzernspitze
10.01.2026

Seit 100 Tagen steht Bahnchefin Palla an der Spitze der Deutschen Bahn. Große Erwartungen, harte Einschnitte und wenig spürbare...

DWN
Panorama
Panorama CES 2026 in Las Vegas: Wenn KI den Alltag übernimmt
10.01.2026

Auf der CES 2026 in Las Vegas zeigen Konzerne, wie tief Künstliche Intelligenz bereits in Geräte, Fabriken und Visionen eingreift. Doch...

DWN
Panorama
Panorama Folgen des Klimawandels: Erwärmung von Nord- und Ostsee setzt sich fort
10.01.2026

Nord- und Ostsee werden stetig wärmer: 2025 erreichte die Nordsee die höchste und die Ostsee die zweithöchste Temperatur seit Beginn der...

DWN
Panorama
Panorama Ukraine-Krieg: Tschechien will Granaten-Initiative für Ukraine weiterführen
10.01.2026

Mehr als vier Millionen Schuss Munition hat Kiew durch eine Prager Initiative erhalten. Überraschend will der neue Regierungschef Andrej...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Edeka-Händler Feneberg insolvent: 3.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
09.01.2026

Die Feneberg-Insolvenz trifft den Lebensmitteleinzelhandel im Süden unerwartet hart. Trotz geöffneter Märkte und gesicherter Löhne...