Finanzen

Aktienmärkte mit Zwischenkorrektur - Edelmetalle haussieren weiter

Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen beendeten die wichtigsten Weltbörsen die vergangene Woche mit leichten Abschlägen. Erdöl und vor allem Edelmetalle profitieren von dieser Situation. Indessen bleiben die deutschen Börsen auch in dieser Woche volatil. Nach einem starken Start in diese Handelswoche gönnte sich der deutsche Aktienindex am Dienstag eine Verschnaufpause. Ist die Rekordjagd vorerst vorbei? Und welche Rolle spielt dabei die Geopolitik?
09.04.2024 18:10
Lesezeit: 4 min
Aktienmärkte mit Zwischenkorrektur - Edelmetalle haussieren weiter
Stärkere Wirtschaftsdaten bremsten die US-Aktienrallye - und belasteten auch das europäische Börsenbarometer EuroStoxx 50 sowie den deutschen DAX (Foto: dpa). Foto: Arne Dedert

Stärkere Wirtschaftsdaten haben der US-Aktienrallye in der vergangenen Woche etwas den Wind aus den Segeln genommen. Der S&P 500 strauchelte nach seinem größten Anstieg im ersten Quartal seit fünf Jahren und zog damit auch andere, wie das europäische Börsenbarometer EuroStoxx 50 oder den deutschen DAX, ins Minus. Zwar könnten die Äußerungen des Chefs der Minneapolis-Fed Neill Kashkari dabei eine Rolle gespielt haben, der überraschend restriktiv klingend darauf hinwies, dass in diesem Jahr durchaus keinerlei Zinssenkungen nötig sein könnten, sollte die Inflationsbekämpfung ins Stocken geraten. Unmittelbar danach fallende Anleiherenditen deuten jedoch daraufhin, dass die Märkte diese Ansicht nicht allzu ernst nahmen.

Weltpolitik bewegt die Märkte

Die entscheidende Rolle dürfte vielmehr die Geopolitik gespielt haben. So stürzten die Aktien am vergangenen Donnerstag just dann ab, als der Ölpreis die Marke von 90 Dollar (Sorte Brent) nach oben durchbrach. Dies geschah, als der Inhalt des jüngsten Gesprächs zwischen US-Präsident Biden und dem israelischen Premierminister Netanjahu veröffentlicht wurde, in welchem der israelische Regierungschef unmissverständlich Härte gegen Erzfeind Iran ankündigte. Nach dem Tod von sieben Mitarbeitern von Hilfsorganisationen in Gaza, darunter drei Briten, wächst der Druck auf Netanjahu zusätzlich, was die Lage in der Region weiter destabilisiert. Die Stärke des Edelmetallsektors ist auch mit der Suche der Anleger nach dem „sicheren Hafen“ zu begründen, weder Dollarstärke noch der weiter schwächelnde Anleihemarkt vermögen Gold und Silber derzeit zu bremsen.

Edelmetalle im Höhenflug

Zum Wochenbeginn schlossen Gold und Silber nahtlos an die Entwicklung der Vorwoche an und setzten ihre Höhenflüge fort. Dabei stieg der Gold-Futures an der New Yorker Terminbörse Comex auf einen neuen Rekordstand von 2.372,50 Dollar an, die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten gleichen die sinkenden Zinssenkungshoffnungen derzeit mehr als aus. Die Korrelation von Gold mit den realen Zinssätzen und auch mit dem US-Dollar hat in letzter Zeit deutlich abgenommen, was darauf hindeutet, dass der Aufwärtstrend von Gold auf die angespannte geopolitische Situation zurückzuführen ist. Die zunehmende Jagd der Spekulanten nach dem sich hier verstärkenden Momentum trägt ihr übriges zur Entwicklung bei. Im bisherigen Jahresverlauf legte das Edelmetall um knapp 14,5 Prozent zu.

Außerdem bleiben dem Goldpreis zusätzlich zu jenem derzeit die Preisentwicklung dominierenden Thema auch die „üblichen Verdächtigen“ erhalten. So stehen die Zentralbanken der Welt weiterhin stabil auf der Käuferseite, allen voran Rohstoffsupermacht China. Den jüngsten Daten des World Gold Council nach stockte das Land seine Goldreserven nun schon den 17. Monat in Folge auf. Offizielle Angaben beziffern den Goldvorrat Chinas auf mittlerweile 72,74 Millionen Feinunzen – und nicht wenige spekulieren, das China weit mehr kauft, als es offiziell meldet.

Darüber hinaus reagieren die Marktteilnehmer auf die jüngsten Daten aus den USA. Der dortige Arbeitsmarkt ist nach wie vor „heiß“: 303.000 neu eingestellte Arbeitskräfte wies der wie immer vielbeachtete Non-Farm-Payrolls-Report des US-Arbeitsministeriums für den Monat März aus, was sowohl deutlich über den Erwartungen als auch oberhalb des Vormonatswertes lag. Damit kommt mit sich eintrübenden Aussichten auf eine zügige Senkung der Verbraucherpreise ein weiterer Faktor hinzu, der zur Rally im Edelmetallsektor beiträgt. Vor allem, da die US-Notenbank auch trotz des guten Arbeitsmarktberichts immer noch beschließen könnte, die Zinssätze von ihrem 24-Jahreshoch zurückzufahren, was wiederum zu einer noch höheren Inflation führen könnte.

Für Silber, dem kleinen, aber erheblich volatileren, Bruder des gelben Metalls deutet sich mit dem Kursanstieg der vergangenen Woche eine erhebliches Potenzial an. Während Gold von Allzeithoch zu Allzeithoch eilt, ist bei Silber noch viel Luft nach oben, bis auch dort „uncharted Territory“ erreicht ist. Aus der jüngeren Vergangenheit liegen hier die nächsten Widerstände im Bereich von rund 30 Dollar, dort scheiterte die fulminante Rally des Jahres 2020. Zu den Inflationsabsichernden Eigenschaften, über die auch Silber verfügt, kommen seit langem bestehende Versorgungsengpässe hinzu. Bei einem historisch unterbewerteten monetären Metall, welches sowohl für die grüne Revolution als auch für den Wiederaufbau des verarbeitenden Gewerbes in den entwickelten Volkswirtschaften immer wichtiger wird, ergibt sich daraus eine sehr potente Mischung. Seit seinem Jahrestief am 14. Februar legte Silber bereits um mehr als 28 Prozent zu, und die aus technischer Sicht sehr interessante Entwicklung der vergangenen Woche dürfte weitere Käufe nach sich ziehen.

Auch Erdöl spiegelt Nahost-Konflikt wider

Mit beinahe 92 Dollar pro Fass erreichte Erdöl (Sorte Brent) zum Schluss der vergangenen Woche den höchsten Stand seit Ende Oktober des letzten Jahres, auch hier trieb das Risiko eines größeren Konflikts im Nahen Osten die Preise in die Höhe. Wie ein staatlicher ägyptischer Fernsehsender am Sonntag berichtete, machten die in Kairo geführten Gespräche über einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas zwar Fortschritte, wodurch sich die geopolitischen Spannungen etwas abschwächten. Jedoch bleiben die Ölpreise insgesamt hoch, zusammen mit dem weltweit knapperen Angebot gibt es derzeit keinen unmittelbaren Katalysator für deutlich sinkende Preise. Ihr Augenmerk werden die Marktteilnehmer auf die bevorstehenden monatlichen Berichte der wichtigsten Energieagenturen richten, darunter neue Prognosen für Angebot und Nachfrage, die Aufschluss darüber geben könnten, inwieweit die jüngsten Preissteigerungen gerechtfertigt sind. Die monatlichen Berichte werden sich wahrscheinlich auf die Nachfrageseite konzentrieren, wo die Prognosen üblicherweise am stärksten divergieren. Die OPEC ist nach wie vor optimistischer als die Internationale Energieagentur, die jedoch ihre Nachfrageprognose vor einem Monat nach oben korrigiert hat. Eine weitere Aufwärtskorrektur würde die Ölpreise im Nachhinein grundlegend unterstützen.

Zinsentwicklung weiter im Fokus

Ein deutlich über den Erwartungen liegender US-Arbeitsmarktbericht am Freitag, der auf solide Daten aus dem verarbeitenden Gewerbe zum Wochenbeginn folgte, veranlasste die Anleger, ihre Wetten auf eine Zinssenkung durch die Fed im Juni zu reduzieren. Die Marktpreise am Montag zeigten, dass die Händler eine Wahrscheinlichkeit von etwa 48 Prozent für eine Zinssenkung im Juni sehen, während diese vor einer Woche noch bei 59 Prozent lag. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen noch länger hoch bleiben, ließ die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen am Montag mit 4,45 Prozent auf den höchsten Stand seit Ende November steigen.

In der laufenden Woche konzentrieren sich die Anleger auf den Bericht über den US-Verbraucherpreisindex (CPI) am Mittwoch, aus dem hervorgehen dürfte, dass sich die Kerninflation, bei der die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden, im Monatsvergleich von 0,4 Prozent auf 0,3 Prozent verringert hat. Sollten die Inflationsdaten in den nächsten zwei Monaten einen Abwärtstrend zeigen, könnte die Fed immer noch für eine Zinssenkung im Juni offen sein. Die Europäische Zentralbank legt am Donnerstag die Zinssätze fest, wobei die Anleger auf ein grünes Licht der Beamten hoffen, dass die Zinssenkungen im Juni beginnen werden, nachdem sich die Inflation im März stärker als erwartet auf 2,4 Prozent verlangsamt hat.

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Markus Grüne

                                                                            ***

Markus Grüne (49) ist langjähriger professioneller Börsenhändler in den Bereichen Aktien, Derivate und Rohstoffe. Seit 2019 arbeitet er als freier Finanzmarkt-Journalist, wobei er unter anderem eigene Börsenbriefe und Marktanalysen mit Fokus auf Rohstoffe publiziert. 

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