Finanzen

Japanischer Yen mit sprunghafter Aufwertung - hat die Notenbank ihre Finger im Spiel?

Japans Zentralbank scheint am Devisenmarkt Käufe zur Stützung der strauchelnden Yen durchgeführt zu haben. Die japanische Zinswende ist nicht nachhaltig.
29.04.2024 11:14
Aktualisiert: 29.04.2024 13:44
Lesezeit: 2 min
Japanischer Yen mit sprunghafter Aufwertung - hat die Notenbank ihre Finger im Spiel?
Japans Notenbank kämpft mit den Lastern der Vergangenheit - der Yen ist am Devisenmarkt stark unter Druck. (Foto: dpa) Foto: Rodrigo Reyes Marin

Die japanische Notenbank hat mutmaßlich Interventionen am Devisenmarkt vorgenommen, um den schwächelnden Yen zu stützen. Der Yen zog am Montag kräftig an. Im Gegenzug verlor der US-Dollar auf bis zu 155,01 Yen, nachdem er zuvor im Tagesverlauf in der Spitze noch bei um die 160,245 Yen gelegen hatte. Aktuell notiert die japanische Währung bei 156,1 Dollar.

„Die Bewegung weist alle Merkmale einer tatsächlichen Intervention der Bank of Japan auf, und es gibt keinen besseren Zeitpunkt dafür als einen japanischen Feiertag“, kommentierte Tony Sycamore, Marktanalyst beim Finanzhaus IG in Sydney, und verwies dabei auf den heutigen Feiertag am Montag. An einem solchen Tag sei die Liquidität am Markt geringer, sagte Sycamore. Die japanische Notenbank könne mit ihren Stützungskäufen also mehr ausrichten.

Japan hatte Mitte März einen historischen Schritt vollzogen und die ultralockere Geldpolitik beendet. Im Zuge dessen wurde der Leitzins erstmals seit 2007 erhöht und das Ankaufprogramm für Staatsanleihen reduziert. Stützungskäufe des Yen widersprechen zwar ein wenig der geldpolitischen Wende, aber diese fokussiert sich vorerst auf die Zinsen und die japanische Zentralbank hat sich ohnehin viel Flexibilität vorbehalten.

Eine offizielle Bestätigung für die Interventionen gab es zunächst nicht. Japans oberster Währungsdiplomat Masato Kanda lehnte eine Stellungnahme ab. „Ich werde mich jetzt nicht dazu äußern“, sagte er zu Journalisten. Vom Finanzministerium war zunächst keine Auskunft erhältlich. Banken-Insidern zufolge verkauften auch japanische Geldhäuser die US-Währung zugunsten des Yen.

Weitere Währungs-Intervention dürften folgen

„Obwohl es noch nicht offiziell ist, gibt es starke Hinweise darauf, dass Japan heute Morgen am Devisenmarkt interveniert hat“, kommentierte Francesco Pesole, Devisenexperte vom Bankhaus ING die Kursentwicklung.

Manche Experten erwarten nun weitere Maßnahmen. „Wenn der heutige Schritt eine Intervention der Behörden darstellt, dann ist es unwahrscheinlich, dass es ein einmaliger Schritt ist“, sagte Nicholas Chia, Konjunktur-Stratege für Asien bei der Bank Standard Chartered in Singapur. Seit Wochen warten Händler bereits auf Anzeichen für Stützungskäufe der Behörden. Der Kurs des Yen zum Dollar ist in diesem Jahr bereits um elf Prozent gesunken. Zeitweise fiel die japanische Währung dabei zum Dollar auf den tiefsten Stand seit 34 Jahren.

Japans Notenbank-Chef Kazuo Ueda sagte nach der Zinssitzung vergangene Woche, dass die Geldpolitik nicht direkt auf die Wechselkurse abziele, obgleich Wechselkursschwankungen erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben könnten. Die Währungshüter hatten zwar im vergangenen Monat einen historischen Ausstieg aus ihrer aggressiven Negativzinspolitik gewagt und erstmals seit 17 Jahren die Zinsen erhöht. Damit vollzog die Bank of Japan als letzte große Zentralbank weltweit die Zinswende nach oben, während die US-Notenbank Federal Reserve und auch die Europäische Zentralbank (EZB) nach zahlreichen Zinserhöhungen bereits wieder eine erste Zinssenkung ins Auge fassen.

Japanischer Yen auf Talfahrt

Zuletzt intervenierte Japan Im Herbst 2022 drei Mal am Devisenmarkt, um seine Landeswährung zu stützen. Damals war der Yen zum Dollar auf 152 Yen abgerutscht, was zu dem Zeitpunkt ein 32-Jahres-Tief war. Schätzungen zufolge hatten die Behörden für die Stützungsschritte umgerechnet rund 60,78 Milliarden Dollar aufgewendet. Der Yen verliert bereits seit mehr als drei Jahren kontinuierlich an Wert. Inzwischen hat er seit Anfang 2021 gegenüber dem Dollar um mehr als ein Drittel abgewertet.

Japan ist mit 250 Prozent des Wirtschaftsleistung verschuldet. Die Märkte sind deshalb ziemlich skeptisch, was die Nachhaltigkeit der japanischen Zinswende angeht. Neben der enormen Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen ist das der Hauptfaktor für die Schwäche des Yen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Italiens Ex-Ministerpräsident Letta im Interview: Einmalige Chance für Europa zur Reform des Binnenmarkts
10.05.2026

Europas Wettbewerbsfähigkeit gerät unter Druck, während sich das politische Kräfteverhältnis in der EU verschiebt. Kann der Kontinent...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Quantencomputing an der Börse: Was Anleger jetzt wissen sollten
10.05.2026

Quantencomputing wird für Anleger zunehmend greifbar, da technische Fortschritte und neue Börsengänge den Markt in eine neue Phase...

DWN
Politik
Politik Wie denken Jugendliche über Deutschland? Jugendstudien geben ernüchternde Antworten
10.05.2026

Psychische Belastungen sind bei jungen Deutschen auf Höchststand. Jugendliche sind zunehmend besorgt über ihre eigene Zukunft. Immer mehr...

DWN
Immobilien
Immobilien Mieten 101: Wie Sie Ihre Traumwohnung kriegen - trotz eines angespannten Immobilienmarktes
10.05.2026

Jeder kennt Horrorgeschichten von Wohnungsbesichtigungen mit 50 Bewerbern auf ebenso vielen Quadratmetern. Wie Sie als Bewerber aus der...

DWN
Panorama
Panorama Futuristische Kabinen auf alten Gleisen: Neues öffentliches Verkehrssystem mit autonomen Fahrzeugen?
10.05.2026

Stillgelegte Bahnstrecken könnten für den öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum wieder an Bedeutung gewinnen. Kann Monocab OWL...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Box, die Distanzen schrumpfen ließ: 60 Jahre Logistik-Wunder
10.05.2026

Sie sehen aus wie bunte Bauklötze aus Stahl und passen nahtlos auf Schiffe, Züge sowie Lastwagen: Container. Als am 5. Mai 1966 das erste...

DWN
Panorama
Panorama Klimafreundlicher Straßenbau: Kälterer Asphalt soll CO2-Ausstoß senken
10.05.2026

Klimafreundlicher Asphalt wird für die Baubranche zunehmend zum Prüfstein zwischen Kosten, CO2-Reduktion und technischer...

DWN
Technologie
Technologie Antropic: Gefürchtetes KI-Modell erschüttert Banken und Regierungen
10.05.2026

Anthropic will den Zugang zu Mythos ausweiten, obwohl das Weiße Haus Sicherheitsbedenken anmeldet. Das KI-Modell soll unbekannte...