Politik

Absturz des Präsidentenhubschraubers im Iran: „Alle Insassen sind tot“

Ein Hubschrauber mit Irans Präsident Raisi und Außenminister Amirabdollahian ist abgestürzt. Die Insassen sind tot. Es wirft Fragen zur Stabilität im Iran auf.
19.05.2024 16:34
Aktualisiert: 19.05.2024 16:34
Lesezeit: 3 min
Absturz des Präsidentenhubschraubers im Iran: „Alle Insassen sind tot“
Rettungsteams und Menschen in der Nähe des Unglücksortes des Hubschraubers mit dem iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi in Varzaghan im Nordwesten des Iran (Quelle: picture alliance/dpa/Moj News Agency). Foto: Azin Haghighi

Der iranische Regierungschef Ebrahim Raisi und sein Außenminister Hossein Amirabdollahian sind nach dem Absturz ihres Hubschraubers am Sonntag ums Leben gekommen. Das berichten die staatlichen Nachrichtenagenturen im Iran. Das Wrack der Maschine wurde am Montagmorgen gefunden. Zuvor hatte der iranische Rote Halbmond angegeben, dass keine Lebenszeichen von den Insassen gefunden wurden, wie Irans Staatsfernsehen berichtete.

Der Absturz ereignete sich laut iranischen Medien in der Provinz Ost-Aserbaidschan an der Grenze zur Republik Aserbaidschan. Der Hubschrauber war bei schlechtem Wetter unterwegs, und alle neun Insassen kamen dabei ums Leben. Die Gründe des Vorfalls sind bisher unklar.

Eine türkische Drohne hatte zuvor eine Wärmequelle ausgemacht, bei der es sich um das Wrack des Hubschraubers handeln soll. Die Koordinaten der möglichen Absturzstelle seien den iranischen Behörden übermittelt worden, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu über den Kurznachrichtendienst X. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna meldete, dass es sich um einen in den USA hergestellten Hubschrauber vom Typ Bell 212 handelte.

Schlechtes Wetter erschwerte Rettungseinsatz

Rettungskräfte hatten in den letzten Stunden Schwierigkeiten, den Ort des Absturzes zu finden und zu erreichen, da dichte Nebel und Regen die Sicht und die Landung weiterer Hubschrauber erschwerten. Innenminister Ahmad Vahidi erklärte am Sonntag im Staatsfernsehen, dass verschiedene Rettungsteams auf dem Weg zur Unfallstelle seien, jedoch aufgrund des schlechten Wetters möglicherweise einige Zeit benötigen würden.

In den sozialen Medien kursierten zahlreiche Spekulationen über den Zustand von Raisi und den anderen Insassen des Hubschraubers. Die iranischen Behörden haben nun bestätigt, dass alle Insassen des Hubschraubers ums Leben gekommen sind.

Hintergrund der Reise

Raisi und sein Außenminister waren unterwegs zur Einweihung des Damms von Qiz Qalasi, einem gemeinsamen Projekt mit der Republik Aserbaidschan. Diese Reise fand trotz der angespannten Beziehungen zwischen den beiden Staaten statt. Zuletzt waren die diplomatischen Beziehungen durch einen Angriff auf die aserbaidschanische Botschaft in Teheran und die engen Beziehungen Aserbaidschans zu Israel belastet worden.

Politische Konsequenzen und Reaktionen

Der Absturz des Hubschraubers hat weitreichende politische Konsequenzen, besonders da Präsident Raisi und andere hochrangige Beamte ums Leben gekommen sind. Die Regierung hatte am Sonntag zu Gebeten für die Verstorbenen aufgerufen und Bilder von betenden Gläubigen im Imam-Reza-Schrein in Mashhad gezeigt, einem der heiligsten Orte des schiitischen Islams. Der Oberste Führer im Iran, Ali Chamenei, versicherte während einer Rede der Bevölkerung, dass es keine Unterbrechung der Regierungsgeschäfte geben werde, und rief zur Ruhe auf.

EU unterstützte die Suchaktionen

Die Europäische Kommission hatte nach Bekanntwerden des Absturzes ihren „Copernicus Emergency Management Service“ (Copernicus-Katastrophen- und Krisenmanagementdienst) aktiviert, um Such- und Rettungsoperationen im Iran zu unterstützen. Dies geschah auf Anfrage Irans. Die Copernicus-Kerndienste stellen Kartierungsprodukte auf Basis von Satellitenbildern zur Verfügung, um die Rettungskräfte vor Ort zu unterstützen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, haben erklärt, dass die EU-Mitgliedstaaten und ihre Partner die Situation genau beobachten und bereit sind, weitere Unterstützung zu leisten. Auch andere Länder wie Aserbaidschan, Russland, der Irak und Saudi-Arabien hatten technische Unterstützung angeboten.

Gleichzeitig äußerte die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann scharfe Kritik an der EU-Kommission auf X: „Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie die EU-Kommission Solidarität mit dem Iran zeigen kann.“ Strack-Zimmermann fordert eine klare Stellungnahme der EU: „Was für eine Verhöhnung der mutigen Kämpfer für Menschenrechte im Iran. Ich erwarte eine Erklärung dafür.“

Internationale und innenpolitische Implikationen

Der Tod von Präsident Raisi und anderen hochrangigen Beamten kann die politische Position und die Dynamik innerhalb der iranischen Führung erheblich beeinflussen. Raisi galt vorher als Favorit von Chamenei und wurde als möglicher Nachfolger gehandelt.

Der Vorfall kann auch Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen haben, insbesondere im Hinblick auf die laufenden Spannungen mit dem Westen, Israel und die Rolle Irans im Ukraine-Krieg.

Gesetzliche Nachfolgeregelung

Gemäß der iranischen Verfassung übernimmt im Falle des Todes oder der Absetzung des Präsidenten der erste Vizepräsident mit Zustimmung des Obersten Führers die Befugnisse und Verantwortlichkeiten des Präsidenten. Ein vorläufiger Rat, bestehend aus dem Parlamentspräsidenten, dem Justizchef und dem ersten Vizepräsidenten, übernimmt die Regierungsgeschäfte und muss sicherstellen, dass innerhalb von maximal 50 Tagen ein neuer Präsident gewählt wird. Der derzeitige Vizepräsident ist Mohammad Mochber.

Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Farhad Salmanian

Zum Autor:

Farhad Salmanian arbeitet bei den DWN als Online-Redakteur. Er widmet sich den Ressorts Politik und Wirtschaft Deutschlands sowie der EU. Er war bereits unter anderem für die Sender BBC und Radio Free Europe tätig und bringt mehrsprachige Rundfunkexpertise sowie vertiefte Kenntnisse in Analyse, Medienbeobachtung und Recherche mit.

DWN
Finanzen
Finanzen Chip-Aktien: China könnte den Markt verändern
30.07.2026

Ein weiterer neuer chinesischer KI-Akteur hat den Markt im Sturm erobert. Investoren glauben, dass er den Markt unter Druck setzen könnte,...

DWN
Politik
Politik Wahlen im Osten: AfD bleibt in Sachsen-Anhalt klar vorn – kleinere Parteien legen zu
30.07.2026

Mehrere Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt behauptet die AfD ihren deutlichen Vorsprung. Eine neue Umfrage zeigt zugleich: Auch...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Zinsen bleiben stabil: Kommt die Erhöhung im September?
30.07.2026

Die US-Zinsen bleiben vorerst unverändert, doch die Debatte über eine mögliche Erhöhung im September läuft bereits. Der KI-Boom macht...

DWN
Politik
Politik Rentenreform: Warum der Osten gegen Merz rebelliert
30.07.2026

Kaum ist der CDU-interne Streit um die Kabinettsumbildung entschärft, droht Bundeskanzler Friedrich Merz neuer Ärger. Drei ostdeutsche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation steigt nach Ende des Tankrabatts auf 2,8 Prozent
30.07.2026

Der Tankrabatt ist ausgelaufen, der Iran-Krieg hält an: Für Verbraucher in Deutschland sind das schlechte Vorzeichen. Im Juli zog die...

DWN
Finanzen
Finanzen Meta-Aktie unter Druck: Wall Street zweifelt an Zuckerbergs KI-Offensive
30.07.2026

Mark Zuckerberg setzt bei Meta weiter auf große KI-Visionen. Doch an der Börse wächst die Skepsis: Trotz ambitionierter Pläne für...

DWN
Unternehmen
Unternehmen ZF verdient wieder Geld – doch die Last bleibt
30.07.2026

ZF schreibt nach zwei Verlustjahren wieder schwarze Zahlen und bestätigt seine Jahresziele. Doch fast zehn Milliarden Euro Schulden,...

DWN
Technologie
Technologie EU startet Milliardenprojekt für sieben KI-Gigafactories
30.07.2026

Knapp 10 Milliarden Euro Fördermittel stehen bereit – wer setzt sich im Rennen um Europas KI-Zukunft durch? Die Telekom, Schwarz Digits...