Unternehmen

VARTA kappt Umsatzziel: Aktie sackt ab! Gehen die Lichter bald aus?

„Hundertprozentige Verlässlichkeit ist für VARTA die Basis jedes Handelns – ob in Produkten, Prozessen oder Beziehungen.“ Dieser Anspruch beruht auf einer über 135-jährigen Tradition aus Perfektionismus, Redlichkeit und unbedingtem Leistungswillen „Made in Germany“ – So der Firmenslogan des Batterienherstellers. Doch die Zeiten sind vorbei. Die erneute Umsatzwarnung wegen schwacher Nachfrage kam nicht überraschend für die Aktionäre.
21.06.2024 11:00
Lesezeit: 2 min

Der kriselnde Batteriekonzern Varta rechnet wegen einer mauen Nachfrage mit weniger Umsatz als erhofft. Der Erlös dürfte sich im laufenden Jahr nun bei 820 Millionen bis 870 Millionen Euro einpendeln, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend in Ellwangen mit. Bislang hatte der Vorstand mindestens 900 Millionen Euro auf dem Zettel. In den ersten neun Monaten 2023 machte Varta rund 554 Millionen Euro Umsatz, aktuellere Geschäftszahlen gibt es wegen eines Hackerangriffs seitdem nicht.

Nächste Tiefschlag für Aktionäre

An den Börsen kam das nicht gut an. Im laufenden Jahr hat Varta weit mehr als die Hälfte an Börsenwert verloren, aus Sicht von fünf Jahren liegt das Minus sogar bei gut 80 Prozent.

Das Marktumfeld für Energiespeicher habe sich weiter deutlich verschlechtert, insbesondere im zweiten Quartal des laufenden Jahres, hieß es von Varta. Neben der schwachen weltweiten Nachfrage verliere Varta auch im Heimatmarkt bei Energiespeichersystemen an Marktanteilen. Zudem belasteten verzögerte Produkteinführungen von Hochvoltspeicher die Umsatzentwicklung.

Der Batteriekonzern steckt schon länger in der Krise. Die Nachfrage nach kleinen Lithium-Ionen-Knopfzellen, etwa für Kopfhörer, schwankt stark. Zudem klagte Varta zuletzt über Billig-Konkurrenz aus China und anhaltende Probleme in den Lieferketten. Zu allem Überfluss hatten Hacker im Februar Vartas Computersysteme attackiert und die Produktion für mehrere Wochen lahmgelegt.

Mitte April hatte Varta eingestehen müssen, dass das eigene Umstrukturierungskonzept nicht mehr ausreicht, um wie geplant bis Ende 2026 auf einen profitablen Wachstumskurs zurückzukehren. Der Konzern rief seine Geldgeber erneut um Hilfe – die sollen aber erst einmal stillhalten, bis der Gutachter AuxilPartner das bestehende Sanierungsgutachten überarbeitet hat. Das neue Gutachten soll Mitte des Jahres vorliegen.

Vor rund sechs Wochen war die Varta-Aktie außerdem aus dem SDAX geflogen, denn infolge des Hackerangriffs konnte der geprüfte Jahresfinanzbericht nicht fristgerecht veröffentlicht werden. Mitte März hatte der Batteriekonzern bekannt gegeben, die Veröffentlichung aufgrund des am 13. Februar öffentlich gemachten Hackerangriffs nicht vor dem 30. April vornehmen zu können. Aktuell peilt Varta für die Veröffentlichung des Geschäftsberichts den August an.

Das ist der nächste Tiefschlag für die Aktionäre. Es scheint sich auch keine Besserung des Geschäfts einstellen zu wollen. Anleger bleiben angesichts der negativen Gemengelage auch auf dem aktuellen Kursniveau an der Seitenlinie.

Das Batterietechnologie-Unternehmen Varta aus dem schwäbischen Ellwangen an der Jagst besteht seit 137 Jahren, seit der Gründung im Jahr 1887. Anfang der 2000er Jahre kam es zu Umstrukturierungen und Geschäftsaufteilungen. Der Börsengang erfolgte am 19. Oktober 2017.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IW-Studie: Autoexporte nach China brechen ein – die Hintergründe
24.02.2026

Die China-Autoexporte geraten massiv unter Druck, während andere Industriezweige ebenfalls Marktanteile verlieren. Eine IW-Studie zeigt...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – der Betrug, den Politik und Banken gemeinsam möglich machten
24.02.2026

Zehn Milliarden Euro Schaden, tausende Beschuldigte – und bis heute keine politische Verantwortung. Der Cum-Ex-Kronzeuge und Autor Dr....

DWN
Finanzen
Finanzen Elmos Semiconductor-Aktie: Rekordhoch für SDAX-Wert nach optimistischem Ausblick – jetzt einsteigen?
24.02.2026

Die Elmos Semiconductor-Aktie sorgt nach frischen Geschäftszahlen und einem optimistischen Ausblick für Aufsehen am Aktienmarkt: Das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lucid Gravity im Überblick: Luxus-Elektro-SUV fordert deutsche Premium-Marken heraus
24.02.2026

Der Lucid Gravity ist ein elektrischer Luxus-SUV des US-Herstellers Lucid Motors, der auf große Reichweite, viel Innenraum und hohe...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verdi-Streik legt bundesweit Busse und Bahnen lahm – was noch drohen könnte
24.02.2026

Der Verdi-Streik legt erneut große Teile des öffentlichen Nahverkehrs lahm. Millionen Pendler stehen vor massiven Einschränkungen,...

DWN
Politik
Politik Risiken eines Iran-Angriffs: Trump weist Warnungen zurück
24.02.2026

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran verschärfen sich, widersprüchliche Signale aus Washington sorgen für Unsicherheit. Berichte...

DWN
Politik
Politik Verteidigungsminister Pistorius wirft Trump gefährliche Nähe zu Putin vor
24.02.2026

Vier Jahre nach Beginn des Ukraine-Krieges verschärft sich der Ton zwischen Berlin und Washington. Verteidigungsminister Boris Pistorius...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie fällt weiter: Analysten stufen ab nach Studienflop – wie geht es weiter?
24.02.2026

Die Novo Nordisk-Aktie befindet sich nach enttäuschenden Studiendaten im freien Fall. Analysten senken reihenweise ihre Kursziele, der...