Unternehmen

Wärmepumpenhersteller: Viessmann und Co. gehen in Kurzarbeit

Nach Vaillant und Stiebel Eltron hat nun auch der Wärmepumpenhersteller Viessmann Kurzarbeit angemeldet. Grund ist der anhaltende Absatzeinbruch bei Wärmepumpen. Gleichzeitig boomen Ölheizungen.
06.07.2024 12:48
Lesezeit: 3 min
Wärmepumpenhersteller: Viessmann und Co. gehen in Kurzarbeit
Viessmann kündigt Kurzarbeit an: Absatzprobleme bei Wärmepumpen zwingen den Heizungshersteller zu Maßnahmen (Foto: dpa). Foto: Nadine Weigel

Die deutschen Hersteller von Wärmepumpen kämpfen mit anhaltenden Absatzproblemen. Als Konsequenz hat der Heizungshersteller Viessmann für die Produktion am Stammsitz im nordhessischen Allendorf ab 1. Juli Kurzarbeit angekündigt. Betroffen sei laut Viessmann ein Teil der rund 4.000 Frauen und Männer, die in Allendorf in der Fertigung von Heizgeräten und Wärmepumpen arbeiten. „Die getroffene Betriebsvereinbarung bietet Planungssicherheit für ein Jahr“, so Viessmann weiter. Über die geplante Kurzarbeit am Stammsitz hatte zuerst die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) berichtet.

Die Viessmann Werke in Allendorf, die für den Geschäftsbereich Climate Solution produzieren, gehören seit Januar 2024 zum US-Konzern Carrier. Das Unternehmen ist führend in den Bereichen Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik (HVAC) sowie Kälte-, Brandschutz- und Sicherheitstechnik.

Auch Vaillant und Stiebel Eltron betroffen

Bei den Konkurrenten Vaillant in Remscheid und Stiebel Eltron in Holzminden wurde bereits Kurzarbeit eingeführt. „Der Markt ist von einer großen Verunsicherung der Verbraucher geprägt“, erklärt Markus Staudt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), der in den Anforderungen des neuen Gebäudeenergiegesetzes (GEG) einen Hauptgrund für den Nachfrageeinbruch bei Wärmepumpen sieht. Vor diesem Hintergrund werde das von der Bundesregierung ausgegebene Absatzziel von 500.000 Wärmepumpen pro Jahr nach aktuellen Schätzungen maximal 200.000 erreichen, so der BDH weiter.

Kurzarbeit direkte Folge des Ölheizungsbooms

Ölheizungen erleben dagegen einen Boom. Im ersten Quartal 2024 wurden 27.500 Ölheizungen verkauft, ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark war der Anstieg bei Öl-Brennwertgeräten, die um 33 Prozent auf 27.000 Stück zulegten. Das geht aus den aktuellen Zahlen des BDH hervor, die die Entwicklungen im Heizungsmarkt detailliert dokumentieren. Auch der Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF) bestätigt diesen Trend in seinen jüngst erhobenen Marktzahlen.

Rückgang auch bei anderen Wärmeerzeugern

Die anhaltend hohe Nachfrage nach Ölheizungen wirkt sich auch negativ auf andere Technologien im Wärmemarkt aus. So ging laut BDH der Absatz von Gas-Brennwertgeräten im ersten Quartal dieses Jahres um 18 Prozent auf 120.500 Stück zurück, während die Gas-Niedertemperaturtechnik nur einen moderaten Rückgang von 8 Prozent auf 19.500 Stück verzeichnete. Biomasseheizungen verzeichneten einen Rückgang von 81 Prozent, wobei Pelletheizungen mit einem Minus von 86 Prozent und nur noch 1.500 verkauften Geräten besonders betroffen waren.

Die sinkende Nachfrage nach Wärmeerzeugern sowie eine weiterhin geringe Neubautätigkeit wirkten sich auch auf den Absatz von Systemkomponenten aus. Fußbodenheizungen und Heizkörper, Speicher, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung bis hin zu Abgassystemen verzeichneten nach Erhebungen des Bundesverbands Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF) eine durchweg negative Marktentwicklung mit einem Minus von bis zu 56 Prozent.

Besonders gravierend sind die Auswirkungen auf die Marktentwicklung der Solarthermie mit einem Minus von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr im ersten Quartal 2024. Die langwierige und öffentliche politische Debatte um das sogenannte Heizungsgesetz habe bei den Menschen Vertrauen verloren gehen lassen. „Ohne konkrete Faktenlage wurden bis zur Verabschiedung des GEG am 8. September 2023 Bauanträge storniert, Bauvorhaben verschoben und notwendige Sanierungen auf Eis gelegt“, so der BDH in einer Mitteilung.

Warum sich Menschen für Ölheizungen und gegen Wärmepumpen entscheiden

Eine repräsentative Umfrage des britischen Cleantech-Unternehmens Octopus Energy und des Berliner Marktforschungsinstituts Civey hat ergeben, dass sowohl die Anschaffungs- als auch die Betriebskosten von Wärmepumpen häufig falsch eingeschätzt werden. Ein Drittel der Hausbesitzer in Deutschland glaubt, für eine neue Wärmepumpe im Einfamilienhaus mehr als 30.000 Euro zahlen zu müssen, obwohl die Preise nach Förderung deutlich darunter liegen. Auch bei den Betriebskosten gehen die Einschätzungen auseinander: Knapp die Hälfte der Befragten ist überzeugt, dass eine Wärmepumpe im Betrieb teurer ist als eine Gasheizung.

Zudem zeigt die Umfrage, dass 59 Prozent der Befragten die hohen Anschaffungskosten als größtes Hindernis für den Einbau einer Wärmepumpe sehen. Weitere Gründe sind Unsicherheiten über die Eignung im eigenen Haus sowie die lange Übergangszeit und fehlende kommunale Wärmepläne. „Zu viele halten den Umstieg auf Wärmepumpen immer noch für ein reines Klimaschutzprojekt“, kommentiert Bastian Gierull, Geschäftsführer von Octopus Energy Deutschland. „Dabei sind sie in den meisten Fällen nicht nur die nachhaltigste, sondern auch die günstigste Art zu heizen.“

Forderungen an die Politik

Um die Marktsituation zu stabilisieren, drängen der BDH und der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) daher auf entschlossenes Handeln der Politik und fordern unter anderem die Anhebung der förderfähigen Investitionskosten für den Heizungstausch und eine Senkung der staatlichen Preisbestandteile für Wärmepumpentarife. Nur so könne die Verunsicherung abgebaut und verlorenes Vertrauen in die Heizungsmodernisierung zurückgewonnen werden, betonen die Verbände.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen DeFi-Hashing nutzt die Rechenleistung künstlicher Intelligenz, um das Vermögen der Nutzer zu mehren.

Major economies are actively promoting the establishment of a unified capital market regulatory framework and plan to strengthen the...

 

avtor1
Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Dow Jones erreicht neue Höhen, während Broadcom den Nasdaq im Minus hält
04.06.2026

Zwischen neuen Rekordhochs und überraschenden Verlusten: Entdecken Sie, was die Börsen aktuell bewegt und worauf Anleger jetzt achten...

DWN
Politik
Politik Asylleistungen in Deutschland: EuGH sieht menschenwürdigen Lebensstandard gefährdet
04.06.2026

Der Europäische Gerichtshof hält deutsche Leistungskürzungen für abgelehnte Asylbewerber für unvereinbar mit EU-Recht. Auch bei...

DWN
Politik
Politik EU-Erweiterung im Visier: Ungarn zieht Veto gegen Ukraine-Verhandlungen zurück
04.06.2026

Das Tor nach Europa öffnet sich für Kiew: Ungarn gibt unter der Führung von Polit-Aufsteiger Peter Magyar den Widerstand gegen die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EasyJet-Übernahme: Warum der Billigflieger plötzlich zum Ziel von Investoren wird
04.06.2026

EasyJet wirkt an der Börse angeschlagen, doch genau das macht den Billigflieger plötzlich begehrt. Der US-Investor Castlelake sieht...

DWN
Politik
Politik Pflegereform 2027: Pflegekassen sollen entlastet und Kinderlose stärker belasten werden
04.06.2026

Die geplante Pflegereform soll die Pflegeversicherung ab 2027 finanziell stabilisieren und Ausgaben begrenzen. Für Heimbewohner,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft "Wir sind nicht die Billigheimer der Nation": Bundesweite Verdi-Streiks im Handel gestartet
04.06.2026

Kunden im Einzel- und Großhandel müssen sich auf Einschränkungen einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat die Handelsbranche in allen...

DWN
Politik
Politik Waffenruhe wackelt: Israel droht Menschen im Libanon und Hisbollah lehnt Einigung ab
04.06.2026

Rückschlag im Libanon: Unmittelbar nach der Einigung auf die Umsetzung einer neuen Waffenruhe hat Israel Zivilisten vor der Rückkehr in...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin: Unbekannter vernichtet Vermögen im Millionenwert
04.06.2026

Ein Unbekannter schickt 107 Bitcoin an eine Adresse, von der es keinen Rückweg gibt. Knapp sieben Millionen Euro sind damit praktisch aus...