Politik

Neues Gesetz zu Spruchkammern für zivilrechtliche Wirtschaftsstreitigkeiten

Der Bundestag hat mit großer Mehrheit einem Gesetzentwurf zugestimmt, der den Ländern die Einrichtung sogenannter Commercial Courts ermöglicht. Vor diesen neuen Spruchkammern sollen bedeutende zivilrechtliche Wirtschaftsstreitigkeiten verhandelt werden können.
06.07.2024 10:31
Aktualisiert: 06.07.2024 16:05
Lesezeit: 1 min

Der Gesetzentwurf zugestimmt ermöglicht den Ländern die Einrichtung von Commercial Courts ermöglicht. Vor diesen neuen Spruchkammern können künftig zivilrechtliche Wirtschaftsstreitigkeiten verhandelt werden.

Englisch statt Deutsch vor Gericht

Außerdem wird die Möglichkeit eröffnet, auch in englischer Sprache zu verhandeln. An Commercial Courts sollen Wirtschaftszivilsachen ab einem Streitwert von 500 000 Euro erstinstanzlich geführt werden können, sofern sich die Parteien auf die Anrufung eines solchen Gerichts verständigt haben. Als Verfahrenssprache sollen die Parteien zwischen Deutsch und Englisch wählen können. Die Ampel-Fraktionen SPD, Grüne und FDP sowie die Union stimmten für den Entwurf. Die Abgeordneten der AfD votierten dagegen. Die Gruppe Die Linke enthielt sich.

Der AfD-Abgeordnete Fabian Jacobi kritisierte in der Debatte die Verwendung des Englischen und beklagte einen "Prozess der Verdrängung unserer Sprache". Clara Bünger (Linke) hielt ihm entgegen, dass international tätige deutsche Unternehmen bisher oft an Gerichte im Ausland hätten ausweichen müssen.

CDU: Kein großer Wurf

Der Unionsabgeordnete Axel Müller (CDU) sagte, es sei zwar gut, dass jetzt ein verbesserter gesetzlicher Rahmen geschaffen werden solle. Der Entwurf sei aber kein großer Wurf. Beispielsweise habe es die Ampel-Koalition versäumt, die Chance für eine Reform des AGB-Rechts (Allgemeine Geschäftsbedingungen) zu nutzen. Gleichzeitig verwies er darauf, dass Baden-Württemberg in Stuttgart und Mannheim bereits Commercial Courts eingerichtet hat. "Seit 14 Jahren arbeiten wir an dieser Initiative und jetzt ist es endlich so weit", sagte der Grünen-Rechtspolitiker und ehemalige Hamburger Justizsenator, Till Steffen.

In den parlamentarischen Beratungen zu dem Entwurf hatten die Koalitionäre noch eingefügt, dass die Zuständigkeit der Commercial Courts sich auch auf bestimmte Rechtsstreitigkeiten innerhalb von Unternehmen erstrecken soll. Gegen die erstinstanzlichen Entscheidungen der Commercial Courts soll eine Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) möglich sein. Auch dort soll, wenn der zuständige Senat beim BGH einverstanden ist, - eine Verfahrensführung in englischer Sprache möglich sein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen EU Listing Act entfesselt Europas Kapitalmärkte
24.06.2026

Europa will seine Unternehmen zurück an die Börse locken. Der EU Listing Act verspricht kürzere Prospekte, niedrigere Kosten und mehr...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Chip-Ausverkauf zieht Nasdaq-Titel nach unten
23.06.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Technologiewerte unter Druck setzen und wo Anleger jetzt noch Chancen sehen.

DWN
Politik
Politik Putin: "Nato bereitet sich auf Krieg mit uns vor"
23.06.2026

Wladimir Putin wirft der Nato offen Kriegsvorbereitungen gegen Russland vor und kritisiert die steigenden Militärausgaben im Westen. Seine...

DWN
Finanzen
Finanzen Urlaubseuro 2026: In diesen Ländern bekommen Sie am meisten Urlaub für Ihr Geld
23.06.2026

100 Euro klingen nach 100 Euro, doch im Urlaub entscheidet das Reiseziel über ihren wahren Wert. Eine neue Analyse zeigt, wo Reisende 2026...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Warum wird in deutschen Geschäften so brutal viel geklaut?
23.06.2026

Der Einzelhandel klagt über steigende Verluste durch Diebstahl. Welche Produkte besonders begehrt sind, wie sich Händler dagegen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kleinunternehmer kürzen Gehalt statt Kredit aufzunehmen
23.06.2026

Fast jeder zweite Selbstständige in Europa verzichtet auf Lohn, um unabhängig zu bleiben. Was steckt hinter dem Stolz, auf Kredite zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Minijob 2026: Rückkehr in die Rentenversicherung möglich – was zu beachten ist
23.06.2026

Wer sich als Minijobber von der Versicherungspflicht befreien ließ und bislang keinen Eigenanteil für die Rentenversicherung zahlt, kann...

DWN
Politik
Politik Rentenreform trifft fast alle Deutschen
23.06.2026

Die Rentenkommission hat 33 Empfehlungen erarbeitet – und die Regierung will das Konzept vollständig umsetzen. Was kommt damit auf die...