Immobilien

Bahnhof kaufen: Alternatives Wohnen mit Bahnanschluss

Privatbahnhöfe: Wie sie vor Verfall gerettet werden können - und wie private Investoren die identitätsstiftenden Backsteinbauten gerettet haben.
01.02.2025 06:01
Lesezeit: 2 min
Bahnhof kaufen: Alternatives Wohnen mit Bahnanschluss
Der Berliner Taxifahrer Michael Böhmke arbeitet vor "seinem" Bahnhof. Vor einigen Jahren hat Böhmke das Bahnhofsgebäude an der Bahnstrecke von Ludwigslust nach Schwerin bei Ebay ersteigert. Nach und nach will er das Gebäude nun ausbauen und renovieren. (Foto: dpa) Foto: Jens Büttner

Über die meisten der fast 2.900 Bahnhofshallen in Deutschland hat die Deutsche Bahn keine Kontrolle mehr. Nachdem der bundeseigene Konzern in den 2000er und 2010er Jahren viele Empfangsgebäude verkauft hat, gehört ihm inzwischen nicht einmal mehr ein Viertel der Immobilien, wie eine Auswertung des Interessenverbands Allianz pro Schiene zeigt. Etwas mehr als ein Fünftel sind demnach in kommunalem Besitz, mehr als die Hälfte gehört privaten Eigentümern. Oft werden die Gebäude dem Verfall überlassen - doch es gibt auch Initiativen, die sich dagegen stemmen.

Mehr als 80 Prozent Privatbahnhöfe in Mecklenburg-Vorpommern

Der Privatbesitz von Bahnhöfen ist insbesondere in Ostdeutschland stark verbreitet, wie die Auswertung des Verbands weiter zeigt. Spitzenreiter ist Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als 100 der insgesamt rund 130 Bahnhofsgebäude gehören demnach privaten Eigentümern - ein Anteil von mehr als 80 Prozent. In Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Brandenburg sind die Besitzverhältnisse bei den Stationen ähnlich. Ausnahme ist Berlin. Hier gehören noch nahezu sämtliche der insgesamt 100 Bahnhöfe der Deutschen Bahn beziehungsweise ihrem Eigentümer, dem Bund.

Die Bahn verkaufte die Bahnhofshallen einst Dutzendfach. Die meisten gingen in kommunale Hand über. Doch auch private Käufer schlugen zu. In manchen Fällen kauften sie Bahnhöfe in ganzen Paketen, um sie dann einzeln weiterzuverkaufen, wie die Allianz pro Schiene ermittelt hat. Der Verband kritisiert, dass es deshalb gar keinen Überblick darüber gibt, wem die Gebäude im Einzelnen gehören.

Nicht jeder Bahnhof in Deutschland hat ein Empfangsgebäude. Der Deutschen Bahn gehören eigenen Angaben bundesweit rund 5.700 Haltepunkte, die von Zügen angefahren werden.

Bahn hat Verkauf inzwischen gestoppt

Private Eigentümer bauen die Gebäude in der Regel für private oder kommerzielle Zwecke um und nicht für den klassischen Bahnbetrieb. Vielerorts werden sie dem Verfall überlassen. Eines von vielen Beispielen dafür ist der Bahnhof Malchow in Mecklenburg-Vorpommern, der seit vielen Jahren außer Betrieb ist und vor sich hin rottet.

Vor einigen Jahren hat die Bahn den Verkauf gestoppt. Nur noch knapp 700 Empfangsgebäude befinden sich in ihrem Besitz. Der Bestand soll nun im Zuge der sogenannten Generalsanierung nach und nach saniert werden - insgesamt 200 bis zum Jahr 2027. Einen Rückkauf von Bahnhöfen plant der Konzern eigenen Angaben zufolge aber nicht.

Die Allianz pro Schiene fordert deshalb Anreize für private und kommunale Eigentümer, die Bahnhöfe für den Schienenverkehr zu erhalten oder wieder fit zu machen. "Zur Verkehrswende gehört, dass wir Bahnhöfe für mehr Zugreisende ertüchtigen", teilt Verbandsgeschäftsführer Dirk Flege mit. "Das bedeutet auch attraktive Empfangsgebäude, die den Bedürfnissen der Reisenden gerecht werden." Es brauche finanzielle und organisatorische Unterstützung, um entsprechende Nutzungskonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Hier sei insbesondere der Bund in der Pflicht.

Regionale Initiativen wollen Eigentümer unterstützen

Initiativen dafür gibt es derzeit vor allem auf regionaler Ebene - etwa vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Mit der "Kompetenzstelle Bahnhof" hat dieser ein Portal geschaffen, auf dem interessierte Eigentümer Kontakte und Unterstützung bei der Weiterentwicklung der Gebäude auch im Sinne des Schienenverkehrs finden. Ein knappes Dutzend Brandenburger Best-Practice-Beispiele auf dem Portal zeigen, wie es gehen kann.

In Nordrhein-Westfalen dient die sogenannte Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft als Ansprechpartner für interessierte Eigentümer. Das dortige Modell habe "zahllose hervorragende Beispiele städtebaulicher und verkehrlicher Attraktivierung hervorgebracht, die als wesentliche Bausteine einer gelingenden Verkehrswende gelten dürfen", heißt es dort. Solche Initiativen müssten dringend gestärkt und unterstützt werden, fordert die Allianz pro Schiene.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

DWN
Politik
Politik Mehrheit fordert Rücktritt von Kanzler Merz
22.09.2026

Mehr als die Hälfte der Befragten spricht sich für einen Rücktritt des Kanzlers aus. Unter den Anhängern einer Partei ist der Anteil...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Planet Labs: Berlin bekommt eine neue Satellitenfabrik
22.09.2026

In der Hauptstadt soll ein neuer Produktionsstandort für Satelliten entstehen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in den USA, will aber...

DWN
Politik
Politik Ehemaliger Topberater des Weißen Hauses: Trump gibt Tech-Milliardären beängstigend viel Macht
22.09.2026

Künstliche Intelligenz könnte die Welt ähnlich tiefgreifend verändern wie einst das Manhattan-Projekt. Doch diesmal liegt die...

DWN
Finanzen
Finanzen Heizkosten steigen 2026: So teuer wird das Heizen
22.09.2026

Für viele Haushalte wird das Heizen 2026 teurer – besonders bei Öl und Holzpellets. Eine neue Prognose zeigt, welche Heizarten stärker...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs springt über 85.000 Dollar. Was hat die Erholung ausgelöst?
22.09.2026

Der Bitcoin-Kurs ist wieder deutlich gestiegen und kletterte über 85.000 Dollar. Bemerkenswert ist der Rebound, da kurz zuvor zwei...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenz: So schützen Unternehmer ihr Privatvermögen
22.09.2026

Gerät die Firma ins Wanken, kann es schnell um mehr gehen als das Unternehmen. Plötzlich stehen auch Haus, Depot und Ersparnisse auf dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes-Benz-Aktie: Arbeitszeit in der Diskussion – Konzern setzt deutsche Werke unter Druck
22.09.2026

Mercedes hält seine deutschen Werke für zu teuer und fordert mehr Arbeit für das gleiche Geld. Um den Druck zu erhöhen, legt der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quereinstieg wird zum Karrieremodell: Wo Quereinsteiger gefragt sind
22.09.2026

Ein neuer Job, ein anderer Berufsweg, neue Perspektiven: Für immer mehr Menschen in Deutschland ist der Quereinstieg eine attraktive...