Panorama

Abzocke MPU-Vorbereitung: Warnung vor unseriösen Anbietern

Vorbereitungskurse für die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) boomen – doch viele Anbieter locken mit zweifelhaften Versprechungen. Experten warnen vor Abzocke: 100-Prozent-Garantien und fragwürdige Methoden sind an der Tagesordnung. Dabei sind nicht alle Kurse notwendig, um die MPU erfolgreich zu bestehen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Anbieter seriös sind und wie Sie sich vor falschen Versprechungen schützen können.
29.01.2025 11:53
Aktualisiert: 29.01.2025 11:53
Lesezeit: 3 min

Vorbereitungskurse für die medizinisch-psychologische Untersuchung können ohne jegliche Qualifikation angeboten werden. Auch in anderen Bereichen müssen Anbieter keine Fachkenntnisse nachweisen.

Abzocke bei Vorbereitungskursen für Fahreignungstests oder Zahlungen an Hinterbliebene von Verkehrsunfällen – über diese und weitere Themen wird in den kommenden Tagen beim Verkehrsgerichtstag in Goslar diskutiert. Zahlreiche Experten fordern klare Regeln für Vorbereitungskurse zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU). Es gebe ein „breites Spektrum unseriöser und inkompetenter Anbieter mit 100-Prozent-Garantien und fragwürdigen Methoden“, kritisiert der Auto Club Europa (ACE).

Der Verein fordert eine Zertifizierung der Kursanbieter. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) plädiert zudem für eine Beratungspflicht. Die Kurse selbst seien jedoch nicht verpflichtend. „Es muss möglich sein, die MPU auch ohne Kurs zu bestehen“, betont Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallprävention bei der Björn Steiger Stiftung.

Verkehrspsychologin: Kurse nicht immer sinnvoll

Generell seien Vorbereitungskurse für eine MPU eine sinnvolle Sache – sowohl für die Betroffenen als auch für die Verkehrssicherheit, betont Yvonne Muffert von der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie. Denn: „Für viele Menschen ist es schwer, sich allein mit eigenen Fehlern auseinanderzusetzen.“

Es gebe jedoch auch Menschen, die es schaffen, sich allein oder mit Unterstützung von Freunden und Familie auf eine MPU vorzubereiten, sagt Verkehrspsychologin Muffert. Bei Menschen mit Abhängigkeit oder Missbrauchsproblemen sei hingegen meist eine richtige Therapie erforderlich. Seriöse Anbieter von Vorbereitungskursen würden in der Regel zunächst ein Kennenlerngespräch führen, um dies zu klären.

Wann man zur MPU muss

Zur Erinnerung: Eine MPU müssen Autofahrer und Autofahrerinnen ablegen, wenn ihnen die Fahrerlaubnis entzogen wurde. Dies passiert etwa bei acht Strafpunkten in Flensburg oder nach Drogenkonsum, erklärt ADAC-Chefjurist Markus Schäpe. Laut ADAC finden jedes Jahr im Schnitt bis zu 100.000 medizinisch-psychologische Untersuchungen statt.

Nur wer die MPU besteht, erhält seinen Führerschein zurück. Die Untersuchung sei kein Test, erklärt Verkehrspsychologin Muffert. Fachleute prüfen, ob die Betroffenen ihr Verhalten nachhaltig geändert haben.

Über die Anordnung einer MPU und über bezahlbare Vorbereitungsmöglichkeiten müssten Betroffene frühzeitig informiert werden, fordert ADAC-Chefjurist Schäpe. Eine Onlineplattform wäre dazu denkbar, schlägt der ACE vor. Auch Christian Funk vom Deutschen Anwaltverein stimmt zu: Der Markt sei so groß, dass Betroffene ihn nicht vollständig überblicken könnten.

Wichtig sei, dass die Wiedererlangung der Fahrerlaubnis nicht zu kompliziert wird, warnt Unfallforscherin Kirstin Zeidler vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Ansonsten drohe, dass sich Betroffene einfach ohne Führerschein wieder hinter das Steuer setzen.

Verkehrsgerichtstag gibt Empfehlungen ab

Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar sprechen Experten ab heute auch über mehr Sicherheit für Fußgänger sowie die Cannabis-Regelungen im Verkehr. Der dreitägige Kongress zählt jedes Jahr zu den wichtigsten Treffen von Verkehrssicherheits- und Verkehrsrechtsexperten in Deutschland und endet mit Empfehlungen an den Gesetzgeber.

Neben der Qualität von MPU-Kursen debattieren die Fachleute auch über Standards für Kfz-Gutachter. Jeder, der will, könne sich derzeit „Kfz-Sachverständiger“ nennen, sagt Bernd Grüninger aus der Dekra-Geschäftsleitung. Das müsse sich ändern. Auch wegen der zunehmend komplexer und digitaler werdenden Autos brauche es ein einheitliches Berufsbild, ergänzt der Tüv Nord. Im Moment gebe es jedoch kein Problem in diesem Bereich, da ausreichend Fachkräfte vorhanden seien, heißt es vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Am Samstag trat eine neue Richtlinie des Vereins Deutscher Ingenieure in Kraft, die bundesweit einheitliche Standards für Kfz-Sachverständige und deren Gutachten vorsieht. Laut GDV wurden 2023 rund 9 Millionen Schäden für 30 Milliarden Euro reguliert.

ADAC fordert geringere Hürden für Hinterbliebenengeld

Diskutiert wird auch über das 2017 eingeführte Hinterbliebenengeld, das laut Experten meist bei rund 10.000 Euro liegt. Es wird an Ehepartner, Eltern und Kinder von Menschen gezahlt, die bei einem Autounfall ums Leben kamen. Vor Einführung des Hinterbliebenengeldes erhielten laut GDV Angehörige nur dann Zahlungen, wenn psychische Schäden nachgewiesen wurden.

Auch andere Angehörige können Geld erhalten, müssen jedoch umständlich nachweisen, dass sie dem Verstorbenen nahe standen, was der ADAC kritisiert. Diese Überprüfung sei unangemessen und müsse vereinfacht werden, fordert der Automobilclub. Auch eine höhere Summe ist im Gespräch. Mit 10.000 Euro liege Deutschland im europäischen Vergleich eher am unteren Ende, sagt ADAC-Chefjurist Markus Schäpe. Der Deutsche Anwaltverein hält den Betrag für zu niedrig. Der Automobilclub von Deutschland hingegen sieht ihn als angemessen an.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Minijob 2026: Rückkehr in die Rentenversicherung möglich – was zu beachten ist
24.06.2026

Wer sich als Minijobber von der Versicherungspflicht befreien ließ und bislang keinen Eigenanteil für die Rentenversicherung zahlt, kann...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Tech-Ausverkauf setzt sich fort, während der Ölpreis nachgibt
24.06.2026

Spannung an der Wall Street: Welche Sektoren jetzt unter Druck geraten und wo sich neue Chancen auftun.

DWN
Politik
Politik Gipfeltreffen E5: Europäer sichern Ukraine anhaltende Unterstützung zu
24.06.2026

Die Europäer wollten in Ankara ein starkes Zeichen der Unterstützung für die Ukraine setzen, sagte Kanzler Merz. Die Bundesregierung...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie crasht: Wie tief kann es noch gehen?
24.06.2026

Milliarden-Schock für Rheinmetall: Berlin stoppt das größte deutsche Kriegsschiff-Projekt seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Aktie stürzt...

DWN
Politik
Politik Bertelsmann Stiftung warnt: Abkehr von Energiewende gefährdet Jobs
24.06.2026

Eine Untersuchung sieht einen Beschäftigungsrekord bei erneuerbaren Energien. Eine energiepolitische Kursänderung der Bundesregierung...

DWN
Politik
Politik Aus für milliardenteures Rüstungsprojekt: Pistorius zieht den Stecker für Fregatte F126
24.06.2026

Erst der Flop beim deutsch-französischen Luftkampfsystem FCAS, nun das Ende für das Fregattenprojekt F126. Binnen weniger Wochen platzen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW-Aktie im Krisenmodus trotz radikalem Jobabbau
24.06.2026

Volkswagen will sparen, kürzen und umbauen, doch der Druck auf den Konzern bleibt enorm. Zehntausende Stellen fallen weg, Werke verlieren...

DWN
Politik
Politik Bundestag: Ein Drittel der Bundestagsabgeordneten hat Nebeneinkünfte
24.06.2026

Mehr als ein Drittel der Bundestagsabgeordneten hat in der laufenden Legislaturperiode meldepflichtige Nebeneinkünfte bezogen - neben...