Wirtschaft

Chinas neues Subventionsprogramm: Wie Peking Tech-Konzerne schützen und den Konsum ankurbeln will

Chinas Wirtschaft schrumpft deutlich. Ein Subventionsprogramm soll die Tech-Konzerne des Landes schützen und den Konsum ankurbeln. Doch Peking steht auch hier vor drängenden Problemen, die sich kurzfristig nicht lösen lassen werden.
15.02.2025 16:01
Aktualisiert: 15.02.2025 16:09
Lesezeit: 3 min
Chinas neues Subventionsprogramm: Wie Peking Tech-Konzerne schützen und den Konsum ankurbeln will
Chinas Wirtschaft kämpft mit Herausforderungen, aber Subventionen treiben das Wachstum voran. (Foto: iStock.com/masterSergeant) Foto: masterSergeant

Die angeschlagene Wirtschaft Chinas kämpft mit einem verhaltenen Konsum und einer schwachen Fahrzeugproduktion in Europa. Der Immobilienmarkt bleibt weiterhin ein Sorgenkind des Landes und belastet die Konsumenten zusätzlich. Schon Ende 2024 verkündete das Politbüro daher, die Wirtschaft mit erheblichen Unterstützungen zu stabilisieren.

Welche Summen in die chinesische Wirtschaft gepumpt werden, ist bislang nicht abzusehen. Experten schätzen Maßnahmenpakete mit Volumen von ein bis drei Billionen Yuan, umgerechnet 136 bis 393 Milliarden Euro. Bereits jetzt scheinen die Ankündigungen zu wirken, etwa konnte sich der chinesische Aktienmarkt zuletzt deutlich erholen.

Chinas Wirtschaft: Trade-In-Programme sorgen für mehr Konsum

Die oberste Wirtschaftsplanungsbehörde weitete zuletzt ihr Verbrauchersubventionsprogramm auf chinesische Smartphones, Tablets und Smartwatches, aber auch auf Sicherheitsartikel und weitere Nischenprodukte aus. Bereits jetzt gibt es unterschiedliche Anreize, Konsumenten zum Kauf, Umtausch und Upcycling ihrer Fahrzeuge und Haushaltsgeräte zu bewegen.

Ähnlich wie die deutsche Abwrackprämie werden in China auch Altgeräte und -fahrzeuge in Zahlung genommen, sodass Kunden bessere Produkte oder Updates für einen geringeren Preis erhalten. Diese Rechnung ging auf und etwa die Aktie von Xiaomi konnte sich erholen und auch die Nachfrage nach Fahrzeugen etwa von BYD erfolgreich angekurbelt werden.

„Made in China 2025“ — Ein Konzept auch für Europas Wirtschaft?

Bereits im Jahr 2015 wurde die „Made in China 2025“-Initiative ausgerufen, die darauf abzielte, Chinas Abhängigkeit von westlichen Technologien zu verringern und gleichzeitig den Westen abhängiger von Chinas Produkten zu machen. Tatsächlich sind Chinas Importe seit 2005 etwa um die Hälfte gesunken, indessen sind Europa und die USA bei einer immer größeren Zahl von Produkten auf chinesische Exporte angewiesen.

Während westliche Firmen in China willkürlichen Geldstrafen, schwarzen Listen, Anforderungen an ihre lokalen Inhalte und Razzien ausgesetzt sind, wendet die chinesische Regierung etwa fünf Prozent des BIP auf, um die heimischen Industrien zu stärken. Die „Strategie der militärisch-zivilen Fusion“ schafft ferner Verbindungen zu militärischen und Handelssektoren.

Durch die enormen Subventionsvolumen schafft die chinesische Regierung Exportgiganten, die die Inlandsnachfrage gezielt übersteigen und westliche Konkurrenten von vornherein ausschalten sollen. Huawei, Xiaomi und BYD sind nur einige der namhaften Produkte aus China, die den Westen überschwemmen sollen, während VW, Tesla und Apple in China mit zunehmendem Konkurrenzdruck und sinkender Nachfrage zu kämpfen haben.

Tatsächlich konnte die chinesische Regierung mit ihrer aggressiven Subventions- und Digitalisierungspolitik westliche Konkurrenten erfolgreich ausstechen. Die Börse reagierte geschockt, dass nach der Veröffentlichung der chinesischen KI-App DeepSeek Nvidia Verluste von 600 Milliarden Dollar in einer Nacht hinnehmen musste. Es stellt sich die Frage, wie die US-amerikanischen Vorreiter von einem Start-up mit Entwicklungskosten von gerade einmal sechs Millionen Dollar übertrumpft werden konnten.

Auch wenn Europa einen ähnlich aggressiven Weg einschlagen wollte, um seine eigenen Industrien zu retten und sich gegen China zu behaupten, wäre sein Erfolg bei der Umsetzung eher fragwürdig. Aus eigener Kraft dürfte es dem Kontinent nicht gelingen, seine militärischen Kapazitäten auf ein dem russisch-chinesischen Komplex ebenbürtiges Niveau zu heben. Verhaltene Strafzölle werden von China durch Fabrikbauten in Europa umgangen, bei vielen Technologien wie der Telekommunikation oder der KI hat Europa seine ursprünglichen Vorteile längst verloren, auch Technologien zur Gewinnung erneuerbarer Energien dürften bald vorrangig aus China kommen.

Nicht umsonst gilt Viktor Orbán, der für eine „Make Europa Great Again“-Initiative plädiert, als einer der größten Unterstützer Chinas in Europa, sehr zum Ärger der westlichen Partner. Seine Hoffnung scheint auf einem lukrativen dritten Platz zu liegen, auf dem Europa als Nutznießer eurasischer Energie und Billigprodukte einerseits und US-amerikanischen Sicherheitsgarantien andererseits verharrt. Diese günstige Position gehört aber der Vergangenheit an, und Europa muss sich zunehmend fragen, ob es eine Abhängigkeit von Eurasien, in dem China, Russland und Indien dominieren, oder von den USA bevorzugt.

Chinas Weg vom Hegemon zum Imperator?

Chinas Subventions- und Digitalisierungspolitik trägt immer aggressivere Züge. Kritische Technologien, etwa zur Energiegewinnung, werden einem jüngeren Report zufolge vor dem Export mit vorinstallierter Malware ausgestattet, um bei Bedarf im westlichen Einsatzgebiet zu Störungen zu führen. Während Russland die direkte militärische Bedrohung darstellt und die NATO im Jahr 2028 angegriffen werden könnte, will sich China als mächtiger Imperator die Fäden ziehen.

Unwahrscheinlich ist jedenfalls, dass Chinas Wirtschaft kollabiert. Das massive Konjunkturpaket ist zwar nur eines von vielen, welche die Immobilienkrise, die rückläufige Geburtenrate und andere drängende Probleme Chinas nicht beseitigen konnten. Doch China schaffte es laut dem Global Innovation Index Report 2024, zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften im Bereich innovativer Technologien zu werden. Trotz seiner drängenden Probleme schafft es das Land, immer wieder aufzuholen und westliche Kontrahenten sogar zu überholen. Das neueste Subventionsprogramm ist nur ein Baustein auf dem Weg zur Unabhängigkeit Chinas von Importen, die die De-risking-Strategie des Westens in den Schatten stellen dürfte.

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Virgil Zólyom, Jahrgang 1992, lebt in Meißen und arbeitet dort als freier Autor. Sein besonderes Interesse gilt geopolitischen Entwicklungen in Europa und Russland. Aber auch alltagsnahe Themen wie Existenzgründung, Sport und Weinbau fließen in seine Arbeit ein.

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