Wirtschaft

Trump verhängt Zölle für Mexiko, Kanada und China - EU als nächstes dran?

Die jüngst verhängten US-Zölle auf Waren aus Mexiko, Kanada und China haben für Turbulenzen an der Börse und auf den Krypto-Märkten gesorgt. Nun steht auch die EU im Fokus von Trump. Ein globaler Handelskrieg hätte erhebliche Folgen für die hiesige Wirtschaft. Deutsche Unternehmen spielen bereits Möglichkeiten zur Produktionsverlagerung durch. Dass die angekündigten Zölle für Mexiko für einen Monat ausgesetzt sind, ändert daran wohl wenig.
03.02.2025 16:38
Aktualisiert: 03.02.2025 16:38
Lesezeit: 3 min
Trump verhängt Zölle für Mexiko, Kanada und China - EU als nächstes dran?
Audi und Porsche prüfen laut Medienberichten bereits eine Fertigung in den USA. (Foto: dpa) Foto: Marijan Murat

US-Präsident Donald Trump setzt seine Ankündigungen aus dem Wahlkampf in die Tat um: Er verhängt 25 Prozent Zoll auf Einfuhren aus Mexiko und Kanada sowie 10 Prozent auf Importe aus China. An der Börse und auf den Krypto-Märkten rutschten daraufhin die Kurse. Dass Trump die Zölle für Mexiko kurz nach dem Start plötzlich für einen Monat aussetzt, ändert an Trumps Strategie wenig - ist es überhaupt eine Strategie oder ist das für "Dealmaker" Trump nur das normale Vorgehen, bevor er in Verhandlungen eintritt?

Er erklärte jedenfalls außerdem, dass "definitiv" auch die EU von neuen Zöllen betroffen sein wird. Dies wirft die Frage auf: Steht ein globaler Handelskonflikt bevor? Welche Auswirkungen sind für Europa zu erwarten? Und was bedeutet dies für die ohnehin schwache deutsche Wirtschaft und die hiesige Automobilindustrie?

Trumps Importzölle mit Konsequenzen für die Weltwirtschaft

Da China, Mexiko und Kanada bereits Gegenmaßnahmen zu Trumps Zöllen angekündigt haben, droht ein sich zuspitzender Handelskonflikt. "Trump beginnt seinen Handelskrieg", analysiert Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Privatbank Berenberg. Experten rechnen mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen, nicht nur für Kanada und Mexiko, sondern auch für die bereits geschwächte chinesische Wirtschaft.

Wolfgang Niedermark vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt: "Die Zollpolitik der Regierung Trump ist schädlich für die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft und auch der USA selbst."

Nach US-Importzöllen auf Waren aus Mexiko, Kanada und China - die EU als nächstes dran?

Nach den "drastischen Maßnahmen gegenüber Kanada und Mexiko" dürfte Europa das nächste Ziel Trumps werden, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Es muss davon ausgegangen werden, dass Taten folgen werden."

Ein Handelsstreit zwischen den USA und Europa würde zwei bedeutende Wirtschaftsmächte treffen. Gemeinsam repräsentieren sie 42 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, betont EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas: "Wir brauchen Amerika, und Amerika braucht uns."

Gleichzeitig zeigt sich die EU entschlossen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigten europäische Gegenmaßnahmen an, sollte es zu neuen US-Zöllen auf EU-Produkte kommen.

Trumps Zölle: Automobilbranche in Deutschland besonders gefährdet - Unternehmen erwägen Produktionsverlagerungen

Ein solcher Handelskonflikt würde Deutschland, das stark vom Export abhängt, erheblich belasten. Die deutsche Wirtschaft ist bereits zwei Jahre in Folge geschrumpft und könnte durch weitere Zölle weiter geschwächt werden. "Die deutsche Industrie ist von den verhängten Zöllen unmittelbar betroffen", erklärt BDI-Experte Niedermark.

Viele deutsche Autobauer nutzen Mexiko als Produktionsstandort für den US-Markt. VW, Audi und BMW betreiben dort eigene Werke, während Mercedes-Benz mit Nissan kooperiert. Auch Bosch ist mit mehreren Standorten in Mexiko vertreten. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) gibt es insgesamt mehr als 330 Produktionsstätten deutscher Unternehmen in Mexiko. Audi liefert beispielsweise fast 40 Prozent seiner dort produzierten Fahrzeuge in die USA.

VW zieht laut Branchenkreisen eine teilweise Verlagerung der Produktion in die USA in Erwägung, um die Trump-Regierung zu besänftigen. Auch Audi und Porsche prüfen möglicherweise eine Fertigung in den USA, berichtet das "Handelsblatt". Offizielle Bestätigungen gibt es bislang jedoch nicht. VW wollte sich nicht zu den neuen Zöllen äußern. BMW betonte lediglich, dass Zölle den freien Handel behinderten: "Letztendlich sind sie zum Nachteil der Kunden: Denn sie machen Produkte nicht nur teurer, sondern auch weniger innovativ."

DAX, Euro und Kryptomärkte: Turbulenzen nach Trumps Zoll-Ankündigung

Die Angst vor einem Handelskrieg belastet die Finanzmärkte erheblich. Der DAX rutschte am Montag um rund zwei Prozent ab, während Autoaktien wie VW, Mercedes-Benz, BMW und Daimler Truck zwischen fünf und sieben Prozent verloren. Auch Kryptowährungen wie Bitcoin gerieten unter Druck. Stephen Innes vom Vermögensverwalter SPI Asset Management befürchtet, dass sich die Unsicherheiten auf die globalen Börsen ausweiten könnten: "Der Ausverkauf der Kryptowährungen wirft einen langen Schatten auf die globalen Aktienmärkte."

Trotz der Besorgnis halten sich die wirtschaftlichen Folgen für Deutschland aktuell noch in Grenzen. "Vor allem deutsche multinationale Unternehmen mit Niederlassungen in Mexiko sind von den Trump-Zöllen betroffen", erklärt Lisandra Flach vom Ifo-Institut. Tatsächlich könnten deutsche Exporte in die USA zunächst sogar steigen, da Produkte aus anderen Ländern durch die Zölle weniger wettbewerbsfähig wären. Dennoch bleibt das Risiko hoch, dass auch deutsche Waren bald von US-Zöllen betroffen sein könnten.

Julian Hinz vom Kiel Institut für Weltwirtschaft betont: "Die Folgen der Zölle gegen Kanada, Mexiko und China sind für Deutschland insgesamt marginal. Doch sollten auch Zölle gegen EU-Produkte kommen, würde sich das natürlich wieder ändern."

US-Zölle: Droht den USA ein Bumerang-Effekt?

Auch die USA selbst könnten unter den neuen Zöllen leiden. Rund 15 Prozent der US-Importe stammen aus Mexiko, fast 14 Prozent aus China und knapp 13,7 Prozent aus Kanada. Laut Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING, werden durch die Maßnahmen fast die Hälfte der US-Importe von Zollerhöhungen betroffen sein.

Laut einer Analyse der DZ Bank sind von den neuen Zöllen deutlich mehr Waren betroffen als während Trumps erster Amtszeit. Experten erwarten Probleme in den Lieferketten sowie steigende Kosten für Unternehmen. Holger Schmieding von Berenberg prognostiziert, dass die Verbraucherpreise in den USA bis Jahresende um rund 0,6 Prozent steigen könnten. Zum Vergleich: Die Inflationsrate lag im Dezember bei 2,9 Prozent.

Langfristig könnte dies den US-Markt belasten. "Zinssenkungen könnten damit vom Tisch sein", warnt VP-Bank-Experte Gitzel. Höhere Zinsen wären wiederum eine Belastung für US-Unternehmen. "Bei Zollstreitigkeiten gibt es bekanntlich keine Gewinner, sondern die USA werden langfristig dabei verlieren."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Bayer-Aktie größter DAX-Gewinner: Milliarden-Vergleich könnte Rechtsrisiken entschärfen
17.02.2026

Ein Milliarden-Vergleich könnte jahrelange Rechtsrisiken bei Bayer entschärfen und dem Bayer-Aktienkurs weiteren Auftrieb verleihen. Doch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zekiwa-Insolvenz: Traditionsmarke in der Krise – Produktion der Zekiwa-Kinderwagen soll weiterlaufen
17.02.2026

Die Zekiwa-Insolvenz trifft eine Traditionsmarke, die Generationen von Familien geprägt hat. Sinkende Geburtenzahlen, steigende Kosten und...

DWN
Politik
Politik Sabotage in der Ostsee: NATO setzt verstärkt auf Unterwasserdrohnen
17.02.2026

Beschädigte Seekabel in der Ostsee rücken autonome Unterwasserdrohnen verstärkt in den sicherheitspolitischen Fokus der NATO-Staaten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrie unter Druck: Warum der Stellenabbau trotz Krise erst am Anfang steht
17.02.2026

Der Stellenabbau in der deutschen Industrie nimmt dramatische Ausmaße an. Hunderttausende Jobs stehen auf dem Spiel, besonders in...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Kursrückgänge bei Tech-Aktien nutzen – rutscht der Bitcoin-Kurs unter 60.000 US-Dollar?
17.02.2026

Technologieaktien stehen unter Druck, mutige Investoren könnten diese Kursrückgänge ausnutzen – und jetzt Tech-Aktien kaufen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ZEW-Konjunkturerwartungen fallen im Februar unerwartet: Trendwende rückt in weite Ferne
17.02.2026

Die aktuellen ZEW-Konjunkturerwartungen sorgen für Stirnrunzeln an den Märkten. Trotz zuletzt wachsender Hoffnungen auf eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niedrige Gasspeicher-Füllstände: Grüne kritisieren Ministerin Reiche – kommt die strategische Gasreserve?
17.02.2026

Deutschlands Gasspeicher-Füllstände sind ungewöhnlich niedrig, während der Winter andauert und politische Debatten an Schärfe...

DWN
Finanzen
Finanzen Südzucker-Aktie rutscht ab: Keine Südzucker-Dividende nach Abschreibungen – und weitere Probleme
17.02.2026

Wegen schwacher Märkte und einer überraschenden Entscheidung des Vorstands fällt die Südzucker-Dividende aus. Den Anlegern gefällt...