Unternehmen

Volkswagen-Gewinn bricht massiv ein – was heißt das für Wolfsburg?

Volkswagen steht unter Druck: Der Gewinn schrumpft, China schwächelt, und hohe Umbaukosten belasten das Geschäft. Dennoch zahlt der Konzern seinen Mitarbeitern mehr Bonus – während Aktionäre eine gekürzte Dividende hinnehmen müssen. Wie Volkswagen den Herausforderungen begegnet und welche Strategie der Konzern für 2025 verfolgt.
11.03.2025 09:36
Aktualisiert: 11.03.2025 09:36
Lesezeit: 3 min

Aus dem einstigen Gewinnbringer China fließt deutlich weniger Ertrag. Hinzu kommen hohe Umbaukosten. Das schmälert das Ergebnis. Trotz Sparkurses zahlt VW seinen Mitarbeitern eine höhere Prämie.

Der Volkswagen-Konzern hat im vergangenen Jahr wegen des harten Wettbewerbs in China und hoher Umbaukosten erheblich weniger Gewinn erzielt. Unter dem Strich verdiente VW mit 12,4 Milliarden Euro fast 31 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie die Wolfsburger mitteilten.

Aus dem einstigen Gewinnbringer China kam deutlich weniger Ertrag. Zudem fielen hohe Kosten unter anderem für die Schließung des Audi-Werks in Brüssel an. Im Tagesgeschäft sank das operative Ergebnis um gut 15 Prozent auf 19,1 Milliarden Euro. Das entsprach einer Marge von 5,9 Prozent nach 7,0 Prozent im Vorjahr. VW hielt sich damit besser als zuletzt selbst prognostiziert.

Der Umsatz stieg hingegen um knapp ein Prozent auf 324,7 Milliarden Euro. Die Dividende soll um 30 Prozent auf 6,36 Euro je im DAX notierter Vorzugsaktie gekürzt werden. Das ist ein deutlicherer Einschnitt als erwartet.

VW-Mitarbeiter erhalten 4.800 Euro Bonus – Kürzung ab 2026

Trotz des Sparkurses zahlt VW seinen Mitarbeitern eine höhere Prämie. Die Tarifbeschäftigten erhalten für das vergangene Jahr fast 4.800 Euro Bonus. In Summe beträgt die Prämie 4.799,50 Euro, hieß es. Belegschaftsmitglieder im VW-Haustarif sollen nach den bereits überwiesenen 1.879,50 Euro mit dem Mai-Gehalt weitere 2.920 Euro erhalten.

Damit liegt die Gewinnbeteiligung sogar etwas höher als im Vorjahr, als VW 4.735 Euro pro Mitarbeiter auszahlte. Rund 120.000 Beschäftigte in Deutschland profitieren von der Zahlung. Maßgeblich für den Bonus ist das Ergebnis der Marken VW Pkw und VW Nutzfahrzeuge in den beiden zurückliegenden Jahren. Ab dem kommenden Jahr müssen sich die Mitarbeiter jedoch auf deutlich geringere Zahlungen einstellen.

Umsatzplus für 2025 angestrebt

Trotz der Branchenschwäche strebt der VW-Konzern in diesem Jahr ein Umsatzwachstum an. Die Erlöse sollen auf Konzernebene um bis zu fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreswert steigen.

VW-Chef Oliver Blume rechnet damit, dass die operative Umsatzrendite in einer Spanne von 5,5 bis 6,5 Prozent liegen wird und damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres bleibt.

Volkswagen hatte in einem lange schwelenden Konflikt kurz vor Jahresende angekündigt, bis 2030 in Deutschland mit 35.000 Stellen fast jeden vierten Job bei der Kernmarke VW Pkw abzubauen.

Laut VW ergeben sich Herausforderungen vor allem durch politische Unsicherheiten, zunehmende Handelsbeschränkungen und geopolitische Spannungen.

Weniger Investitionen

Nach einer Phase erhöhter Investitionen will Europas größter Autobauer seine Ausgaben in den kommenden Jahren deutlich senken. Von 2025 bis 2029 sollen insgesamt rund 165 Milliarden Euro in neue Anlagen, Technik und Software fließen, erklärte Finanzchef Arno Antlitz.

Die Wolfsburger hatten für die vorangegangene Fünfjahresperiode von 2024 bis 2028 noch rund 180 Milliarden Euro eingeplant.

Zudem werden die Investitionen in den Verbrennungsmotor schrittweise zurückgefahren. Dennoch will der Konzern weiterhin auf Flexibilität setzen, um Kunden verschiedene Antriebsarten anbieten zu können. "Wir werden das Hochfahren unserer Batteriesparte weiter an das Marktumfeld anpassen", sagte Antlitz.

Volkswagen hatte viel Kapital für eigene Batteriezellwerke reserviert, doch der Hochlauf der Elektroautos verläuft in der Branche insgesamt schleppender als erwartet. Zudem will VW über Partnerschaften, etwa mit dem US-Elektroautoanbieter Rivian, schneller und kostengünstiger bei Software und Vernetzung vorankommen.

VW-Vorstand verzichtet auf elf Prozent seines Gehalts

Bei Volkswagen beteiligt sich nun auch der Konzernvorstand mit einem millionenschweren Gehaltsverzicht am Sparprogramm des Autobauers. VW-Chef Oliver Blume und die übrigen Konzernvorstände verzichten 2025 und 2026 auf elf Prozent ihrer Bezüge, bestätigte ein Sprecher des Aufsichtsrats. Einen entsprechenden Vorschlag der Konzernspitze habe das Gremium auf seiner jüngsten Sitzung angenommen. Zuvor hatte das "Handelsblatt" berichtet.

In den Folgejahren sollen die Bezüge schrittweise wieder steigen. 2027 beträgt der Abschlag noch 8,5 Prozent, 2028 dann 6,5 und 2029 noch 5,5 Prozent. Ab 2030 soll die Vergütung wieder auf das bisherige Niveau zurückkehren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Rekordschlussstände für S&P 500 und Nasdaq, während der Waffenstillstand hält
05.05.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte aktuell antreiben und warum die Anleger trotz globaler Spannungen optimistisch bleiben.

DWN
Politik
Politik Misstrauensvotum in Rumänien: Prowestliche Regierung stürzt
05.05.2026

Rumäniens Regierung ist nach einem überraschenden Bündnis aus Rechtsextremen und Sozialdemokraten gestürzt. Hinter dem Misstrauensvotum...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht Druck auf Grönland: US-Experte warnt vor Folgen für Europa
05.05.2026

Trump verschiebt die geopolitischen Machtlinien der USA und verbindet den Zugriff auf Grönland mit Energiefragen und Zugeständnissen an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Teilkrankschreibung gegen hohe Fehlzeiten: Ist die Regelung sinnvoll?
05.05.2026

Krank, aber nicht ganz arbeitsunfähig – das soll künftig möglich sein: Im Zuge der neuen Gesundheitsreform hat die Bundesregierung die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Stromnetz im Kostencheck: Welche Technologien langfristig überzeugen
05.05.2026

Europas Stromversorgung steht vor einer neuen Kostenlogik, in der erneuerbare Energien, Speichertechnologien und verlässliche Grundlast...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie steigt trotz schwachem Quartal
05.05.2026

Die Zahlen fallen schwächer aus als erwartet, doch die Aktie reagiert überraschend robust. Statt Abverkauf setzt Rheinmetall auf eine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unicredit greift Commerzbank an: Übernahme rückt näher
05.05.2026

Unicredit macht Ernst und treibt die Übernahme der Commerzbank mit Tempo voran. Doch Widerstand aus Berlin und Frankfurt könnte den Deal...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech-Aktie: 1.860 Stellen in Gefahr
05.05.2026

Biontech zieht die Notbremse und fährt Kapazitäten drastisch herunter. Der Sparkurs trifft Standorte weltweit – und bringt Tausende...