Politik

US-Zölle: EU kündigt Gegenzölle an

Die USA erheben neue Zölle auf Stahl und Aluminium – die EU schlägt zurück. Brüssel plant milliardenschwere Gegenzölle auf US-Produkte wie Whiskey, Motorräder und Agrarwaren. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnt vor steigenden Preisen und wirtschaftlicher Unsicherheit. Zugleich signalisiert sie Verhandlungsbereitschaft. Doch Donald Trump verschärft den Handelskonflikt weiter.
12.03.2025 09:15
Aktualisiert: 12.03.2025 09:15
Lesezeit: 2 min

EU kündigt Vergeltung für neue US-Zölle an

Die USA haben neue Zölle verhängt, die auch Deutschland und die EU betreffen. Die Europäische Kommission kündigt umgehend Gegenmaßnahmen an.

EU reagiert mit Gegenzöllen

Die EU hat eine entschlossene Reaktion auf die an diesem Mittwoch in Kraft getretenen US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte angekündigt. Wie die zuständige Europäische Kommission am Morgen mitteilte, sollen in einem ersten Schritt ab April wieder EU-Extrazölle auf die Einfuhr amerikanischer Produkte wie Bourbon-Whiskey, Jeans, Motorräder, Boote und Erdnussbutter erhoben werden. Weitere Gegenmaßnahmen sind nach Abstimmung mit den EU-Mitgliedstaaten für Mitte April vorgesehen.

Diese Maßnahmen sollen Unternehmen betreffen, die amerikanische Agrarprodukte wie Geflügel, Rindfleisch, bestimmte Meeresfrüchte, Nüsse, Eier, Milchprodukte, Zucker und Gemüse in die EU liefern. Zudem sind EU-Extrazölle auf weitere Industrieprodukte wie Stahl- und Aluminiumwaren, Textilien, Lederartikel, Haushaltsgeräte, Werkzeuge, Kunststoffe und Holzprodukte geplant.

Schwere Belastung für EU-Exporte

Nach Angaben der EU-Kommission betreffen die neuen US-Zölle in Höhe von 25 Prozent EU-Exporte im Gesamtwert von 26 Milliarden Euro, was rund fünf Prozent der gesamten Warenexporte der EU in die USA ausmacht. "Basierend auf den aktuellen Importströmen wird dies dazu führen, dass US-Importeure bis zu sechs Milliarden Euro an zusätzlichen Importzöllen zahlen müssen", hieß es.

Die EU-Gegenmaßnahmen sollen diesen Effekt ausgleichen. Nach Angaben der Kommission wären US-Warenexporte im Wert von 26 Milliarden Euro von den geplanten EU-Zöllen betroffen. Im ersten Schritt geht es um Waren im Wert von etwa acht Milliarden Euro, im zweiten um Produkte im Wert von rund 18 Milliarden Euro.

Von der Leyen verteidigt EU-Kurs

"Die Europäische Union muss handeln, um Verbraucher und Unternehmen zu schützen", erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die ergriffenen Gegenmaßnahmen seien entschlossen, aber verhältnismäßig.

Die deutsche Spitzenpolitikerin kritisierte die Zollentscheidung von US-Präsident Donald Trump scharf. "Diese Zölle stören die Lieferketten. Sie schaffen Unsicherheit für die Wirtschaft. Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Die Preise werden steigen – in Europa und in den Vereinigten Staaten", sagte sie.

EU sieht Spielraum für Verhandlungen

Gleichzeitig betonte von der Leyen, dass sie weiterhin bereit sei, mit der US-Regierung eine Verhandlungslösung zu erarbeiten. "Wir sind fest davon überzeugt, dass es in einer Welt voller geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten nicht in unserem gemeinsamen Interesse ist, unsere Volkswirtschaften mit Zöllen zu belasten", sagte sie. Sie habe Handelskommissar Maroš Šefčovič beauftragt, seine Gespräche mit den Vereinigten Staaten wieder aufzunehmen, um bessere Lösungen zu erarbeiten.

Bourbon-Whiskey könnte teurer werden

US-Präsident Donald Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2021 Sonderzölle auf die Einfuhr von Stahl- und Aluminiumprodukten angeordnet und dies "mit Interessen der nationalen Sicherheit" begründet.

Die EU reagierte damals mit Vergeltungszöllen auf US-Produkte wie Bourbon-Whiskey, Motorräder und Jeans.

Im Herbst 2021 einigte sich die EU mit der Regierung von Trumps demokratischem Nachfolger Joe Biden auf ein Stillhalteabkommen, das zur Folge hatte, dass die Zölle weitestgehend ausgesetzt wurden. Nach seiner Wiederwahl geht Trump nun aber wieder auf Konfrontationskurs. Er hat zudem angekündigt, neue Zölle auf Autos und weitere EU-Waren zu verhängen.

Entscheidung über EU-Zölle bis Ende März

Zu den geplanten EU-Zusatzzöllen auf US-Produkte wird es nach Angaben der EU-Kommission bis zum 26. März Konsultationen mit Interessengruppen geben. Anschließend sollen die Mitgliedstaaten eingeladen werden, die vorgeschlagenen Maßnahmen zu billigen, bevor sie verabschiedet werden. Das Inkrafttreten ist laut Kommissionspräsidentin von der Leyen für den 13. April vorgesehen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Deutschland rüstet auf: Merz setzt auf europäische Führungsrolle
30.04.2026

Deutschland erhöht seine Verteidigungsausgaben massiv und stellt damit die Machtbalance in Europas Sicherheitspolitik neu zur Disposition....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisschock vor der Entlastung: Historischer Sprung an den Zapfsäulen
30.04.2026

Eigentlich sollten Autofahrer ab Mitternacht durch den neuen Tankrabatt aufatmen können – doch kurz vor dem Start der Steuersenkung...

DWN
Immobilien
Immobilien Warnsignal für den Immobilienstandort: Justiz-Debakel um Bauruine belastet Investitionsklima
30.04.2026

Der Fall des Fellbacher „Schwabenlandtowers“ entwickelt sich von einem lokalen Bau-Skandal zu einem besorgniserregenden Lehrstück für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Teuerung in der Eurozone: Iran-Krieg treibt Inflationsrate auf 3,0 Prozent
30.04.2026

Der Ölpreisschub infolge des Iran-Krieges hat die Inflation im Euroraum im April massiv angeheizt. Nach ersten Schätzungen des...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Leitzinsen der Eurozone bleiben unverändert - wann kommt die Zinswende?
30.04.2026

Steigende Energiepreise, unsichere Märkte und eine fragile Wirtschaft setzen die EZB unter Zugzwang. Noch bleiben die Leitzinsen für die...

DWN
Politik
Politik VW-Aktie: Volkswagen im Abwärtsstrudel – Radikalkurs gegen Milliarden-Verlust
30.04.2026

Der Abwärtstrend bei Europas größtem Automobilhersteller setzt sich unvermindert fort: Volkswagen kämpft zum Jahresauftakt 2026 mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkt April: 3 Millionen Arbeitslose in Deutschland
30.04.2026

Der Arbeitsmarkt zeigt auch im April kaum Bewegung. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt nur leicht, bleibt aber klar über der...

DWN
Panorama
Panorama Schlappe für Kulturstaatsminister: Gericht stoppt Weimers Kritik an Buchladen
30.04.2026

In einem juristischen Kräftemessen hat das Verwaltungsgericht Berlin dem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer klare Grenzen aufgezeigt. In...