Panorama

Geheime Papstwahl: Wie läuft das Konklave im Vatikan ab?

Die Papstwahl ist streng vertraulich, erst weißer Rauch signalisiert eine Entscheidung. Kinofilme zeigen nicht immer die Realität. Was passiert tatsächlich im Vatikan?
05.05.2025 07:17
Lesezeit: 3 min

Warum wird es Konklave genannt?

Das Konklave, die geheime Zusammenkunft der Kardinäle zur Wahl des Papstes, zählt zu den ältesten und geheimnisvollsten Zeremonien der römisch-katholischen Kirche. Haben sich die wahlberechtigten Kardinäle auf ein neues Oberhaupt geeinigt, steigt weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle auf. Dann hoffen Tausende auf dem Petersplatz und Millionen vor den Bildschirmen auf die Verkündung: "Habemus papam". Ein Überblick:

Der Begriff stammt vom lateinischen "cum clave", was "mit Schlüssel" bedeutet – also abgeschlossen. Bis heute sind die Kardinäle während der Wahl komplett von der Außenwelt abgeschirmt. Gleich zu Beginn leisten sie einen Eid auf die Verschwiegenheit. Wer bricht, riskiert Exkommunikation – den Ausschluss aus der Kirche. Auch Ärzte, Sicherheitskräfte und Reinigungspersonal, die im Hintergrund tätig sind, müssen diesen Eid ablegen.

Die strengen Vorschriften reichen ins 13. Jahrhundert zurück. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist politische Einflussnahme ausdrücklich untersagt. Technik wie Handys, Kameras oder Internetzugang sind den Kardinälen in dieser Zeit verboten. Nur ein Notfall-Telefon ist gestattet. Abhörschutz durch Störsender und Wanzensuche soll Sicherheitslücken verhindern – denn 2005 wurde die Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. vorab durchgesickert.

Wo findet die Wahl statt?

Die Sixtinische Kapelle, gelegen nahe dem Petersdom, gilt als das spektakulärste Wahllokal weltweit. Seit dem Ende des Kirchenstaats 1870 dient der Renaissance-Bau aus dem 15. Jahrhundert als dauerhafter Wahlort. Die weltberühmten Fresken Michelangelos, darunter das "Jüngste Gericht", schmücken die Wände. Normalerweise besuchen jährlich über sieben Millionen Menschen diesen Ort. Während des Konklaves werden Fenster abgedunkelt und der Raum vollständig umgebaut. Holzbänke machen bequemen Stühlen und Arbeitstischen Platz.

Wie leben die Kardinäle während der Wahl?

Früher verbrachten die Kardinäle die Konklave-Zeit abgeschottet in der Kapelle und angrenzenden Räumen, schliefen in einfachen Kojen. Heute sind sie streng isoliert im Gästehaus Santa Marta untergebracht. Der Tagesablauf beginnt oft vor sechs Uhr morgens. Auch das Essen unterliegt Regeln: Es soll schlicht, aber nährstoffreich sein – damit Konzentration und Energie gewährleistet bleiben.

Kardinal Rainer Maria Woelki aus Deutschland erinnert sich: "Da müssen alle elektronischen Geräte, alle Handys abgegeben werden. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich beim letzten Mal mein eigenes Zimmer bezogen habe: Die Fenster waren versiegelt, die Fensterläden verschlossen. Ich hatte keine Möglichkeit, das Tageslicht zu sehen."

Wie wird gewählt?

Rein theoretisch kann jeder katholisch getaufte Mann zum Papst gewählt werden. Doch praktisch waren es seit dem Mittelalter ausschließlich Kardinäle. Papst Franziskus ernannte viele Kardinäle aus Afrika und Asien, was die kulturelle Vielfalt der über 60 vertretenen Nationen erhöht. Eine Altersgrenze existiert ebenfalls: Nur Kardinäle, die beim Tod des Papstes unter 80 Jahre alt waren, dürfen wählen. Derzeit sind es mehr als 130. Jeder schreibt den Namen seines Favoriten auf einen Stimmzettel, faltet ihn zweimal – und darf dabei die Handschrift verändern. Die Zettel werden in einer Urne abgegeben. Eine Zweidrittelmehrheit ist für die gültige Wahl nötig.

Während des Konklaves tragen die Kardinäle eine scharlachrote Soutane. Ergänzend sind liturgische Kleidungsstücke wie Mozetta, das Birett oder weitere Kopfbedeckungen erlaubt. Der gewählte Papst erhält unmittelbar nach der Wahl neue Gewänder – auch für den Auftritt auf der Loggia des Petersdoms. Seit einem fülligen Kandidaten werden sie vorsorglich in drei Größen bereitgestellt.

Bis zur Wahl von Papst Gregor X. dauerte es im Mittelalter fast drei Jahre. 1503 wiederum wurde Papst Julius II. binnen Stunden bestimmt – allerdings half wohl Bestechung. In jüngerer Zeit benötigt das Konklave bis zu fünf Tage. Am ersten Tag findet meist nur ein Wahlgang statt, danach bis zu vier täglich. Unterbrechungen sind möglich. Bleibt auch nach dem 33. Wahlgang ein Ergebnis aus, folgt eine Stichwahl zwischen den beiden führenden Kandidaten.

Wie wird der neue Papst verkündet?

Seit dem 19. Jahrhundert werden Wahlzettel und Aufzeichnungen im Ofen verbrannt. Der gefärbte Rauch aus dem Schornstein dient als sichtbares Zeichen: Schwarz bedeutet, es gibt noch keinen neuen Papst – weiß zeigt an, dass ein Papst gewählt wurde. Nimmt der Gewählte die Wahl an und nennt seinen Namen, beginnen die Glocken des Petersdoms zu läuten. Anschließend zeigt sich der neue Papst auf dem Mittelbalkon, begleitet von der Verkündung: "Habemus papam" – die Welt erfährt, wer der neue Pontifex ist.

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