Wirtschaft

Milliarden ungenutzt: Irischer Top-Investor fordert Einsatz von Pensionsgeldern zur Stärkung europäischer Technologie

Die europäische Technologiebranche droht im globalen Wettbewerb ins Hintertreffen zu geraten. Der Grund: Staatlich geförderte Kapitallenkung in risikoarme Anlagen – zum Nachteil innovativer Unternehmen. Eine irische Investorin erhebt nun schwere Vorwürfe.
12.05.2025 14:16
Aktualisiert: 12.05.2025 14:42
Lesezeit: 2 min
Milliarden ungenutzt: Irischer Top-Investor fordert Einsatz von Pensionsgeldern zur Stärkung europäischer Technologie
Die neuen Zahlen der Europäischen Zentralbank offenbaren die strukturellen Schwächen. (Foto: dpa | Arne Dedert) Foto: Arne Dedert

Kapitalströme fehlgeleitet – Europa verliert den Anschluss

Während die Vereinigten Staaten Pensionsfonds strategisch zur Förderung technologischer Innovation einsetzen, bleiben in Europa Billionen an institutionellem Kapital ungenutzt. Elaine Coughlan, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der Investmentgesellschaft Atlantic Bridge, kritisiert die europäische Politik scharf. Das Unternehmen verwaltet ein Vermögen von über einer Milliarde Euro – und versteht sich als Katalysator für Technologiewachstum.

„Billionen Euro stecken in Pensionsfonds und Lebensversicherungen. Warum werden diese nicht in Unternehmen investiert? Ich sage Ihnen, warum: Während der Finanzkrise waren die Regierungen auf sie angewiesen, um Anleihen zu kaufen“, erklärte Coughlan bei einer Podiumsdiskussion in Dublin zum Europatag.

Die Aussage fällt nicht zufällig zu einem Zeitpunkt, an dem neue Zahlen der Europäischen Zentralbank die strukturelle Schwäche offenbaren: Lediglich 0,02 Prozent des Gesamtvolumens europäischer Pensionsfonds fließen in Risikokapital – im Vergleich zu knapp 2 Prozent in den USA. Coughlans Analyse ist eindeutig: Europa hat kein Kapitalproblem, sondern ein Umverteilungsproblem.

„Wir verfügen über das nötige Kapital, um Technologieunternehmen zu unterstützen, aber das Geld fließt vollständig in Staatsanleihen. Es muss entschieden werden, einen Teil dieses Geldes stattdessen in Innovationen zu investieren“, so die Investorin. Sie fordert regulatorische Reformen und eine grundlegende Umwertung der europäischen Kapitalmärkte.

Digitalkompetenz braucht politische Entschlossenheit

Flankiert wurde die Veranstaltung von Clara Chappaz, Frankreichs Ministerin für digitale Angelegenheiten. Sie sieht in Europas Innovationsschwäche weniger einen Mangel an Potenzial, sondern an strategischer Koordination: „Europa ist in einer einzigartigen Position, um ein dynamisches Technologie-Ökosystem aufzubauen, aber wir können dies nur erreichen, wenn wir stärker zusammenarbeiten.“

Chappaz rief die Mitgliedsstaaten dazu auf, nationale Eitelkeiten hinter sich zu lassen. Statt sich an der Anzahl nationaler Tech-Start-ups zu messen, solle man europäische Interessen in den Vordergrund stellen. „Wir müssen aufhören zu zählen, wie viele Einhörner jedes Land hervorgebracht hat“, sagte sie. „Nur ein vereinter Markt kann gegen die USA und China bestehen.“

Irland fordert Standardisierung und Handlung statt Worte

Niamh Smyth, Irlands Staatsministerin für Künstliche Intelligenz und digitale Transformation, unterstützt diese Linie und betont, dass regulatorische Standardisierung über nationale Märkte hinweg essenziell sei. Nur so ließe sich privates Kapital effizient und risikoarm in digitale Wachstumssektoren lenken.

Die politischen Forderungen sind klar. Die Zeit der Diskussionen sei vorbei, so Chappaz: „Es wurde zu viel darüber geredet, wie man den Rückstand gegenüber den USA und China aufholen kann – doch es mangelt an konkreten Schritten.“

Europas politische Führung steht vor einer entscheidenden Weggabelung. Bleibt das Kapital in risikoarmen Staatsanleihen gebunden, droht der technologische Abstieg. Wird es jedoch in digitale Zukunftsmärkte umgelenkt, könnte Europa wieder zur ernstzunehmenden Kraft im globalen Innovationswettbewerb aufsteigen.

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