Politik

Erwarteter Pro-Europäischer Sieg bei Rumänien-Wahl: Nicht George Simion sondern Nicusor Dan wird Präsident - Brüssel hat gesiegt

Nach dem knappen und erwartbaren Wahlerfolg des pro-europäischen, parteilosen und liberalkonservativen Kandidaten Nicusor Dan gegen den nationalistischen und EU-skeptischen Herausforderer George Simion bei der Rumänien-Wahl äußerten sich zahlreiche europäische Spitzenpolitiker erfreut. Ein Zeichen für eine klare Nato- und Westbindung oder Wahlmanipulation?
19.05.2025 09:12
Aktualisiert: 19.05.2025 09:12
Lesezeit: 2 min

Herausforderungen nach der Rumänien-Wahl

Dan erzielte nach Auszählung fast aller Stimmen etwa 54 Prozent, Simion kam auf rund 46 Prozent. Erst spät in der Nacht räumte Simion seine Niederlage ein – nach längerer Zurückhaltung. Vor Tausenden Anhängern erklärte Dan vor dem Bukarester Rathaus: "Dieser Sieg gehört Euch." Die jubelnde Menge rief im Chor: "Russland, Russland, Rumänien gehört nicht dir!" Der Slogan richtete sich gegen Simions Versuch, den kremlnahen Calin Georgescu als Ministerpräsidenten zu etablieren. Der frisch gewählte Präsident ist derzeit noch Bürgermeister der Hauptstadt Bukarest.

Dan unterstrich mehrfach am Wahlabend, dass angesichts der angespannten Haushaltslage und einer zu erwartenden schwierigen Regierungsbildung große Aufgaben bevorstehen. "Es wird eine schwierige Zeit sein, die notwendig ist, um die Wirtschaft (...) ins Gleichgewicht zu bringen, um die Grundlagen für eine gesunde Gesellschaft zu schaffen. Bitte haben Sie dafür Geduld", sagte er. Der bisherige Premierminister Marcel Ciolacu, Mitglied der Sozialdemokraten, war am 5. Mai zurückgetreten. Zuvor war sein Kandidat bereits am 4. Mai in der ersten Runde der Präsidentenwahl gescheitert. Dan appellierte an "alle pro-europäischen Parteien" im Parlament, zusammenzuarbeiten. Doch drei extrem rechte Gruppierungen, darunter Simions AUR, halten gemeinsam mehr als ein Drittel der Sitze.

Simions verspätete Anerkennung der Niederlage

Rechtspopulist Simion erkannte seine Niederlage bei der Rumänien-Wahl erst nach langem Zögern an. In einem Video auf Facebook sprach er von seiner "bitteren Niederlage" und gratulierte Nicusor Dan offiziell. Noch bevor alle Stimmen gezählt waren, hatte Simion sich voreilig zum Sieger erklärt. "Wir sind die klaren Gewinner dieser Wahl. Wir beanspruchen diesen Sieg im Namen des rumänischen Volkes", sagte er in Bukarest vor laufender Kamera. Schon im Vorfeld der Wahlen in Rumänien warf er den Behörden ohne Beweise Wahlbetrug vor.

Simion hielt auch am Wahlabend daran fest, Calin Georgescu als Premierminister vorschlagen zu wollen. Georgescu war im November 2024 bei einer später annullierten Präsidentenwahl erfolgreich gewesen. Wegen intransparenter Finanzierung und unzulässiger Methoden hatte das Verfassungsgericht diese Wahl für ungültig erklärt. Simion nutzte dennoch Georgescus Beliebtheit für seine Kampagne.

Internationale Reaktionen auf Präsidentenwahl in Rumänien

Selenskyj sprach auf X von einem "historischen Sieg" und betonte die Freundschaft zwischen der Ukraine und Rumänien. Rumänien unterstütze die Ukraine logistisch in Zeiten des russischen Angriffskriegs. Von der Leyen erklärte, die Rumänen hätten sich für "ein offenes, wohlhabendes Rumänien in einem starken Europa" entschieden. Macron gratulierte telefonisch. Auch Moldaus Präsidentin Sandu lobte die Entscheidung: "Die ganze Welt sieht, wie stark wir sind, wenn wir zusammenhalten." Dan holte in Moldau knapp 88 Prozent.

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