Politik

Fall Gelbhaar: Grüne gestehen Fehler ein

Erst lösten die Vorwürfe gegen den damaligen Grünen-Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar Aufregung aus – dann kamen Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit auf. Die Partei räumt ein, überfordert gewesen zu sein.
12.06.2025 16:12
Aktualisiert: 12.06.2025 16:12
Lesezeit: 1 min

Die Grünen-Spitze zeigt sich selbstkritisch im Rückblick auf ihren Umgang mit den Belästigungsvorwürfen gegen den früheren Berliner Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar. Man sei unter anderem wegen der nahen Bundestagswahl mit dem Fall "strukturell überfordert" gewesen, heißt es in einer Stellungnahme des Bundesvorstands um die beiden Parteivorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak zum Bericht einer internen Kommission. Zuvor hatte der "Stern" darüber berichtet.

Vorstand: Partei wurde ihrer Verantwortung nicht gerecht

Die Grünen hatten am 30. Januar die frühere schleswig-holsteinische Justizministerin Anne Lütkes sowie den langjährigen Bundestagsabgeordneten und heutigen Richter am bayerischen Verfassungsgerichtshof, Jerzy Montag, mit der Aufarbeitung beauftragt.

Der Bericht soll bereits vor einigen Wochen fertiggestellt worden sein und wird nur in einer 25-seitigen Zusammenfassung veröffentlicht – aus Gründen des Schutzes persönlicher Daten. Die etwa doppelt so lange Originalfassung liege ausschließlich dem Bundesvorstand vor, hieß es.

Zu den Konsequenzen der Überforderung schreibt der Bundesvorstand: "Leidtragende sind Stefan Gelbhaar, ebenso meldende Personen, denen nach Aufdeckung der falschen Identität einer anderen Meldung zunächst nicht mehr ausreichend Vertrauen in ihre Schilderungen geschenkt wurde." Die Organisation sei ihrer Verantwortung gegenüber allen Beteiligten nicht gerecht geworden – mit "Organisation" sei laut ergänzender Angaben die Partei gemeint.

Auswirkungen für Gelbhaar

Nachdem die Vorwürfe gegen Gelbhaar publik und Thema in den Medien wurden, verlor er seine Direktkandidatur im Wahlkreis Pankow. Zuvor hatte er bereits seinen Verzicht auf die Kandidatur auf der Berliner Landesliste erklärt.

Der RBB musste Teile seiner Berichterstattung zurückziehen. Im Zentrum standen Zweifel an der Identität einer Frau, die dem Sender Vorwürfe geschildert hatte.

Grüne planen neue Strukturen

Die Grünen wollen ihre Ombudsstrukturen nun überarbeiten. Eine Arbeitsgruppe soll die Details ausarbeiten. Ein entsprechender Beschluss ist für den Parteitag im November vorgesehen. Das Ombudsverfahren im Fall Gelbhaar wird nicht weitergeführt.

Die Vorsitzenden des direkt betroffenen Berliner Landesverbands der Grünen, Nina Stahr und Philmon Ghirmai, erklärten, der Landesverband habe bereits begonnen, Beschwerdestrukturen und Anlaufstellen weiterzuentwickeln. Ein Konzept zur Fürsorge werde im Herbst präsentiert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Zufall mit System: Die entscheidende Rolle von RNGs im Gaming

Viel mehr als Würfel-Glück: Erfahre, wie Zufallsgeneratoren von Slot-Klassikern bis hin zu KI-Welten für Fairness, Immersion und echten...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fehlendes Wagniskapital: Warum deutschen Biotech-Firmen das Geld ausgeht
08.06.2026

Neue Therapien, Impfstoffe und Hightech-Lösungen entstehen oft in deutschen Laboren. Doch zwischen Forschungserfolg und wirtschaftlichem...

DWN
Finanzen
Finanzen Energieaktien: Diese drei Titel könnten zehn Jahre lang kassieren
08.06.2026

Öl wird teurer, Gas bleibt politisch, und plötzlich wirken alte Energiekonzerne wieder erstaunlich modern. Chevron, Enbridge und...

DWN
Finanzen
Finanzen Halbleiter-Aktien im Stresstest: Kommt jetzt die große Trendwende?
08.06.2026

Nach Monaten rasanter Kursgewinne geraten Halbleiter-Aktien plötzlich weltweit unter Druck. Doch zum Start in die neue Handelswoche zeigen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Sentix-Index steigt erneut: Eurozone sendet Lebenszeichen
08.06.2026

Die Wirtschaft im Euroraum sendet vorsichtige Signale der Erholung. Ein viel beachteter Konjunkturindikator verbessert sich bereits zum...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Industrie unter Druck: Auftragseingänge brechen überraschend ein
08.06.2026

Die deutsche Industrie bekommt die Folgen geopolitischer Spannungen zunehmend zu spüren. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung trüben...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue H2-Cluster im Norden: Wasserstoff-Durchbruch oder Milliardenwette?
08.06.2026

Norddeutschland baut an den ersten Bausteinen einer Wasserstoffwirtschaft. Doch der Bundesrechnungshof warnt: Ein Netz allein schafft noch...

DWN
Finanzen
Finanzen DroneShield-Aktie: Rekordaufträge treffen auf Vertrauenskrise
08.06.2026

Operativ läuft es für DroneShield besser denn je. Doch die DroneShield-Aktie befindet sich im Sinkflug. Während neue Großaufträge und...

DWN
Politik
Politik Nato-Kampfjets schießen Drohne über Lettland ab – welche Folgen hat der Vorfall?
08.06.2026

Erneut gibt es einen Vorfall im Luftraum eines Nato-Mitglieds. Über Lettland wurde ein unbekanntes Flugobjekt entdeckt und schließlich...