Politik

Zölle auf Wein? Deutsche Winzer blicken mit Sorge auf mögliche US-Zölle

Strafzölle in Höhe von 200 Prozent auf Weinimporte aus der EU – mit diesem Szenario hatte US-Präsident Donald Trump noch im April gedroht. Doch wie schlimm kommt es wirklich? Deutsche Winzer blicken jedenfalls mit Sorge auf potentielle US-Wein-Zölle, die Verhandlungen auf politischer Ebene laufen. Wird es gelingen, den wichtigsten Exportmarkt für deutschen Wein zu sichern? Und welche Folgen hätten hohe Wein-Zölle?
11.07.2025 10:19
Lesezeit: 2 min

Deutsche Winzer fürchten mögliche US-Zölle

Mit großer Anspannung verfolgen deutsche Winzer die Entscheidung der USA über neue Importabgaben. "Wenn die angedrohten US-Zölle nach Ablauf des Moratoriums vollumfänglich gelten, führt das zu Turbulenzen auf den globalen Weinmärkten", warnt das Deutsche Weininstitut (DWI) mit Sitz in Bodenheim, Rheinhessen.

Nach der Ankündigung der Strafzölle auf Wein im März kam der Weinexport in die USA vorübergehend komplett zum Stillstand. In den letzten Wochen nutzten viele Weinerzeuger die Phase mit reduzierten Tarifen, um möglichst viel deutschen Wein auszuführen. "Durch begrenzte Lagerkapazitäten war das aber nur eingeschränkt umsetzbar", erklärt DWI-Sprecher Ernst Büscher. Die USA gelten als wichtigster Zielmarkt für deutschen Weinexport.

US-Zölle machen deutschen Wein weniger konkurrenzfähig

Die neuen Importabgaben würden den Preis für deutschen Wein auf dem US-Markt deutlich erhöhen, so Büscher weiter. Damit erhielten US-Weine oder Produkte aus Staaten ohne Strafzölle auf Wein klare Vorteile im Wettbewerb. Die bereits im Oktober 2019 während der Amtszeit von Präsident Donald Trump eingeführten Strafzölle auf Wein in Höhe von 25 Prozent hatten laut Büscher bei den deutschen Weinexporteuren Umsatzverluste von über 20 Prozent verursacht.

Zwischen April 2024 und März 2025 wurden 12,8 Millionen Liter Wein in die USA exportiert, was Einnahmen von rund 61 Millionen Euro brachte. Das entspricht etwa einem Sechstel des gesamten Weinexports von 380 Millionen Euro. Nach Volumenanteil stehen die USA für elf Prozent des Gesamtexports von 118 Millionen Litern. Der Durchschnittspreis lag mit 4,78 Euro je Liter über dem allgemeinen Exportmittelwert von 3,24 Euro.

Welche Folgen hätten hohe US-Strafzölle auf Wein?

Ein aktueller Bericht des ifo Instituts beleuchtet die potenziellen Auswirkungen geplanter US-Zölle auf deutsche Exporte. Demnach könnten deutsche Ausfuhren in die USA um annähernd 15 Prozent zurückgehen, sollte die US-Regierung unter Präsident Trump neue Handelsbarrieren einführen. Besonders betroffen wären Branchen wie die Automobil- und Pharmaindustrie, mit Rückgängen von 32 Prozent bzw. 35 Prozent.

Für Winzer und Weinerzeuger bedeutet dies, dass der Weinexport in die USA erheblich beeinträchtigt werden könnte. Bereits in der Vergangenheit führten Strafzölle auf Wein zu einem Rückgang der deutschen Weinexporte um 30 Prozent. Die USA sind ein zentraler Markt für deutschen Wein, und weitere US-Zölle könnten den Weinexport zusätzlich belasten. Die deutsche Weinbranche steht somit vor der Herausforderung, alternative Märkte zu erschließen und die Abhängigkeit vom US-Markt zu reduzieren.

Strafzölle auf Wein: Entscheidung im August? Winzer prüfen neue Weinexport-Märkte

Viele Winzer suchen bereits nach neuen Absatzmärkten für ihren Weinexport. Mit 69 Prozent weißer Rebsorten sind deutsche Weinerzeuger laut Büscher gut positioniert. Dennoch benötige der Aufbau verlässlicher Handelsbeziehungen in neuen Märkten Zeit. Die EU verhandelt weiterhin mit den USA im Streit um die US-Zölle. Präsident Trump kündigte ein entsprechendes Schreiben an. Am Montag stellte er mehrere Zollbriefe vor – der neue Starttermin für etwaige US-Zölle ist nun der 1. August. Bis dahin bleibt Zeit für eine Lösung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Hochrechnungen knapp vor SPD
20.09.2026

Zwei Landtagswahlen, ein bitterer Abend für die CDU: In Mecklenburg-Vorpommern droht der historische Verlust des Parlamentseinzugs, in...

DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg in der Autoindustrie: Warum Rabatte die Zukunft gefährden
20.09.2026

Europas Autobauer liefern sich einen Preiskampf ausgerechnet in einer Phase, in der sie Milliarden für ihre technologische Zukunft...

DWN
Immobilien
Immobilien Schlafen überm Edeka: Wie das Baurecht Wohnen im Gewerbegebiet blockiert
20.09.2026

Obwohl bundesweit 1,4 Millionen Wohnungen fehlen und Millionen Quadratmeter Gewerbefläche leer stehen, verbietet die Baunutzungsverordnung...