Unternehmen

Stellantis-Krise: US-Zölle belasten Autobauer massiv

Stellantis muss nach einem drastischen Gewinneinbruch und schwachen Absatzzahlen erneut sparen. Der neue Chef Antonio Filosa bleibt dennoch optimistisch – trotz hoher Zölle und schwindender Nachfrage in den USA. Ein Blick auf Zahlen, Ursachen und mögliche Wendepunkte.
29.07.2025 18:04
Lesezeit: 2 min

Stellantis unter Druck: US-Zölle belasten weiter

Der Vielmarkenkonzern steckt seit geraumer Zeit in Schwierigkeiten. Hinzu kommt die US-Zollpolitik. Der neue Konzernchef Antonio Filosa zeigt sich im laufenden Geschäft dennoch zuversichtlich für den Rest des Jahres.

Hohe Sonderkosten durch Zölle erwartet

Der Autokonzern Stellantis rechnet auch im zweiten Halbjahr mit deutlichen Belastungen durch die US-Zollpolitik. Nachdem bereits in den ersten sechs Monaten 0,3 Milliarden Euro an Sonderkosten anfielen, dürften es in der zweiten Jahreshälfte weitere 1,2 Milliarden Euro sein, wie der VW-Rivale in Amsterdam mitteilte.

Der Mutterkonzern von Marken wie Peugeot, Fiat, Chrysler und Opel hatte bereits über einen Milliardenverlust im ersten Halbjahr berichtet. Ausschlaggebend waren vor allem eingestellte Modellprogramme sowie Abschreibungen auf technische Plattformen und für den Konzernumbau. Der neue Konzernchef Antonio Filosa stellt nach der Zolleinigung zwischen den USA und der EU nun eine Verbesserung im Tagesgeschäft für den weiteren Jahresverlauf in Aussicht.

Erholung im Tagesgeschäft angepeilt

So soll der Umsatz gegenüber dem ersten Halbjahr steigen. Die um Sondereffekte bereinigte operative Gewinnmarge soll sich im niedrigen einstelligen Prozentbereich bewegen. Im ersten Halbjahr lag sie lediglich bei 0,7 Prozent. Auch der freie Mittelzufluss soll sich verbessern: Nach sechs Monaten verbrannte Stellantis im Industriegeschäft – also ohne Finanzdienstleistungen – rund 3 Milliarden Euro an Barmitteln.

Deutlicher Rückgang bei Umsatz und Absatz

Die bereits bekannten Kennzahlen aus dem Tagesgeschäft bestätigte Stellantis. Der Umsatz sank um 13 Prozent auf 74,3 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal gingen die Verkäufe um 6 Prozent auf 1,4 Millionen Fahrzeuge zurück. In der ersten Jahreshälfte entspricht das einem Minus von 7 Prozent auf knapp 2,7 Millionen Fahrzeuge. Besonders im früher so margenstarken Markt Nordamerika verlor das Unternehmen weiter an Boden.

Gewinn bricht ein, Verlust im Halbjahr

Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis brach von 8,5 Milliarden Euro im Vorjahr auf nur noch 540 Millionen Euro ein – ein Rückgang um 94 Prozent. Nach gut 5,6 Milliarden Euro Gewinn im Vorjahr steht nun für die ersten sechs Monate ein Verlust von 2,3 Milliarden Euro in den Büchern.

US-Markt schwächelt weiter

Seit geraumer Zeit steckt der Vielmarkenkonzern in der Krise, weil er seine großen SUVs und Pickups in Nordamerika nicht mehr wie früher verkaufen kann. Das kostete auch den einst so einflussreichen Ex-Chef Carlos Tavares den Posten. Stellantis entstand aus der Fusion der französischen PSA-Gruppe mit dem italoamerikanischen Fiat-Chrysler-Konzern. In den USA sind mit Chrysler, Dodge, Jeep und Ram vier der 14 Fahrzeugmarken des Konzerns vertreten. Das Geschäft mit den hochpreisigen SUVs und Pickups trug lange den Großteil des US-Gewinns.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Cartier Tank oder Santos – welche ist zeitloser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Design-Kenner sehen in der klar reduzierten Tank das zeitlosere Statement, während die vielseitigere...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: US-Aktien schließen nach Tech-Rücksetzer im Minus
23.09.2026

Welche geopolitischen und wirtschaftlichen Faktoren die Wall Street zur Wochenmitte aus der Bahn warfen.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Starker Dollar und Zinssorgen belasten Goldkurs
23.09.2026

Der Goldpreis fällt am Mittwoch deutlich. Ein stärkerer US-Dollar und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed...

DWN
Politik
Politik Spritpreise: Deutschland plant den Deckel, Kroatien begrenzt schon heute
23.09.2026

Die Spritpreise steigen, und Europas Regierungen greifen immer stärker in den Markt ein. Deutschland senkt die Energiesteuer und plant...

DWN
Politik
Politik Protest gegen EU-Bürokratie: 13 EU-Staaten wollen Brüssel einbremsen
23.09.2026

Österreich macht gemeinsam mit zwölf weiteren EU-Staaten Druck auf Brüssel: Ein Jahr lang soll bei neuen EU-Gesetzen weitgehend auf die...

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt – BSW als Zünglein an der Waage?
23.09.2026

Die Atmosphäre sei gut, die Gespräche konstruktiv: In Sachsen-Anhalt tasten sich AfD und BSW langsam heran. Ein Patt im Landtag könnte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Henkel-Aktie unbeeindruckt: Grünes Licht für Stahl Parent-Übernahme
23.09.2026

Der Konsumgüterkonzern Henkel darf den niederländischen Spezialbeschichtungshersteller Stahl Parent für 2,1 Milliarden Euro übernehmen....

DWN
Politik
Politik Drohnenhersteller Stark Defence: Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen
23.09.2026

Der Drohnenhersteller Stark Defence steht bei einer Bundeswehr-Großbestellung von Kampfdrohnen in den Startlöchern: Die an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
23.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...