Wirtschaft

Oracle-Aktie explodiert: Ellison wird reichster Mensch der Welt

Die Oracle-Aktie schießt durch die Decke – und Larry Ellison stößt Elon Musk vom Thron. Milliarden-Deals mit OpenAI und eine aggressive Cloud-Strategie machen Oracle zum heimlichen König der KI-Revolution.
11.09.2025 11:00
Lesezeit: 3 min
Oracle-Aktie explodiert:  Ellison wird reichster Mensch der Welt
Larry Ellison triumphiert: Mit dem Kurssprung der Oracle-Aktie überholt er Elon Musk und steigt zum reichsten Menschen der Welt auf. (Foto: dpa | John G. Mabanglo) Foto: John G. Mabanglo

Ellison setzt auf KI-Cloud – und übertrifft alle Erwartungen

Die Oracle-Aktie verzeichnete den größten Kurssprung seit 1992, nachdem das Unternehmen einen aggressiven Ausblick für sein Cloud-Geschäft präsentierte und damit seine Position im Rennen um die Deckung der Nachfrage nach Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz festigte. Die Aktie stieg am Mittwochvormittag in New York zeitweise um 43 Prozent, womit die Marktkapitalisierung 969 Milliarden Dollar (827,83 Milliarden Euro) erreichte. Damit wurde Mitgründer Larry Ellison zum reichsten Menschen der Welt – noch vor Elon Musk. Auch KI-nahe Aktien wie der Chipentwickler Nvidia und asiatische Zulieferer legten zu.

Cloud-Deals mit OpenAI treiben Wachstum in ungeahnte Höhen

Bekannt für seine Datenbanksoftware, hat Oracle in jüngster Zeit im boomenden Cloud-Markt Fuß gefasst und entwickelt sich zu einem zentralen Anbieter von KI-Rechenkapazität – im Wettbewerb mit den Cloud-Giganten Amazon, Microsoft und Alphabet-Tochter Google. Im Sommer schloss Oracle einen beispiellosen Vertrag mit OpenAI, dem Betreiber von ChatGPT, über 4,5 Gigawatt Rechenzentrumsleistung – genug Energie, um Millionen amerikanische Haushalte zu versorgen. Auch Nvidia und Bytedances TikTok zählen zu den wichtigsten Cloud-Kunden. Solche Deals trieben die „Remaining Performance Obligations“ – ein Maß für Auftragsbestände – im ersten Fiskalquartal auf 455 Milliarden Dollar, teilte Oracle am Dienstag mit. Das ist mehr als das Vierfache des Vorjahres und ebenfalls etwa viermal so hoch wie Googles Auftragsrückstand, wie Bloomberg Intelligence berichtet – ein Signal, dass Oracles Cloud-Wachstum das von Google übertreffen könnte. „Es war ein erstaunliches Quartal“, erklärte CEO Safra Catz. Die Nachfrage nach Oracles Cloud-Infrastruktur steige weiter. Das Unternehmen habe vier Verträge über mehrere Milliarden Dollar mit drei Kunden abgeschlossen und erwarte in den kommenden Monaten weitere Abschlüsse, die die „Remaining Performance Obligations“ auf über 500 Milliarden Dollar heben sollen.

Analysten im Schockzustand: „Eine tektonische Verschiebung“

Künftige Aufträge würden in den nächsten Jahren ein schnell wachsendes Cloud-Infrastrukturgeschäft ermöglichen, so Catz. Diese Sparte werde in diesem Fiskaljahr um 77 Prozent auf 18 Milliarden Dollar steigen und sich weiter dynamisch entwickeln, bis Mai 2030 auf 144 Milliarden Dollar Jahresumsatz. „Wir alle stehen unter Schock – im sehr, sehr positiven Sinn“, sagte Brad Zelnick, Analyst bei der Deutschen Bank, während der Gewinnkonferenz. „Es gibt keinen besseren Beweis für eine tektonische Verschiebung in der Computerwelt als diese Zahlen.“ Schon vor den jüngsten Ergebnissen war die Oracle-Aktie stark gestiegen: Seit Jahresbeginn hatte sie sich bis Dienstag um 45 Prozent verteuert – viermal so stark wie der S&P 500. Der Kurssprung am Mittwoch zog auch andere KI-Aktien nach oben, darunter Nvidia mit plus 4,1 Prozent. In Asien stiegen Nvidias Zulieferer, darunter Advantest in Japan (+3,2 Prozent) und SK Hynix in Südkorea (+5,6 Prozent).

Milliardeninvestitionen belasten, doch KI bleibt Wachstumsmotor

Oracles Prognose unterstreicht den Bedarf globaler KI-Entwickler, ihre Investitionen massiv auszuweiten. OpenAI, Kunde von Oracle, schätzt, dass über die Zeit Billionen Dollar in die Infrastruktur fließen müssen, um seine Dienste zu betreiben. Auch andere US-Konzerne gaben jüngst Anlass zur Hoffnung. Broadcom meldete vergangene Woche den Gewinn eines neuen Großkunden – laut Insidern OpenAI – und überraschte Anleger mit einem besseren Ausblick. Die starke Prognose von Oracle überdeckte ein ansonsten gemischtes Quartal: Die Cloud-Umsätze stiegen um 55 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar (erwartet waren 53 Prozent). Der bereinigte Gewinn lag bei 1,47 Dollar je Aktie (Prognose 1,48). Der Umsatz belief sich auf 14,9 Milliarden Dollar, plus 12 Prozent, jedoch unter den Schätzungen. Anleger wollen nun mehr Klarheit über die langfristige Profitabilität des Cloud-Geschäfts für KI-Kunden. Die Wall Street erwartet, dass der freie Cashflow des Unternehmens wegen der massiven Kosten für Rechenzentren das zweite Jahr in Folge negativ bleibt. Die Investitionen würden in diesem Jahr rund 35 Milliarden Dollar betragen, erklärte Catz – deutlich mehr als die von Analysten erwarteten 26 Milliarden. Das Unternehmen setze verstärkt auch intern auf KI, um die operative Marge zu verbessern, so Catz. In den vergangenen Monaten habe Oracle zudem Hunderte Mitarbeiter entlassen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Verteidigungstechnik: Deutsches Drohnenunternehmen steigt bei HEVI Optronics ein
12.03.2026

Ein deutsches Drohnenunternehmen steigt beim estnischen Sensorhersteller HEVI Optronics ein und übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung....

DWN
Politik
Politik Konflikt im Persischen Golf: Trump ruft zur Nutzung der Straße von Hormus auf
12.03.2026

US-Präsident Donald Trump sieht die USA im Konflikt mit dem Iran militärisch im Vorteil und fordert Ölfirmen auf, die Straße von Hormus...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autoindustrie in der Krise: Warum 2026 wieder besser werden könnte
12.03.2026

Die Gewinne brechen ein, die Unsicherheit wächst – doch die deutsche Autoindustrie setzt auf eine Wende. Warum Experten ausgerechnet...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zalando: Schließung in Erfurt überschattet starkes Wachstum
12.03.2026

Zalando meldet starkes Wachstum, steigende Umsätze und Fortschritte bei KI. Doch die Schließung des großen Logistikstandorts in Erfurt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo: Ölreserven halten nur drei Monate
12.03.2026

Die strategischen Ölreserven der Welt könnten schneller aufgebraucht sein als gedacht. Ifo-Chef Clemens Fuest warnt vor Knappheit,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fünf Warnsignale für Unternehmen: Woran lässt sich schwaches Management erkennen?
12.03.2026

Viele Unternehmen wirken nach außen stabil, obwohl sich intern bereits Schwächen in Strategie, Entscheidungsprozessen und Organisation...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Logistikverbände schlagen Alarm: Hohe Spritpreise sind nicht zu verkraften - staatliche Entlastung ist notwendig
12.03.2026

Deutsche Logistikverbände ⁠schlagen wegen der kriegsbedingt gestiegenen Kraftstoffpreise Alarm. In einem Appell fordern sie von der...

DWN
Panorama
Panorama Künstliche Intelligenz in der Medizin: Wie zuverlässig sind KI-Diagnosen wirklich?
12.03.2026

Künstliche Intelligenz gewinnt auch im Gesundheitsbereich zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Menschen wenden sich bei Beschwerden...