Unternehmen

NATO-Ostflanke: Drohnenhersteller Quantum Systems unterstützt die Bundeswehr-Brigade in Litauen

Der deutsche Drohnenhersteller Quantum Systems expandiert nach Litauen und baut dort ein umfassendes Wartungs- und Logistikzentrum für seine militärischen UAV-Systeme auf – direkt an der NATO-Ostflanke. Die Nähe zur neu stationierten Bundeswehr-Brigade macht Vilnius strategisch besonders attraktiv. Zugleich intensiviert das Unternehmen seine Kooperationen mit baltischen Hightech-Firmen und nutzt Daten aus dem Ukrainekrieg für die Weiterentwicklung seiner Systeme.
22.11.2025 16:00
Lesezeit: 2 min

Wartungszentrum an der NATO-Ostflanke geplant

Das Unternehmen hat eine Tochtergesellschaft in Vilnius gegründet: „Quantum-Systems“, eingetragen am 31. Oktober, wie aus den Daten des litauischen Unternehmensregisters hervorgeht. Der Geschäftsführer der litauischen Einheit, Donatas Sirgedas, erklärte, dass Quantum Systems plane, sich gemeinsam mit der Verteidigungs- und Hightech-Industrie der NATO-Ostflanke zu entwickeln und vor Ort Wartungs-, Reparatur- und Supportleistungen anzubieten, so das litauische Portal Verslo Zinios.

„Die Präsenz an der Ostflanke ist ein strategisches Bekenntnis. Wir sehen hier große Chancen für die Integration fortschrittlicher Lösungen. Ein entscheidender Faktor ist die deutsche Brigade, da die Bundeswehr unsere Systeme nutzt und die Brigade dieselben Systeme haben wird wie in Deutschland. Sie benötigen Wartung und Support vor Ort. Ein komplettes SSTLC-Paket, also Service, Support, Training und Logistik“, erläuterte Sirgedas. Produktion in Litauen sei kurzfristig nicht geplant, könne aber künftig abhängig vom Bedarf und den Auftragsvolumina geprüft werden.

Kooperationen mit baltischen Hightech-Firmen und einzigartige Kampferfahrung

Quantum Systems zeigt starkes Interesse an Kooperationen mit Unternehmen der NATO-Ostflanke. Aktuell produziert das Unternehmen allein in der Ukraine 40-80 Drohnen pro Monat. „Wir interessieren uns für neue Lösungen und Kapazitäten der regionalen Industrie. Für unsere Produktionsmengen benötigen wir Partner“, so Sirgedas.

Bereits im Mai unterzeichnete Quantum Systems ein Memorandum of Understanding mit dem litauischen Lasertechnikunternehmen Aktyvus Photonics, bei dem Sirgedas früher tätig war. Am 25. November soll ein weiteres Abkommen mit der Drohnenkomponentenfirma ADV Defense folgen. Das ist ein Unternehmen, das laut Registerdaten der Familie Paukštis (AGP Investments, 20 Prozent) und dem früheren litauischen Militärchef Valdemaras Rupšys und seinem Sohn (je 40 Prozent) gehört.

Das Kernprodukt von Quantum Systems ist der mittelreichweitige militärische UAV „Vector“, der in der Ukraine hergestellt und umfassend auf dem Schlachtfeld getestet wurde. „Wir testen unsere Systeme in der Ukraine, erhalten Nutzerfeedback direkt von der Front und können die Weiterentwicklung entsprechend beschleunigen. Ohne echte Kampfdatensätze wäre man auf Simulationen angewiesen. Wir haben reale Daten zu Störsignalen, zum Betrieb ohne Verbindung, zum Einsatz von KI. KI ohne Daten ist wertlos“, betont Sirgedas.

Parallel entwickelt das Unternehmen die Mission-Control-Software „Mosaic UXS“, die den gemeinsamen Einsatz von Luft-, Boden- und maritimen Drohnensystemen ermöglicht. Auch zivile Produkte wie der Kartografie-UAV Trinity gehören zum Portfolio, spielen aber angesichts des Rüstungsbooms nur noch eine untergeordnete Rolle.

Quantum Systems beschäftigt weltweit rund 900 Mitarbeiter und erwartet 2025 einen Anstieg auf über 1.000. Der Umsatz lag 2024 bei 120 Millionen Euro, für 2025 erwartet das Unternehmen über 200 Millionen Euro. Laut einem Bericht des Manager Magazin, auf den sich Reuters beruft, steht Quantum Systems kurz vor dem Abschluss einer 150-Millionen-Euro-Investitionsrunde, die den Unternehmenswert auf rund 3 Milliarden Euro verdreifachen könnte. Das Unternehmen ist im Großraum München ansässig und betreibt Werke in Deutschland, den USA, der Ukraine und Australien.

Litauen als Rüstungsstandort: Bedeutung für Deutschland

Für Deutschland ist die Expansion von Quantum Systems nach Litauen hochrelevant:

  • Die stationierte Bundeswehr-Brigade erhält direkten technischen Support
  • Die Drohnenlogistik rückt näher an den neuralgischen Punkt der NATO-Ostflanke
  • Deutschland stärkt seine Rolle als führender Anbieter militärischer Drohnentechnologie in Europa

Zudem zeigt der Schritt, wie deutsche Unternehmen verstärkt auf dezentrale Produktions- und Supportstrukturen setzen, um flexibler auf sicherheitspolitische Entwicklungen reagieren zu können.

Quantum Systems’ Expansion nach Litauen zeigt, wie eng industrielle Modernisierung, NATO-Strategie und Kampferfahrung aus der Ukraine miteinander verflochten sind. Der Schritt stärkt sowohl die operative Einsatzfähigkeit der Bundeswehr als auch die technologische Präsenz Deutschlands an der Ostflanke. Litauen wird dadurch zu einem zentralen Standort der europäischen Drohnen- und Sicherheitsindustrie. Dies ist ein Signal, dass Europas Verteidigungssektor nicht nur wächst, sondern sich neu organisiert, vernetzt und strategisch ausrichtet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Bremer Immobilienmarkt unter Druck: Strategien für Käufer und Verkäufer im aktuellen Zinsumfeld

Der Immobilienmarkt in Bremen befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Nach Jahren des kontinuierlichen Preisanstiegs...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

DWN
Finanzen
Finanzen Allianz-Aktie mit Rekordzahlen: Geht die Rally jetzt weiter?
07.08.2026

Die Allianz liefert erneut starke Zahlen und übertrifft mit ihrem operativen Gewinn die Erwartungen. Gleichzeitig steht die Allianz-Aktie...

DWN
Finanzen
Finanzen Daimler Truck-Aktie fällt nach Gewinneinbruch: Was Anleger jetzt wissen müssen
07.08.2026

Die Daimler Truck-Aktie steht nach den Quartalszahlen unter Druck: Der Gewinn des DAX-Konzerns ist deutlich eingebrochen, weil unter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Taxifahren: eine Frage des Preises?
07.08.2026

Die Taxi-Branche steckt in der Krise - und macht vor allem Mietwagenplattformen wie Uber oder Bolt dafür verantwortlich. Ein...

DWN
Politik
Politik NATO-Reform: Saluschnyj erklärt das mächtigste Militärbündnis der Welt für überholt
07.08.2026

Die Ukraine wollte jahrelang von der NATO lernen. Nun erklärt ihr früherer Oberbefehlshaber das Bündnis für militärisch überholt und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Boeing und Salesforce belasten, während Iran-Spannungen die Wall Street verunsichern
06.08.2026

Erfahren Sie, welche aktuellen geopolitischen Entwicklungen und überraschenden Unternehmensmeldungen die Wall Street heute ins Wanken...

DWN
Finanzen
Finanzen Krankenkassen verzocken Millionen mit Immobilienfonds
06.08.2026

220 Millionen Euro Beitragsgelder sind laut Medienberichten durch riskante Investments verloren gegangen, weitere Verluste drohen. Nun...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Börsencrash in China: Warum Peking Banken rettet, aber die Wirtschaft nicht
06.08.2026

Chinas Wirtschaft gerät gefährlich ins Rutschen, doch Peking verweigert die erwarteten Konjunkturhilfen. Stattdessen entstehen neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rhein-Niedrigwasser: Minister will Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen kippen
06.08.2026

Das extreme Niedrigwasser auf dem Rhein bringt Lieferketten unter Druck und zwingt die Politik zu ungewöhnlichen Maßnahmen....