Politik

Deutschland schaltet ab – aber nicht fürs Klima: Atom-Ausstieg unter der Lupe

Entgegen weit verbreiteter Darstellungen war der Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland nicht primär eine Maßnahme zum Schutz des Klimas. Vielmehr reagierte die Bundesregierung auf die Katastrophe von Fukushima und die damit verbundenen Sicherheitsrisiken.
17.11.2025 05:59
Lesezeit: 2 min
Deutschland schaltet ab – aber nicht fürs Klima: Atom-Ausstieg unter der Lupe
Ein Fass mit einem aufgemalten Atom-Zeichen steht als Protestaktion am Gelände vom Schacht Konrad (Foto: dpa). Foto: Julian Stratenschulte

Die Debatte um den Atomausstieg ist bis heute lebhaft und oft emotional geführt – nicht selten werden Fakten dabei vereinfacht oder verzerrt. So kursiert im Netz die Vorstellung, Deutschland habe als einziges Land seine Atomkraftwerke zugunsten des Klimas abgeschaltet. In Wirklichkeit stehen Sicherheits- und Entsorgungsfragen im Vordergrund, während der Klimaschutz in Deutschland vor allem über den Ausstieg aus der Kohle umgesetzt werden soll.

Fakten

Auf der Webseite des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) heißt es hierzu: "Auslöser für die Abstimmung im Deutschen Bundestag - und die Entscheidung für den Atomausstieg - war die Nuklearkatastrophe in Fukushima vom 11. März 2011."

Der schwere Reaktorunfall in Japan lösten umgehend einen breit geführten gesellschaftspolitischen Diskurs über die künftige Nutzung der Kernenergie aus, wie beispielsweise auf der Webseite des Bundesrats nachzulesen ist.

Bei der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel führte der Unfall zu einem Umdenken, das sie drei Tage später vor Kameras erklärte: "Die Ereignisse in Japan lehrten uns, dass Risiken, die für absolut unwahrscheinlich gehalten wurden, doch nicht vollends unwahrscheinlich sind." Kurz darauf forderte sie im Bundestag einen "Atomausstieg mit Augenmaß".

Eigentlich hatte die schwarz-gelbe Regierung einen von Rot-Grün 2002 beschlossenen Atomausstieg erst 2010 wieder zurückgedreht. Doch nach der Fukushima-Katastrophe folgte ein Bundestagsbeschluss im Sommer 2011, der von einer parteiübergreifenden Mehrheit getragen wurde. Gerade deshalb hatte die Entscheidung im Bundestag BASE zufolge eine "besondere Qualität": Befürworter wie Gegner von Atomenergie waren sich damit einig, wie es beim bei dem Bundesamt heißt.

IEA: Mehr als 40 Staaten planen Ausbau

Im April 2023 wurden hier die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet. Derzeit betreiben laut Statistischem Bundesamt 12 der 27 EU-Staaten Kernkraftwerke. 15 Länder in Europa erzeugen also keine Kernenergie.

Darunter sind neben Deutschland zum Beispiel auch Österreich, Portugal und Italien. In vielen Ländern wird Atomenergie breit diskutiert - ob mögliche Einstiege in die Kernkraft, etwa in Dänemark, oder Kursänderungen in Ländern, die aussteigen wollen, wie in Spanien, aber auch im deutschen Nachbarland Schweiz.

In Belgien wurden frühere Ausstiegspläne aufgehoben. Laut einer Studie der Internationalen Energieagentur (IEA) planen mehr als 40 Staaten auf der Welt einen Ausbau der Stromerzeugung durch Kernkraft.

Ob Atomkraft für eine klimafreundliche Energiepolitik sinnvoll ist, ist auch in Deutschland weiterhin umstritten. Anders als der Atomausstieg ist der schrittweise Ausstieg aus der Stromerzeugung aus Kohle, der 2020 nach langen Verhandlungen beschlossen wurde, klimapolitisch begründet.

Suche nach Endlager für hochradioaktiven Müll läuft

Die IEA erklärt auch drohende Abhängigkeiten als daraus resultierende Risiken, wie etwa die "Tagesschau" im Zusammenhang mit dem "Comeback" der Kernkraft berichtet. Ein aktueller Stand zur Kernenergie in Europa ist beim Statistischen Bundesamt zu finden. Eine Übersicht zur globalen Atomkraft ist im World Nuclear Industry Status Report 2025 zu finden.

Mehr Informationen sind ebenfalls in dem ausführlichen BASE-Bericht "Atomausstieg in Deutschland: Viele Aufgaben in der nuklearen Sicherheit bleiben" zusammengetragen. Unter anderem beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung und beim BASE ist darüber hinaus nachzulesen, wie schwierig die Suche nach einem Endlager für atomaren Müll ist.

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