Politik

Handelskonflikt spitzt sich zu: Chinas Exportüberschuss setzt EU unter Druck

Chinas Handelsmacht wächst schneller als die politischen Reaktionsmechanismen in Europa. Wie lange kann die EU diese Entwicklung noch hinnehmen, ohne ihre wirtschaftlichen Interessen zu gefährden?
08.01.2026 06:04
Lesezeit: 3 min
Handelskonflikt spitzt sich zu: Chinas Exportüberschuss setzt EU unter Druck
Chinas wachsender Handelsüberschuss verschärft die Spannungen mit der EU und erhöht den Druck auf Europas Handelspolitik gegenüber chinesischen Exporten (Foto: dpa) Foto: Christian Charisius

Chinas Exportmaschine kennt keine Grenzen

China baut seinen Handelsüberschuss weiter aus und erreicht gegenüber dem Rest der Welt neue Rekordwerte. Nur US-Präsident Donald Trump gelang es mit einer aggressiven und unkonventionellen Handelspolitik, die Dynamik zeitweise zu bremsen.

In den 27 EU-Staaten fehlt eine vergleichbare politische Durchsetzungskraft. Die chinesische Produktions- und Exportmaschinerie beschleunigt weiter, während Europa bislang keine wirksamen Gegenmaßnahmen findet.

EU und China steuern auf eine Konfrontation zu

Jens Eskelund, Präsident der Europäischen Handelskammer in China, hält eine Zuspitzung zwischen China und der EU für unausweichlich. Das Handelsverhältnis gleiche einer Fliege, die auf eine Windschutzscheibe zusteuere.

Auf dem Spiel stehen enorme wirtschaftliche Interessen zweier der weltweit größten Handelsblöcke. Anders als in den USA fehlt der EU jedoch eine zentrale Entscheidungsinstanz, da handelspolitische Maßnahmen einstimmig beschlossen werden müssen und Prozesse entsprechend langsam verlaufen.

Die Drohungen aus Europa nehmen dennoch zu. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stellte Anfang Dezember Strafzölle in Aussicht, sollte China nichts gegen das wachsende Handelsdefizit der EU unternehmen.

Er erklärte gegenüber Les Echos, zitiert von Reuters, Chinas Überschuss sei nicht tragfähig, da das Land seine eigenen Kunden zerstöre, indem es immer weniger aus Europa importiere. Für konkrete Schritte benötigt Macron jedoch die Zustimmung aller EU‑Mitglieder.

Brüssel sieht einen Wendepunkt erreicht

Bereits im Sommer sprach EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach Gesprächen mit Präsident Xi Jinping in Peking von einem klaren Wendepunkt in den Beziehungen. Die EU habe ihre Sorgen zu Handel, Investitionen und geopolitischen Fragen offen angesprochen.

Trotzdem wächst Chinas Exportüberschuss gegenüber der EU weiter. Parallel dazu hält Peking an seiner Unterstützung Russlands im Ukrainekrieg fest, was den politischen Druck in Brüssel zusätzlich erhöht.

Jens Eskelund geht davon aus, dass die EU bald gezwungen sein wird, weitere weitreichende Entscheidungen zu treffen. Dazu könnten neue Handelshemmnisse gehören, ähnlich den bereits eingeführten Zöllen auf chinesische Elektroautos, die bislang kaum Wirkung zeigten.

In einer Analyse der Europäischen Handelskammer verweist Eskelund auf die massive Handelsungleichheit, eine unterbewertete chinesische Währung sowie kritische Abhängigkeiten europäischer Unternehmen von China.

Dreifache Kritik an Pekings Wirtschaftspolitik

Die Kritik richtet sich gegen mehrere Aspekte zugleich. Dazu zählen die bewusste Schwächung der eigenen Währung zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, der Einsatz von Exportbeschränkungen bei seltenen Erden und der massive Abfluss von Waren, die im chinesischen Binnenmarkt kaum Absatz finden. Diese Strategie setze lokale Unternehmen unter Druck und verschärfe globale Handelsverwerfungen.

Ähnliche Töne kamen im Dezember vom Internationalen Währungsfonds. IWF-Chefin Kristalina Georgieva erklärte in Peking, China sei zu groß, um dauerhaft hohes Wachstum allein über Exporte zu erzielen. Niedrige Inflation im Vergleich zu Handelspartnern habe zu einem starken Rückgang des realen Wechselkurses geführt. Das verbillige Exporte, verlängere die Exportabhängigkeit und verschärfe externe Ungleichgewichte.

Rekordüberschuss sorgt weltweit für Unruhe

Chinas Handelsüberschuss überschritt erstmals die Marke von einer Billion Dollar. Das entspricht rund 860 Milliarden Euro und wurde noch vor Jahresende erreicht, ein historischer Höchstwert. Angetrieben wurde dieser Rekord durch Exporte im Umfang von 3400 Milliarden Dollar. Internationale Beobachter vergleichen die Entwicklung mit dem ersten China-Schock nach dem WTO-Beitritt Anfang der 2000er Jahre.

Der Unterschied zu früher liegt in der Qualität der Produkte. China tritt heute nicht mehr nur mit günstigen Waren auf, sondern auch mit wettbewerbsfähiger Hochtechnologie. Deflation und niedrige Preise im Inland verstärken diesen Effekt. Bemerkenswert ist zudem, dass China in nahezu allen Weltregionen Exportzuwächse erzielt.

Eine Ausnahme bilden die Vereinigten Staaten. Nach einer Phase massiver gegenseitiger Strafzölle herrscht derzeit eine fragile Waffenruhe im Handelskonflikt. Der Anteil der US‑Exporte an Chinas Gesamtausfuhren sank von 14,67 Prozent im Jahr 2024 auf rund 11 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Lieferungen nach Vietnam, Thailand und Malaysia deutlich.

Beobachter gehen davon aus, dass Länder des ASEAN-Raums zunehmend als Zwischenstationen für den Weiterexport genutzt werden. Dadurch verzeichnet China dort inzwischen Überschüsse statt Defizite. Diese Entwicklung nährt in Europa und den USA den Verdacht gezielter Umgehungsstrategien bestehender Handelsbeschränkungen.

Folgen für die deutsche Wirtschaft

Für Deutschland als exportorientierte Industrienation verschärft Chinas Exportdominanz den Wettbewerbsdruck spürbar. Besonders betroffen sind Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Automobilindustrie und Elektrotechnik, die sowohl auf dem Weltmarkt als auch im chinesischen Binnenmarkt Marktanteile verlieren könnten.

Zugleich steigt für deutsche Unternehmen das Risiko strategischer Abhängigkeiten von chinesischen Vorprodukten. Die Debatte über wirtschaftliche Resilienz und handelspolitische Gegenmaßnahmen dürfte daher auch in Berlin an Bedeutung gewinnen.

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