Wirtschaft

Ifo-Geschäftsklimaindex zum Jahresstart unter den Erwartungen: Wirtschaft ohne Schwung

Die deutsche Wirtschaft ist überraschend verhalten ins Jahr 2026 gestartet: Der Ifo-Geschäftsklimaindex blieb im Januar bei 87,6 Punkten und damit unter den Erwartungen von Volkswirten, die einen Anstieg auf 88,2 Punkte prognostiziert hatten. Ifo-Chef Clemens Fuest spricht von einer „Nullnummer zum Jahresstart“.
26.01.2026 15:06
Aktualisiert: 26.01.2026 15:06
Lesezeit: 2 min

Ifo-Geschäftsklimaindex bleibt im Januar unter den Erwartungen: Unsicherheit durch Trumps Zölle

Während die Urteile zur aktuellen Lage geringfügig nach oben korrigiert wurden, trübten sich die Erwartungen leicht ein. Das Ifo-Institut befragt monatlich 9.000 Unternehmen. Der Index gilt als wichtigstes Konjunkturbarometer in Deutschland.

Andreas Scheuerle, Leiter Industrieländer bei der DekaBank, sieht negative Folgen der jüngsten Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Grönland-Konflikt. Zwar sei mit der Rücknahme der Zolldrohung eine Bruchlandung der Unternehmensstimmung ausgeblieben, "doch sie scheint Spuren hinterlassen zu haben", schrieb Scheuerle. Spätestens jetzt werde klar, dass die USA Zölle nicht mehr nur für ökonomische, sondern zunehmend auch für geopolitische Ziele einsetzen. "Unsicherheit ist die Folge."

Nach zwei Rückgängen in Folge sei eine Erholung des Ifo-Geschäftsklimas erwartet worden, schrieb Commerzbank -Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Dass diese ausblieb, ist eine Enttäuschung." Der Trend beim Ifo-Geschäftsklima weise nicht mehr nach oben. Das dürfte vor allem daran liegen, dass viele Unternehmen über das Ausbleiben breit basierter Reformen enttäuscht sind. "Die Wirtschaft dürfte sich in diesem Jahr nur zögerlich erholen."

Mehr Zuversicht in Industrie und Handel

Innerhalb der Branchen blieb das Bild gemischt. Zwar verbesserte sich die Stimmung in der Industrie. "Die Unternehmen waren zufriedener mit den laufenden Geschäften", schrieb das Ifo. "Auch die Erwartungen fielen deutlich weniger skeptisch aus." Allerdings gab die Kapazitätsauslastung auf 77,5 Prozent nach und lag damit weiter unter dem langfristigen Mittelwert. Am Bau hellte sich die Stimmung der Unternehmen auf. Den Trend sieht das Ifo auch im Handel: "Die Unternehmen zeigten sich merklich zufriedener mit der Geschäftslage." Hingegen trübte sich im Dienstleistungssektor und im Tourismus das Geschäftsklima ein.

Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sprach von einer "Nullnummer zum Jahresauftakt." Das sei schon etwas enttäuschend, da sich die meisten anderen Indikatoren für die deutsche Wirtschaft zuletzt verbessert hatten. Nach Einschätzung der Bundesbank wird die Konjunktur nur langsam Fahrt aufnehmen. Sie rechnet im ersten Quartal mit einem verhaltenen Wachstum. Ökonomen erwarten für 2026 rund ein Prozent Wachstum, vor allem wegen der staatlichen Milliardenausgaben für Infrastruktur und Rüstung. Jedoch belasten die hohen US-Zölle und starke Konkurrenz aus China die Industrie.

2025 war die deutsche Wirtschaft knapp am dritten Jahr in Folge ohne Wachstum vorbeigeschrammt. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ESG-Investitionen unter Druck: Was der amerikanische Rückzug für europäische Anleger bedeutet

Die Entscheidung mehrerer grosser amerikanischer Vermögensverwalter, sich aus ESG-bezogenen Investitionsallianzen zurückzuziehen, hat in...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Wall Street legt zu, Dow über 50.000
14.05.2026

Ein historischer Handelstag bricht Rekorde: Entdecken Sie die Hintergründe, die den Markt aktuell antreiben und für Feierstimmung sorgen.

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie: Warum SAP im KI-Wettlauf plötzlich unter Druck gerät
14.05.2026

SAP steht mit seiner neuen KI-Offensive vor einer Bewährungsprobe, die über Wachstum, Vertrauen der Investoren und die Stärke der...

DWN
Panorama
Panorama ESC gewinnen: Gibt es eine Erfolgsformel für den Eurovision Song Contest?
14.05.2026

Der Eurovision Song Contest begeistert seit Jahrzehnten Europa – doch nach welchen Regeln wird dort wirklich gewonnen? Zwischen...

DWN
Technologie
Technologie Geothermie: Deutschland bohrt sich frei
14.05.2026

Unter Deutschlands Städten liegt ein gigantischer Wärmespeicher, der kaum genutzt wird. Jetzt drängt die Geothermie in den Mittelpunkt...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorge: Wie Pensionsfonds funktionieren und warum Zeit ein Schlüsselfaktor ist
14.05.2026

Die zusätzliche Altersvorsorge gewinnt an Gewicht, da die gesetzliche Rente für viele Menschen den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ferrari Luce: Warum der Elektro-Ferrari alles verändern könnte
14.05.2026

Ferrari wagt den radikalsten Schritt seiner Geschichte und ersetzt ikonische Motoren durch Strom. Der neue Ferrari Luce soll nicht nur...

DWN
Finanzen
Finanzen eBay-Deal sorgt für Zweifel: Warum Michael Burry seine GameStop-Aktien verkauft hat
14.05.2026

Michael Burry zieht bei der GameStop-Aktie die Reißleine, während Ryan Cohen mit eBay den bislang kühnsten Umbau des Konzerns anstrebt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lebenslauf verliert an Bedeutung: Warum sich der Bewerbungsprozess verändert
14.05.2026

Der Lebenslauf gilt für viele Arbeitgeber weiterhin als zentrales Instrument im Bewerbungsprozess und prägt maßgeblich die Auswahl von...