Wirtschaft

Arbeitsmarkt: Mehr als drei Millionen Arbeitslose in Deutschland

Die Arbeitslosenzahl steigt im Januar saisonüblich an. In diesem Jahr wurde allerdings eine wichtige Schwelle überschritten.
30.01.2026 16:00
Aktualisiert: 30.01.2026 16:00
Lesezeit: 2 min

Talsohle wird länger: Mehr als drei Millionen Arbeitslose

Der deutsche Arbeitsmarkt bleibt in einer winterlichen Starre und wartet weiter auf eine positive Trendwende. Im Januar überschritt die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erneut die Marke von drei Millionen und erreicht damit einen Stand, der seit fast zwölf Jahren nicht mehr verzeichnet wurde. Laut Bundesagentur für Arbeit waren im Januar 3,085 Millionen Menschen arbeitslos registriert, 177.000 mehr als im Dezember 2025 und 92.000 mehr als im Januar 2025. Es handelt sich um den höchsten Januar-Wert seit 2014. Die Arbeitslosenquote stieg gegenüber dem Vormonat um 0,4 Punkte auf 6,6 Prozent.

Arbeitslosenzahl steigt: Tal wird länger

Wir sind in einer Talsohle und das Tal ist wieder länger geworden", sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Andrea Nahles. "Derzeit gibt es nur wenig Dynamik am Arbeitsmarkt", erklärte sie in Nürnberg. "Es geht seit drei Jahren nicht in die richtige Richtung." Bereits im August 2025 war die Arbeitslosenzahl über drei Millionen gestiegen. Zuvor hatte sie mehr als zehn Jahre darunter gelegen. Nahles rechnet nicht damit, dass die Drei-Millionen-Schwelle schon im kommenden Monat wieder unterschritten wird.

"Es ist eine ungute Entwicklung, aber keine dramatische Entwicklung", sagte Nahles. Deutschland habe weiterhin eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Europa. Dennoch müsse 2026 der Turnaround in wichtigen Branchen gelingen, darunter Industrie und Handel. Die höchste Arbeitslosenquote unter den Bundesländern weist weiterhin Bremen mit 11,7 Prozent auf, die niedrigste Bayern mit 4,4 Prozent.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund übte Kritik an Teilen der Bundesregierung. Es helfe dem Arbeitsmarkt nicht, Arbeitnehmer schlecht zu reden. "Trotz erster Erholung der Konjunktur tritt der Arbeitsmarkt immer noch auf der Stelle", sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. "Den Sozialstaat kaputt zu reden und jeden Tag aufs Neue die Beschäftigten anzugreifen, schafft keine neuen Jobs und kein Wirtschaftswachstum."

Schlechte Kombination: Mehr Arbeitslose in Deutschland und weniger offene Stellen

Nach Angaben der Bundesagentur gestaltet es sich für Arbeitslose zunehmend schwieriger, eine neue Beschäftigung zu finden. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sank auf 598.000. Das sind 34.000 weniger als vor einem Jahr. Besonders für Ungelernte sei es schwer, einen Job zu bekommen. "Die Arbeitslosigkeit bei Akademikern liegt bei 3,3 Prozent, die bei Helfern bei 21,4 Prozent", erläuterte Nahles.

Im Januar bezogen laut Statistik 1,142 Millionen Menschen in Deutschland Arbeitslosengeld. Dem gegenüber stehen 3,826 Millionen erwerbsfähige Bürgergeldempfänger. In dieser Zahl sind jedoch auch diejenigen enthalten, die arbeiten, deren Einkommen aber nicht ausreicht und daher durch Bürgergeld aufgestockt werden muss.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) setzt auf die Wirkung staatlicher Konjunkturprogramme auch für den Arbeitsmarkt. "Als Bundesregierung investieren wir mit 500 Milliarden Euro gegen die Konjunkturflaute an und bauen unnötige Bürokratie ab", sagte sie. "Darüber hinaus investieren wir in Qualifizierung und Weiterbildung, um den Strukturwandel zu gestalten und die Beschäftigten fit zu machen für den Arbeitsmarkt von morgen."

41.000 ohne Lehrstelle

Auf dem Ausbildungsmarkt waren im Januar noch 64.000 junge Menschen bei den Arbeitsagenturen als suchend gemeldet. 23.000 verfügten zwar über Alternativen, wollten jedoch weiter nach einem Platz suchen. 41.000 hatten nach Erkenntnissen der Arbeitsagenturen bislang überhaupt keine Stelle gefunden. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, da nicht alle Bewerber sich bei der Suche an die Arbeitsagenturen wenden.

Das Angebot an Ausbildungsplätzen sei schlicht zu gering, sagte Nahles. "Wir haben nicht genügend gemeldete offene Stellen." Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger widersprach: "Nur gut die Hälfte der Unternehmen kann einen Großteil ihrer Ausbildungsplätze besetzen", sagte er. Fehlende Bewerbungen und unzureichende Qualifikation seien die größten Hindernisse. "Wir brauchen bessere Schulbildung und bessere Berufsorientierung."

Arbeitsministerin Bas appellierte an die Arbeitgeber, auch in Krisenzeiten weiter in Ausbildung zu investieren. "Denn die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen, und die werden angesichts des demographischen Wandels dringend gebraucht", sagte sie. Im Jahr 2026 sinkt erstmals seit vielen Jahren die Zahl der Beschäftigten in Deutschland. "Die Demographie macht jetzt ernst", sagte Andrea Nahles.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dänemark-Handelspolitik: „Langlebige Mythen über Afrika sind kostspielig“
29.07.2026

Afrika gewinnt im globalen Wettbewerb um Märkte, Wertschöpfungsketten und die grüne Transformation zunehmend an Bedeutung. Damit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Dieses Familienunternehmen profitierte vom Krieg, nun droht der Kontrollverlust
29.07.2026

Aller Petfood blieb mit zwei Fabriken in Russland aktiv und profitierte zunächst vom abgeschotteten Markt. Nun geraten das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäischer Gaspreis steigt wieder: Iranische Attacken nach US-Angriffsstopp – Entspannung nicht in Sicht
29.07.2026

Die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten war nur von kurzer Dauer. Neue militärische Entwicklungen lassen den europäischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Europa droht ein Preisschock und ein stärker als erwarteter Anstieg des Euribor
29.07.2026

Der 6-Monats-Euribor ist auf den höchsten Stand seit anderthalb Jahren geklettert. Der Anstieg dürfte sich fortsetzen, da ein unerwartet...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Starke Quartalszahlen stützen Erholung, Cashflow bleibt Belastungsfaktor
29.07.2026

Nach Monaten deutlicher Kursverluste zeigt sich die Rheinmetall-Aktie am Mittwoch von ihrer besten Seite – dank starker Quartalszahlen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ende der Einspeisevergütung: Was sich durch die EEG-Reform bei der Solarförderung ändert
29.07.2026

Die Bundesregierung stellt die Förderung von Solarstrom grundlegend um. Das Kabinett hat eine Reform des EEG beschlossen, die private...

DWN
Finanzen
Finanzen DWS-Aktie sackt ab: Deutsche-Bank-Tochter enttäuscht mit Erträgen
29.07.2026

Auf den ersten Blick liefert DWS starke Zahlen: Milliarden fließen neu in die Fonds, das verwaltete Vermögen erreicht einen Höchststand...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung 2025: So nutzen Sie die neuen Freibeträge und Steuerpauschalen
29.07.2026

Die Steuererklärung 2025 müssen pflichtveranlagte Steuerzahler bis spätestens 31. Juli 2026 beim Finanzamt einreichen. Auch in diesem...