Talsohle wird länger: Mehr als drei Millionen Arbeitslose
Der deutsche Arbeitsmarkt bleibt in einer winterlichen Starre und wartet weiter auf eine positive Trendwende. Im Januar überschritt die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erneut die Marke von drei Millionen und erreicht damit einen Stand, der seit fast zwölf Jahren nicht mehr verzeichnet wurde. Laut Bundesagentur für Arbeit waren im Januar 3,085 Millionen Menschen arbeitslos registriert, 177.000 mehr als im Dezember 2025 und 92.000 mehr als im Januar 2025. Es handelt sich um den höchsten Januar-Wert seit 2014. Die Arbeitslosenquote stieg gegenüber dem Vormonat um 0,4 Punkte auf 6,6 Prozent.
Arbeitslosenzahl steigt: Tal wird länger
Wir sind in einer Talsohle und das Tal ist wieder länger geworden", sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Andrea Nahles. "Derzeit gibt es nur wenig Dynamik am Arbeitsmarkt", erklärte sie in Nürnberg. "Es geht seit drei Jahren nicht in die richtige Richtung." Bereits im August 2025 war die Arbeitslosenzahl über drei Millionen gestiegen. Zuvor hatte sie mehr als zehn Jahre darunter gelegen. Nahles rechnet nicht damit, dass die Drei-Millionen-Schwelle schon im kommenden Monat wieder unterschritten wird.
"Es ist eine ungute Entwicklung, aber keine dramatische Entwicklung", sagte Nahles. Deutschland habe weiterhin eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Europa. Dennoch müsse 2026 der Turnaround in wichtigen Branchen gelingen, darunter Industrie und Handel. Die höchste Arbeitslosenquote unter den Bundesländern weist weiterhin Bremen mit 11,7 Prozent auf, die niedrigste Bayern mit 4,4 Prozent.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund übte Kritik an Teilen der Bundesregierung. Es helfe dem Arbeitsmarkt nicht, Arbeitnehmer schlecht zu reden. "Trotz erster Erholung der Konjunktur tritt der Arbeitsmarkt immer noch auf der Stelle", sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. "Den Sozialstaat kaputt zu reden und jeden Tag aufs Neue die Beschäftigten anzugreifen, schafft keine neuen Jobs und kein Wirtschaftswachstum."
Schlechte Kombination: Mehr Arbeitslose in Deutschland und weniger offene Stellen
Nach Angaben der Bundesagentur gestaltet es sich für Arbeitslose zunehmend schwieriger, eine neue Beschäftigung zu finden. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sank auf 598.000. Das sind 34.000 weniger als vor einem Jahr. Besonders für Ungelernte sei es schwer, einen Job zu bekommen. "Die Arbeitslosigkeit bei Akademikern liegt bei 3,3 Prozent, die bei Helfern bei 21,4 Prozent", erläuterte Nahles.
Im Januar bezogen laut Statistik 1,142 Millionen Menschen in Deutschland Arbeitslosengeld. Dem gegenüber stehen 3,826 Millionen erwerbsfähige Bürgergeldempfänger. In dieser Zahl sind jedoch auch diejenigen enthalten, die arbeiten, deren Einkommen aber nicht ausreicht und daher durch Bürgergeld aufgestockt werden muss.
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) setzt auf die Wirkung staatlicher Konjunkturprogramme auch für den Arbeitsmarkt. "Als Bundesregierung investieren wir mit 500 Milliarden Euro gegen die Konjunkturflaute an und bauen unnötige Bürokratie ab", sagte sie. "Darüber hinaus investieren wir in Qualifizierung und Weiterbildung, um den Strukturwandel zu gestalten und die Beschäftigten fit zu machen für den Arbeitsmarkt von morgen."
41.000 ohne Lehrstelle
Auf dem Ausbildungsmarkt waren im Januar noch 64.000 junge Menschen bei den Arbeitsagenturen als suchend gemeldet. 23.000 verfügten zwar über Alternativen, wollten jedoch weiter nach einem Platz suchen. 41.000 hatten nach Erkenntnissen der Arbeitsagenturen bislang überhaupt keine Stelle gefunden. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, da nicht alle Bewerber sich bei der Suche an die Arbeitsagenturen wenden.
Das Angebot an Ausbildungsplätzen sei schlicht zu gering, sagte Nahles. "Wir haben nicht genügend gemeldete offene Stellen." Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger widersprach: "Nur gut die Hälfte der Unternehmen kann einen Großteil ihrer Ausbildungsplätze besetzen", sagte er. Fehlende Bewerbungen und unzureichende Qualifikation seien die größten Hindernisse. "Wir brauchen bessere Schulbildung und bessere Berufsorientierung."
Arbeitsministerin Bas appellierte an die Arbeitgeber, auch in Krisenzeiten weiter in Ausbildung zu investieren. "Denn die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen, und die werden angesichts des demographischen Wandels dringend gebraucht", sagte sie. Im Jahr 2026 sinkt erstmals seit vielen Jahren die Zahl der Beschäftigten in Deutschland. "Die Demographie macht jetzt ernst", sagte Andrea Nahles.

