Politik

EU-Verbündete zweifeln an Trump: Neue Spannungen hinter den Kulissen

Das transatlantische Verhältnis gerät unter Druck, nachdem intern Zweifel am Auftreten von US-Präsident Donald Trump laut wurden. Welche Folgen hat die wachsende Verunsicherung europäischer Partner für Europas Verhältnis zu den USA?
02.02.2026 07:21
Lesezeit: 3 min

Trump schockiert europäischen Verbündeten bei Mar-a-Lago-Treffen

Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico, ein politischer Verbündeter von US-Präsident Donald Trump, hat sich nach einem Treffen mit dem US-Präsidenten besorgt über dessen Auftreten gezeigt. Wie das US-Politikmagazin „Politico“ berichtet, äußerte Fico gegenüber europäischen Spitzenvertretern erhebliche Zweifel an Trumps Gemütszustand.

Mehrere europäische Diplomaten sagten dem Magazin, Fico habe beim jüngsten EU-Gipfel erklärt, er sei vom Verhalten Trumps schockiert gewesen. Zwei der Diplomaten berichteten, Fico habe intern von einem problematischen psychologischen Zustand des US-Präsidenten gesprochen und den Eindruck, den Trump hinterlassen habe, als gefährlich bezeichnet.

Das Treffen zwischen Fico und Trump fand am 17. Januar im Mar-a-Lago-Komplex in Florida statt. Ficos Einschätzung brachte er am 22. Januar am Rande eines außerordentlichen EU-Gipfels in Brüssel zur Sprache, der nach Trumps öffentlichen Drohungen zur möglichen Übernahme Grönlands einberufen worden war.

Informelle Gespräche vor angespanntem geopolitischen Hintergrund

Nach Angaben von Politico nutzten die europäischen Staats- und Regierungschefs das Treffen in Brüssel, um die zuletzt eskalierten Spannungen mit Washington zu entschärfen. Trump hatte zuvor angekündigt, Zölle gegen mehrere europäische Länder zu verhängen, falls diese Dänemark in der Grönland-Frage unterstützen sollten, diese Drohung jedoch später wieder zurückgenommen.

Ficos Äußerungen fielen laut Diplomaten nicht in einer offiziellen Sitzung, sondern während informeller Gespräche mit mehreren Staats und Regierungschefs sowie hochrangigen EU-Vertretern. Keiner der befragten Diplomaten war selbst bei dem Treffen in Florida anwesend, erhielt jedoch unmittelbar danach detaillierte Schilderungen von beteiligten Gesprächspartnern.

Die Diplomaten sprachen gegenüber Politico anonym. Vier stammen aus unterschiedlichen EU-Mitgliedstaaten, ein weiterer ist ein hochrangiger EU-Beamter. Keiner von ihnen konnte konkret benennen, welche Aussagen Trumps Ficos Reaktion ausgelöst haben könnten.

Weißes Haus widerspricht den Schilderungen

Auf entsprechende Anfragen reagierten Ficos Sprecher nicht. Das Weiße Haus wies die Darstellungen hingegen entschieden zurück. Sprecherin Anna Kelly erklärte, es handele sich um falsche Berichte anonymer europäischer Diplomaten, die versuchten, sich selbst wichtig zu machen. Das Treffen in Mar-a-Lago sei positiv und produktiv verlaufen.

Ein hochrangiger Regierungsvertreter, der an dem Gespräch zwischen Trump und Fico teilnahm, sagte ebenfalls anonym, er könne sich an keine unangenehmen oder unangebrachten Momente erinnern. Das Treffen sei auf Wunsch Ficos zustande gekommen, habe in angenehmer Atmosphäre stattgefunden und auch lockere Gesprächselemente enthalten, die vom Fotografen des Weißen Hauses dokumentiert worden seien.

Ein europäischer Diplomat zeichnete jedoch ein deutlich anderes Bild. Fico habe nach dem Treffen einen sichtbar belasteten Eindruck gemacht und Trump als jemanden beschrieben, der den Verstand verloren habe. Diese Wortwahl sei von einem unmittelbar an dem Austausch beteiligten Gesprächspartner übermittelt worden.

Öffentliche Selbstdarstellung steht im Kontrast zu internen Zweifeln

Ficos interne Einschätzungen stehen im Widerspruch zu seiner öffentlichen Darstellung des Treffens. In einem offiziellen Facebook-Video sprach er von einer großen Ehre und einem Zeichen besonderen Vertrauens, dass Trump ihn in seine private Residenz eingeladen habe. Die Gespräche seien informell, offen und konstruktiv verlaufen.

Nach Ficos Angaben tauschten sich beide Seiten über den Krieg in der Ukraine aus und teilten die Einschätzung, dass sich die Europäische Union in einer tiefen Krise befinde. Zudem unterzeichnete Fico während seines USA-Besuchs ein Abkommen zur zivilen Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie mit Washington.

Fico betonte, Washington habe gezielt seine Einschätzung zur Ukraine eingeholt, da die Slowakei aus seiner Sicht keine Positionen aus Brüssel nachspreche. Diese Aussage unterstreicht seine bewusste Distanzierung von den EU-Institutionen.

Wachsende Nervosität in Europa wegen Trumps Unberechenbarkeit

Unabhängig von Ficos Aussagen nimmt laut einem weiteren EU-Diplomaten die Sorge europäischer Spitzenpolitiker über die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten weiter zu. Zweifel an Trumps Stabilität würden in diplomatischen Kreisen zunehmend offen thematisiert.

Ein EU-Beamter, der an politischen Abstimmungen zwischen Brüssel und den Hauptstädten beteiligt ist, sagte, Befürchtungen über den Gesundheitszustand des US-Präsidenten entwickelten sich rasch zu einem zentralen Gesprächsthema auf allen Ebenen. Trump selbst weist entsprechende Spekulationen entschieden zurück.

Der 79 Jahre alte Präsident hat wiederholt und mit Nachdruck bestritten, an Erkrankungen zu leiden, die seine kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen könnten. Gleichwohl scheinen die Zweifel in Europa weiter zuzunehmen.

Auswirkungen auf Deutschland und die transatlantischen Beziehungen

Für Deutschland verdeutlichen die Berichte die wachsende Unsicherheit im transatlantischen Verhältnis. Als wirtschaftliches und politisches Schwergewicht der Europäischen Union steht Berlin zunehmend unter Druck, die Verlässlichkeit der US-Führung nüchtern neu zu bewerten. Die Debatte über Stabilität und Berechenbarkeit in Washington dürfte damit auch die deutsche Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik nachhaltig beeinflussen.

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