Politik

Russland verliert Zugang zum Satellitennetzwerk Starlink: Konsequenzen für den Ukraine-Krieg

Russland hat den Zugang zu Elon Musks Satellitennetzwerk Starlink verloren und damit ein zentrales Instrument im Ukraine-Krieg eingebüßt. Welche Folgen hat diese Sperrung für Moskaus Einsatzfähigkeit?
13.02.2026 11:00
Aktualisiert: 13.02.2026 11:30
Lesezeit: 3 min
Russland verliert Zugang zum Satellitennetzwerk Starlink: Konsequenzen für den Ukraine-Krieg
Der Verlust des Zugangs zu Musks Satellitennetzwerk Starlink schränkt Russlands militärische Kommunikation und Drohnensteuerung im Ukraine-Krieg ein (Foto: iStock.com, AdrianHancu) Foto: AdrianHancu

Russland verliert Zugang zu Musks Satellitennetzwerk Starlink

Russland hat nach Berichten mehrerer internationaler Medien den Zugang zum Satellitennetzwerk Starlink verloren und damit ein zentrales Instrument im Krieg gegen die Ukraine eingebüßt. Russische Einheiten können das System nicht länger zur Steuerung von Drohnen und zur Koordination ihrer Kommunikation in den Kampfgebieten einsetzen.

Damit entfällt für Moskau ein wesentliches technisches Element der Gefechtsführung. Die unterbrochene Verbindung erschwert die Abstimmung zwischen Einheiten sowie die Einbindung in übergeordnete Kommando- und Kontrollstrukturen. Internetverbindungen gelten im modernen Krieg als unverzichtbar.

Karen Philippa Larsen vom Dänischen Institut für Internationale Studien mit Schwerpunkt Russland und Ukraine betont, dass stabile Netzanbindungen sowohl für die operative Kommunikation als auch für die Führung von Truppen dauerhaft erforderlich seien. Der Ausfall treffe daher einen sensiblen Bereich der russischen Einsatzfähigkeit.

SpaceX kappt russische Nutzung

Betreiber des Netzwerks ist das von Elon Musk geführte Unternehmen SpaceX. Nach Angaben von CNN wurde Russland in der vergangenen Woche vom Satellitensystem ausgeschlossen, nachdem es Gespräche zwischen ukrainischen Behörden und SpaceX gegeben hatte.

Starlink basiert auf Tausenden Satelliten im Erdorbit und ermöglicht Internetzugang auch in Regionen ohne klassische Infrastruktur. Aufgrund von US-Sanktionen darf das System weder in Russland betrieben noch dorthin verkauft werden.

Analysten und ukrainische Stellen hatten jedoch wiederholt darauf hingewiesen, dass Russland Schlupflöcher nutze, um dennoch Zugriff auf die Technologie zu erhalten. Demnach sollen entsprechende Terminals über Drittstaaten oder inoffizielle Kanäle beschafft worden sein.

Drohnensteuerung und Kommunikation eingeschränkt

Nach Berichten soll Russland Starlink-Terminals auf Angriffsdrohnen montiert haben, um ukrainische elektronische Abwehrmaßnahmen zu umgehen. Auf diese Weise konnten Drohnen offenbar auch dann weiter gesteuert werden, wenn klassische Funkverbindungen gestört wurden.

Larsen zufolge wurden insbesondere Shahed-Drohnen mit Starlink-Terminals und Kameras ausgestattet. Dies habe es ermöglicht, die Systeme aus größerer Entfernung zu steuern und die Verwundbarkeit gegenüber Störtechnik zu reduzieren.

Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow sprach in der vergangenen Woche von konkreten Ergebnissen der Blockade. Elon Musk erklärte auf seiner Plattform X, die Maßnahmen gegen eine unautorisierte Nutzung durch Russland hätten offenbar Wirkung gezeigt.

In prorussischen Medien werde hingegen der Eindruck vermittelt, die Abschaltung habe kaum Auswirkungen. Zugleich kursieren Berichte über Fälle von Friendly Fire infolge gestörter Kommunikation. Das tatsächliche Ausmaß der operativen Folgen lässt sich derzeit jedoch nicht verlässlich beziffern.

Russland sucht nach technischen Alternativen

Ukrainische Vertreter bewerten die Lage deutlich kritischer. Serhii Beskrestnow, Berater des Verteidigungsministers, erklärte laut CNN, Teile der Kommando- und Kontrollstrukturen seien beeinträchtigt, Angriffsoperationen in mehreren Gebieten eingestellt worden.

Nach Einschätzung von Larsen dürfte Russland nun erhebliche Anstrengungen unternehmen, um die Kommunikationsfähigkeit wiederherzustellen. Auch Medien wie The Telegraph und The Guardian berichten, das russische Militär suche intensiv nach Alternativen zu Starlink.

Eine Option besteht im verstärkten Einsatz glasfaserbasierter Steuerungssysteme für Drohnen. Dabei werden extrem dünne Kabel genutzt, die nicht durch elektronische Störmaßnahmen beeinträchtigt werden können, da kein Funksignal übertragen wird.

Parallel arbeitet Russland an einem eigenen satellitengestützten Internetprojekt unter dem Namen Raswett. Der erste Start entsprechender Satelliten war ursprünglich für Ende 2025 vorgesehen, wurde jedoch verschoben. Sollten derzeit bereits russische Internetsatelliten im Einsatz sein, dürfte ihre Zahl begrenzt sein.

Starlink bleibt für die Ukraine strategisch zentral

Auch für die Ukraine ist der Zugang zu Starlink von grundlegender Bedeutung. Seit Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022 ermöglicht das System stabile Internetverbindungen in frontnahen Gebieten. Drohnen nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein, sowohl für Angriffe als auch für logistische Aufgaben.

Nach Angaben von Larsen setzt die Ukraine zudem bodengebundene Drohnen ein, um Verwundete zu evakuieren oder Nachschub bis an die vordersten Linien zu transportieren. Um den eigenen Zugang abzusichern, hat die Ukraine eine sogenannte Whitelist eingeführt. Über eine staatliche App müssen sämtliche Starlink-Terminals registriert werden.

Nicht erfasste Geräte wurden vom Netzwerk ausgeschlossen, um eine missbräuchliche Nutzung zu verhindern. Welche langfristigen militärischen Auswirkungen die Sperrung für Russland haben wird, bleibt offen. Larsen geht jedoch davon aus, dass die russische Drohnennutzung zumindest vorübergehend zurückgehen dürfte.

Bedeutung für Deutschland und Europa

Der Vorgang verdeutlicht, wie stark moderne Kriegsführung von privat betriebener Kommunikationsinfrastruktur abhängt. Satellitengestütztes Internet ist zu einem strategischen Faktor geworden, der operative Fähigkeiten unmittelbar beeinflusst.

Für Deutschland und andere europäische Staaten stellt sich damit die Frage nach technologischer Souveränität. Die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und außereuropäischen Systemen kann im Krisenfall sicherheitspolitische Risiken bergen. Der Aufbau eigener Kapazitäten dürfte daher weiter an Gewicht gewinnen.

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