Wirtschaft

KI-Arbeitsmarkt: Werden Elektriker reicher als Programmierer?

Programmierer galten lange als sichere Gewinner der Digitalisierung. Doch im KI-Arbeitsmarkt verschieben sich die Machtverhältnisse rasant, und ausgerechnet Elektriker, Installateure und Bauarbeiter könnten von der nächsten technologischen Welle stärker profitieren als viele Akademiker.
14.03.2026 11:00
Lesezeit: 2 min

KI-Arbeitsmarkt: Handwerk profitiert vom Strukturwandel

Jahrelang galten Programmierer als Inbegriff des Zukunftsberufs. Nun zeichnen führende Köpfe der KI-Branche ein anderes Bild: Elektriker, Installateure oder Bauarbeiter könnten zu den großen Gewinnern des KI-Arbeitsmarktes zählen. Zumindest wenn man den Prognosen von Nvidia-Chef Jensen Huang folgt. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si. Künstliche Intelligenz verändert den Arbeitsmarkt tiefgreifend. Sie automatisiert zunehmend Aufgaben im Softwarebereich und könnte zahlreiche Stellen im Programmieren überflüssig machen. Ein verstopftes Rohr repariert sie jedoch nicht. Ebenso wenig errichtet sie Rechenzentren, die für den Betrieb moderner KI-Systeme notwendig sind. Genau hier entstehen neue Engpässe und steigende Einkommen. Huang erklärte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos: "Man braucht keinen Doktortitel in Informatik für ein gutes Gehalt." In Bereichen, die KI nicht ersetzen kann, seien künftig Jahresgehälter von über einhunderttausend Dollar möglich. Die Begründung liegt auch im wachsenden Bedarf an neuen, leistungsfähigeren Rechenzentren. "In diesem Bereich beobachten wir einen deutlichen Boom. Die Löhne haben sich nahezu verdoppelt", sagte Huang.

Softwarejobs unter Druck: Handwerk mit Lohnsprung

Während Handwerksberufe an Attraktivität gewinnen, sehen manche Experten im White-Collar-Segment erhebliche Risiken. Dario Amodei, Chef von Anthropic, warnte vor massiven Umbrüchen. "Wir treten in eine Welt ein, in der Aufgaben von Junior-Softwareingenieuren, vielleicht auch viele Aufgaben von Senior-Ingenieuren, größtenteils von KI-Systemen übernommen werden." Auch Elon Musk äußerte sich kritisch zur klassischen Hochschulbildung. "Ich denke, dass Hochschulbildung etwas überbewertet ist. Zu viele Menschen verbringen vier Jahre damit, enorme Schulden anzuhäufen, ohne später nutzbare Fähigkeiten zu besitzen." Er betonte, wie wichtig handwerkliche Berufe seien, und ergänzte auf seiner Plattform X: "College is overrated." Gleichzeitig berichten Betriebe aus dem Handwerk von massivem Fachkräftemangel. "Die Arbeitnehmer haben heute die stärkere Verhandlungsposition", erklärt ein Elektriker aus der Praxis. Gute Fachkräfte seien heiß umkämpft.

Fachkräftemangel im KI-Zeitalter: Was bedeutet das für Deutschland?

Hinzu kommen strukturelle Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt. Arbeitskräfte aus Bosnien und Herzegowina oder Serbien zum Beispiel wechseln zunehmend nach Deutschland, wo sie höhere Löhne erzielen. Dadurch verschärft sich in kleineren Märkten der Personalmangel zusätzlich. Steigende Materialkosten treiben außerdem die Preise für Endkunden und indirekt auch die Löhne. Eine Analyse von Microsoft, das selbst in KI investiert und einen erheblichen Anteil an OpenAI hält, untersuchte rund 200.000 Interaktionen mit dem KI-System Bing Copilot. Besonders häufig nutzten Anwender KI für Informationsrecherche, Schreiben und Kommunikation. Berufe wie Übersetzer, Historiker, Schriftsteller oder Vertriebsmitarbeiter gelten daher als besonders exponiert. Deutlich seltener griffen Beschäftigte in körperlich geprägten Tätigkeiten auf KI-Unterstützung zurück. Microsoft nennt unter anderem Phlebotomisten, medizinische Assistenten, Fachkräfte für Gefahrstoffentsorgung, Malerhelfer, Einbalsamierer, Anlagenbediener, Kieferchirurgen, Autoglasmonteure, Schiffsingenieure sowie Reifen- und Vulkanisationsfachkräfte als vergleichsweise robuste Berufe.

Für Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas ist diese Entwicklung hochrelevant. Der KI-Arbeitsmarkt dürfte die Lohnstrukturen zwischen akademischen und handwerklichen Berufen neu justieren. Während Softwareaufgaben automatisiert werden, steigen die Einkommen dort, wo physische Infrastruktur, Bau, Energie und Wartung gefragt sind. Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr nur, wie viele Informatiker ausgebildet werden, sondern wie attraktiv handwerkliche Berufe im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz gestaltet werden.

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